HOME

15. Grand-Slam-Sieg in Wimbledon: "Roger ist eine Legende"

Roger Federer hat in Wimbledon Geschichte geschrieben und seinen 15. Grand-Slam-Titel gewonnen. Nun ist er endgültig der beste und erfolgreichste Tennis-Spieler aller Zeiten. Die Sport-Welt verneigt sich vor einem ihrer größten Champions.

Die Legenden standen Spalier für den "größten Tennisspieler der Geschichte". Björn Borg war da, Rod Laver auch, und selbst Pete Sampras hatte seine Villa in Kalifornien nur für diesen historischen Augenblick verlassen. "Er hatte es mir versprochen und ich wusste, er hält sein Wort", sagte Roger Federer. Im schmucken Foyer des Center Courts von Wimbledon empfing das berühmte Trio den Schweizer, der mit seinem 15. Grand-Slam-Triumph alle in den Schatten gestellt hat. "Roger ist eine Legende - und eine Ikone", schwärmte der entthronte Weltrekordler Sampras.

Auch Björn Borg legte seinen Eispanzer ab: "Roger ist der Größte. Er hat jeden einzelnen Titel verdient", meinte der Schwede und die Kollegen nickten beifällig. "Wenn er gesund bleibt, wird er in den nächsten Jahren noch einige Grand Slams gewinnen." Nach dem mit 77 Spielen längsten Grand Slam-Finale und dem mit 30 Spielen längsten Satz der Tennis-Geschichte, bezwang das Jahrhundert-Talent den Amerikaner Andy Roddick im fünften Durchgang mit 16:14. Am Ende des epischen Tennis-Krimis mit Überlänge durfte er sich über neue Einträge im Rekordbuch des Tennis freuen. "Federer ist ein geborener Sieger", titelte die englische Zeitung "Sun" am Montag. "Er ist der Vater aller Champions".

In Wimbledon schließt sich der Kreis

Doch auch dem bleiben Ziele, die es zu erreichen gilt. So heißt der König der All England Championships noch immer Sampras. Er hat sieben Titel auf dem Heligen Rasen gewonnen - einen mehr als Federer. "Die Rekorde sind es nicht alleine. Vor allem liebe ich den Sport. Und deshalb hoffe ich, noch viele Male hier spielen zu können und erfolgreich zu sein", rief der sechsmalige Champion Federer den 15.000 Zuschauern auf dem Center Court zu. Wimbledon ist sein Lieblingsturnier, daraus hat er noch nie einen Hehl gemacht. In London feierte er 2003 seien ersten Grand-Slam-Erfolg, "und hier schließt sich heute der Kreis mit dem 15.".

Eine Leistung, die auch andere Sportgrößen auf den Plan rief. "Jetzt muss ich wohl wieder nachziehen", verkündete Golf-Genie "Tiger" Woods in einer Grußbotschaft an seinen Freund. "Was er im Tennis geleistet hat, ist bei weitem mehr, als ich im Golf." Nun ja. Auch der Amerikaner ist eine Ikone in seinem Sport und hat es schon auf 14 Major-Titel gebracht. Aber Federer hat eben schon die "süßen 15", wie der "Daily Express" in großen Lettern verkündete.

Mit dem goldenen Pokal in der Hand stand der Champion nach der 4:16 Stunden langen Schwerstarbeit ein bisschen verloren neben den Legenden. Erst als ihn Borg in die Arme nahm, entkrampfte sich die Situation. Irgendwie blockiert wirkte der Schweizer auch im finalen Match, anfällig und fast ein bisschen zu relaxt. "Es war ganz anders als gegen Rafa. Der spielt von der Grundlinie und man weiß, was auf einen zukommt. Heute war es ein Spiel von Aufschlag und Return", erzählte Federer. Dass nicht schon im zweiten Satz alles aus und vorbei war, als er im Tiebreak 2:6 hinten lag, ist kaum zu erklären. "Da hat Andy das Match verloren", urteilte Boris Becker.

"Es tut mir leid Pete, aber ich konnte ihn nicht aufhalten"

Glatt ging an diesem Sonntag erstmal gar nichts. Auch Federer, der nach Sätzen 2:1 vorn lag, konnte den Sack nicht zumachen. Roddick spielte im dritten Wimbledon-Finale so gut wie noch nie - und doch reichte es für den US-Open-Sieger von 2003 wieder nicht. Das Drama brachte die "Times" mit der Schlagzeile auf den Punkt: "Verrückter Sonntag lässt heroischen Roddick als gebrochen Mann zurück."

Während Federer nach dem Matchball Freudensprünge vollführte, brach der 26-Jährige in Tränen aus. Dennoch trug er die unglückliche Niederlage mit einer Fassung, die höchsten Respekt abnötigt. "Es tut mir leid Pete, aber ich konnte ihn nicht aufhalten", scherzte er sogar in Richtung Sampras, nachdem sich "der Finalist der Herzen" vom ersten Schock der Niederlage erholt hatte. Den auf Platz eins der Weltrangliste zurückgekehrten Federer brachte Roddicks großartiger Auftritt an den Rand der Verzweiflung. "Es war frustrierend. Was ich auch gemacht habe, ich konnte Andy nicht den Aufschlag abnehmen", sagte der viermalige Weltsportler und erzählte, wie er Sampras' überraschende Ankunft erlebt hatte.

"Er kam ein bisschen spät und es hat mich tatsächlich nervös gemacht." Was er dann mitten im Spiel tat, fand Federer später selbst kurios: "Ich habe 'Hallo' gesagt, was eigentlich unüblich ist. Aber ich wollte nicht unhöflich sein." Nun ist er Weltrekordler mit sagenhaften 15 Grand-Slam-Titeln, hat Wimbledon sechsmal gewonnen und mit dem Sieg in Paris bei allen vier Grand Slams triumphiert - ein Jahr nach dem Endspiel-Debakel gegen Rafael Nadal ist die Tennis-Welt für Roger Federer wieder in Ordnung. Das Ereignis des Jahres steht ihm aber noch bevor: In ein paar Wochen wird er zum ersten Mal Vater.

Andreas Bellinger/DPA / DPA

Wissenscommunity