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18. Etappe: Die Favoriten legen die Beine hoch

Der "Kannibale" Lance Armstrong hatte am Freitag keinen Appetit. Eine sechsköpfige Ausreißergruppe profitierte auf der 18. Etappe der Tour de France vom Desinteresse der Armstrong-Mannschaft, das Tempo zu forcieren.

Nach 166,5 Kilometern von Annemasse nach Lons-le-Saunier hatte am Ende Juan-Miguel Mercado aus Spanien hatte keine Mühe, sich im Sprint vor seinem Landsmann Vicente Garcia Acosta den Tagessieg zu holen. Beide hatten sich 15 Kilometer vor dem Ziel von vier Mitausreißern abgesetzt. Das Hauptfeld mit Armstrong, Basso, Klöden und Ullrich erreichte das Ziel 11:30 Minuten später. Der Norweger Thor Hushovd spurtete auf Rang sieben, neunter wurde Danilo Hondo, 15. Erik Zabel, der in Paris keine Chance mehr auf das Grüne Trikot hat.

Ullrich: Platz drei im Visier

24 Stunden vor dem 55 Kilometer langen Einzelzeitfahren am Samstag in Besancon änderte sich im Gesamtklassements nichts: Armstrong führt weiter souverän mit 4:09 Minuten vor dem Italiener Ivan Basso vom CSC-Team und 5:11 Minuten vor Andreas Klöden von T-Mobile, der am Vortag in einem Fotofinish seinen ersten Tour-Etappensieg verpasst hatte. Jan Ullrich hat mit weiter 8:08 Minuten Rückstand auf Armstrong den Etappensieg beim Zeitfahren und wenigstens Rang drei am Sonntag in Paris im Visier. "Das war eine gute Vorbereitung für morgen, weil es ein bisschen ruhiger als bisher lief", sagte Ullrich nach dem Rennen.

Acht Ausreißer, zu denen zu Beginn auch Ronny Scholz gehörte, bestimmten weitgehend das Geschehen. Der Tour-Neuling vom Team Gerolsteiner fiel nach einem Defekt zurück. Die Spitzengruppe schmolz auf sechs Fahrer zusammen. Sie hatte in erster Linie von der Müdigkeit und der Inaktivität der Verfolger profitiert. Nach den anstrengenden Alpen-Etappen und vor dem Kampf gegen die Uhr in Besancon hatten sich die Spitzenfahrer Schonung auferlegt.

T-Mobile in der Mannschaftswertung vorn

Ein sicherer Platz auf dem Podium in Paris durch Andreas Klöden und die überraschende Spitzenposition in der Mannschaftswertung vor US-Postal steht bisher auf der Haben-Seite des T-Mobile-Kontos bei dieser Tour: Gemessen an den hohen Ansprüchen eines Jan Ullrich, der seinen zweiten Toursieg nach 1997 perfekt machen wollte und in der Endabrechnung womöglich nicht unter die ersten Drei kommt, ist das vielleicht keine überragende Bilanz für die verwöhnten Bonner.

Trotzdem zog Teamchef Mario Kummer vor dem Zeitfahren am Samstag in Besancon ein positives Fazit. «wir können zufrieden sein. Unser Team hat sich kämpferisch großartig geschlagen. Jan war zu Beginn krank, hat nie aufgegeben und wird jetzt immer stärker. Vielleicht schafft er im Zeitfahren, in dem er auf jeden Fall stärker als Basso ist, noch den Sprung aufs Treppchen», meinte Kummer, der von der starken Leistung Klödens "sehr überrascht" ist: "Das hatte ich vor der Tour nicht erwartet".

Der große Tour-Patron Armstrong beschränkte sich am Freitag mit einer Ausnahme auf eher gemütliches Mitrollen im Feld. Der Ausreißergruppe war er allein an einer Steigung hinterher gefahren, ohne dass einer der Favoriten folgen wollte oder konnte. Aber seine Show, mit der er auch den von ihm wenig geliebten Ausreißer Gilberto Simoni aus Italien disziplinierte, war kurz nach der erneuten Demonstration der Stärke wieder beendet.

Die Tour-Begleiter interessiert zur Zeit am meisten, was der mutmaßlich sechsfache Toursieger im kommenden Jahr vorhat. Die Chancen, dass er auch 2005 dabei ist, stünden "Fifty-Fifty" ließ sein Sprecher Jörg Müller wissen. Die "Herald Tribune" spekulierte vom bevorstehenden Ende seiner Tour-Karriere. Der 32-jährige Armstrong hatte am Donnerstag angekündigt, sich dazu am Samstag oder Sonntag zu äußern.

"Er fährt weiter - das steht fest. Aber wir haben weder mit Lance noch mit unserem neuen Sponsor Discovery Channel, mit dem wir mindestens drei, vielleicht aber auch fünf Jahre zusammen arbeiten werden, ein Rennprogramm für 2005 ausgearbeitet", erklärte am Freitag der belgische US-Postal-Manager Johan Bruyneel.

Andreas Zellmer und Heinz Büse/DPA / DPA

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