6. NBA-Final Miami macht den Titel klar


Die Dallas Mavericks benötigten ein Riesen-Spiel von Superstar Dirk Nowitzki, um noch eine Chance auf die Basketball-Meisterschaft zu haben. Der Würzburger tat seinen Teil, aber es reichte nicht, Miami den Titel streitig zu machen.
Von Helmut Werb, Los Angeles

Da hatte nicht mal Mark Cubans ganz spezielle Motivationshilfe genützt: die NBA hatte den exzentrischen Milliardär und Besitzer der Mavericks mit einer 250.000 Dollar Strafe belegt, als er nach dem letzten Spiel in Miami vor dem versammelten amerikanischen TV-Publikum explodierte und die NBA der Manipulation beschuldigte. "Zahl ich gern", lachte Cuban, der in letzter Zeit schon über 1,6 Millionen Dollar an Strafen überwiesen hatte, "solange es meinem Team zum Sieg verhilft!"

Cubans sonderbare NBA-Subvention half am Ende den Mavs nicht viel. In einem spannenden Spiel wurden die Texaner von einem gescheit gecoachten Miami Team nieder gespielt. Dabei hatte das Spiel gar nicht mal so schlecht begonnen. Dirk hatte das Monster ausgepackt, das er offensichtlich für die drei Auswärtsspiele nicht nach Florida mitgenommen hatte, und spielte ein sensationelles erstes Viertel. Gegen Ende der ersten zwölf Minuten führte Dallas mit einem 14-Punkte Vorsprung, elf Punkte allein für Dirk - und dabei wurde Shaquille O'Neal zum ersten Mal nicht doppelt gedeckt, sondern von Erick Dampier und DeSagana Diop in Einzelhaft genommen. Selbst der als der nächste Michael Jordan verschriene Dwyane Wade schien anfangs an sich vorbei zu spielen.

Most Valuable Player: Dwyane Wade

Das sollte sich im zweiten Viertel ziemlich drastisch ändern. Zwar hielten die Mavs die Heat bis zur letzten Minute vor der Pause auf Abstand, aber Wade riss mit 19 Punkten in der ersten Hälfte das Spiel- mal wieder - im Alleingang rum. Da half auch Dirks hervorragende Schwerstarbeit (17 Punkte bis zur Pause) nicht mehr. Miami ging mit einer 48:49 Führung in die Kabinen.

Danach sahen sich die Boys um Shaq und Dwyane nicht mehr um. Wade spielte nicht nur eine Super-Offensive, sondern zauberte auch defensiv. Der NBA-Veteran Alonzo Mourning spielte mit fünf blocked Shots, sechs Rebounds und acht Punkten das Spiel seines Lebens. Shaq, der trotz der Körperfülle nicht allzu sehr auffallen konnte, zeichnete sich mit zwölf Rebounds als Defensiv-Künstler aus. Nur Dirk Nowitzki hielt dagegen und brachte die Mavericks mit einer überragenden Einzelleistung zur Mitte des letzten Viertels noch auf 79:79 ran. Doch das hielt nur kurz. Mit einer miserablen Wurfstatistik von mickrigen 37 Prozent Fieldgoal-Treffern war in der American Airlines Arena selbst für das Heimteam nichts zu holen. Und trotzdem schaffte es Nowitzki, das Spiel am Ende noch mal spannend zu machen. Mit 17 Sekunden auf der Uhr und beim Stand von 95:90 bestand noch eine realistische Chance, ein siebtes Spiel zu erzwingen. Doch Jason Terry der Mavericks verpasste einen Jumpshot, Teamkollege Josh Howard jedoch versenkte zwei Freiwürfe, Miamis Dwyane Wade verfehlte seine Freethrows mit zehn Sekunden im Spiel. Jason Terry versuchte bei zwei Sekunden noch einen Verzweiflungswurf. Vergebens. Die Miami Heat hatten die Meisterschaft mit 95:92 in sechs Spielen gewonnen, nachdem sie mit zwei Spielen am Anfang den Mavericks hinterher hechelten. Und Dwyane Wade (36 Punkte, 10 Rebounds) wurde verdientermaßen zum MVP (Most Valuable Player) gewählt.

"Der Frust sitzt tief"

Zu seinem Geburtstag am Tag vor dem entscheidenden Spiel hätte sich Dirk Nowitzki (29 Punkte, 15 Rebounds) sicherlich was anderes gewünscht, als eine verdiente Niederlage vor eigenem Publikum - und vor seinem Vater, der sich das Spiel seines Sohnes von den Rängen aus ansah. Aber die Championship hatte Dallas nicht im sechsten - und letzten - Spiel verloren, sondern in Miami im Spiel Drei und Fünf, als sie beide Male einen sicheren Sieg in der zweiten Hälfte verschenkten. "Das ist schon sehr tough", nuschelte der mächtige Franke niedergeschlagen in die Mikrophone. "Irgendwann einmal werden wir auch stolz darauf sein können, dass wir soweit gekommen sind. Aber im Augenblick sitzt der Frust schon sehr tief."

"Coach Riley hatte uns schon am 8. Juni prophezeit", verriet ein überglücklicher Shaq O'Neal mit der Trophy in der Hand. "dass wir am 20. Juni Meister werden!" Pat Riley, dem doch tatsächlich die Tränen in den Augen standen, bestätigte: "Ich habe nur einen Anzug, ein Hemd und eine Krawatte mitgebracht. Wir waren einfach dran. Dies ist der schönste Ring von allen." Vier von den hässlichen Dingern hatte er ja schon, der fünfte ist aber tatsächlich etwas Besonderes, selbst für den Serientäter Riley: Vor ihm hatten es nur zwei andere Coaches je geschafft, die Meisterschaft mit zwei verschiedenen Teams zu gewinnen. Und weil er vor den Playoff-Spielen von der US-Presse recht hart angegangen worden war, rief er den Plagegeistern sichtlich zu. "Freiheit!! Jetzt habe ich endlich Ruhe von Euch!"


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