America's Cup Regenbogenmenschen


Es ist schwer, mit einem Glas Moet Chandon in der Hand über Afrika nachzudenken - aber nicht unmöglich. Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, Pate des südafrikanischen Teams Shosholoza, gelang es ausgerechnet auf einem Gala-Diner für Segler über Armut und Aids zu sprechen.
Von Roberto Lalli delle Malebranche, Valencia

Erzbischof Desmond Mpilo Tutu, 75 Jahre alt, aber mit dem Lächeln eines kleinen Jungen, erhebt sich und blickt sich um. Um ihn herum sitzen an die fünfzig handverlesene Gäste, die von Louis Vuitton zu einem Gala-Dinner geladen worden sind. Jacket and Tie, und sogar die stämmigsten Segler von Shosholoza haben sich ein Sakko übergezogen. "Ihr, das ganze Team von Shosholoza, habt mehr getan, als irgendjemand von uns sich vorzustellen gewagt hätte, viel mehr. Was hat der America's Cup mit Afrika zu tun, was mit der Armut, mit der Gewalt auf dieser Welt, mit all den Dingen, mit denen die Menschen jeden Tag fertig werden müssen? Auf den ersten Blick nichts. Aber ihr habt mit Shosholoza Afrika und der ganzen Welt gezeigt, dass wir alle etwas erreichen können, sogar das unmöglich Geglaubte erreichen können, wenn wir Hoffnung haben und zusammen arbeiten und den Menschen helfen, besonders den Kindern helfen, ihre Ohnmacht und Verzweiflung zu überwinden." Desmond Tutu blickt ruhig in die Runde, er sieht jeden einzelnen an, und im Saal ist es still.

Tod allgegenwärtig

Hinter ihm schweben die Segelboote auf der riesigen Fotowand im perfekt retouchierten blauen Meer, bewegungslos und leuchtend. Die jungen Männer in Schwarz halten die Champagnerflaschen so, als enthielten diese die Antwort auf alle Fragen und nicht einfach nur angenehmes Vergessen. An den Tischen sitzen Männer und Frauen, die das Segeln lieben oder es einmal geliebt haben, Menschen, die Preise, Geld und öffentliche Anerkennung errungen haben, und niemand der hier ist, wirklich niemand, weiss, wie es ist, von einem Dollar am Tag leben zu müssen, oder vierzehn Kilometer zum nächsten Brunnen zu laufen. Aber Südafrika, das ist nicht nur Armut und Hunger, sondern vor allem Aids: Fünf Millionen infizierte Menschen, das sind fast zehn Prozent der Bevölkerung, 350.000 Aida-Tote im Jahr, 80.000 Babys, die jährlich mit dem Virus zur Welt kommen, und eine Million Mädchen und Frauen, die im selben Zeitraum vergewaltigt und dabei immer öfter infiziert werden. Im Jahr 2010 wird, wenn nichts geschieht, die durchschnittliche Lebenserwartung in Südafrika wieder bei 45 Jahren liegen, wie zuletzt in den fünfziger Jahren.

Rainbow Nation

Das ist Südafrika, das ist es auch, und niemand weiss das besser als Desmond Tutu. Als Weggefährte von Nelson Mandela hat er gegen die Apartheid gekämpft, als Bischof von Lesotho hat er versucht, zwischen den zerstrittenen Flügeln des schwarzen Widerstands zu vermitteln. Frieden zwischen den Menschen und zwischen den Nationen, das ist schon immer sein Traum gewesen. Für diesen Traum hat er sein ganzes Leben nicht gekämpft, sondern gestritten, den Regenbogen im Blick. "Nach der Sintflut hat Gott Noah mit dem Regenbogen gezeigt, dass ein Neubeginn möglich ist und dass es wieder Hoffnung gibt", hat Tutu einmal gesagt. "Und wir alle sind gesegnete Geschöpfe Gottes und Regenbogenmenschen."

Glänzende Nacht

Desmond Tutu steht immer noch da, er sieht noch immer in die Runde. "Lassen sie uns etwas tun, ich zähle darauf, dass sie und ich, dass wir gemeinsam etwas bewegen. Helfen sie uns und unserem Kampf gegen Aids. Danke." Der alte Mann mit dem Körper und dem Lächeln eines kleinen Jungen setzt sich wieder, er zwinkert seiner Frau zu. Applaus brandet auf, und die Menschen sehen einander an. Morgen werden wir alle wieder hinausfahren und segeln, oder aber über das Segeln schreiben. Die jungen Männer in Schwarz beginnen wieder, Champagner in die Gläser zu füllen. Draussen ist es Nacht, glänzend und voller Menschen, die auf der Suche sind. Regenbogenmenschen.


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