America's Cup Segeln "USA 87" - Bereit für die Kanne


BMW Oracle Racing gilt als härtester Konkurrent von Cup-Verteidiger "Alinghi". In Valencia stellten die Amis jetzt ihr neues Boot vor - das scheint siegtauglich.
Von Klaus Bellstedt, Valencia

America's Cup Segeln hat immer auch etwas mit psychologischer Kriegsführung zu tun. Und das nicht nur draußen auf dem Meer, sondern auch im Hafenbecken. Bei der Bootstaufe der neuen BMW-Oracle-Racing-Yacht in Valencia konnten sich davon gut 700 Ehrengäste und an die 150 Journalisten aus aller Welt überzeugen. Es war ein Spektakel, eine Zeremonie der Extraklasse, die sich der Veranstalter hatte einfallen lassen. Auch mit dem Ziel, die unmittelbar benachbarte Konkurrenz im engen Port America's Cup, vor allem aber Titelverteidiger "Alinghi", einzuschüchtern. Das gelang - sogar eindrucksvoll.

Zunächst stimmte ein einsamer Trompeter leicht kitschig die amerikanische Nationalhymne an. Dann wurden auf die durch Wasserdunst vernebelte Großbildleinwand wilde Rennszenen des Teams projiziert. Alles schon da gewesen, hätte man meinen können, ohne dabei falsch zu liegen. Was sich im Anschluss aber vor den Augen der illustren Gästeschar abspielte, raubte so manchem den Atem. Die erste neue Segelyacht des amerikanischen Teams BMW Oracle Racing für den America’s Cup 2007 durchstieß mit dem Schiffsbug voran die Leinwand. Der Eindruck entstand, dass das Boot von hinten einen Wasserfall durchbrechen würde. David Copperfield hätte es nicht besser machen können. Nur die elementaren Bestandteile der "USA 87" wie Kiel, Kielbombe und Ruder blieben von Schürzen verborgen - sie gelten weiterhin als Geheimsache.

Amis lechzen nach der Silberkanne

Die neue Yacht, die schließlich noch von einem spanischen (!) Priester geweiht und von der Skipper-Gattin Sue Dickson standesgemäß mit einer Champagnerflasche getauft wurde, ist 24 Meter lang, vier Meter breit und hat ein Gewicht von 24 Tonnen. "Dies ist ein großer Moment für unser Team und ohne Frage ein Meilenstein auf dem Weg zu unserem anvisierten Ziel - den America's Cup hier nächstes Jahr zu gewinnen", sagte Chris Dickson, CEO und Skipper von BMW Oracle Racing. In Abwesenheit des exzentrischen Software- Milliardärs und Chef des Hauses Oracle, Larry Ellison, wies Dickson in seiner Ansprache auf die Bedeutung des Events hin: "Eine Bootstaufe ist immer ein bewegender Augenblick - für jeden Designer und Bootsbauer, für jeden Segler, für alle, die an einer solch großartigen Kampagne beteiligt sein dürfen."

Nicht ohne Stolz blickte denn auch die aus 16 Nationen bestehende Crew, darunter mit Tony Kolb auch der einzige Deutsche, auf ihr neues "Arbeitsgerät", mit dem sie voraussichtlich am 11. Mai zum Auftakt des Louis Vuitton Act 10 die ersten Match Races bestreiten wird. Bis dahin wird die Mannschaft versuchen, das Maximale aus der neuen Yacht "US 87" herauszuholen, Dinge zu verfeinern und zu perfektionieren. Die Zeit drängt und der brutale Druck, der auf dem Team lastet, wird nicht eben weniger. Das Syndikat gilt mit einem geschätzten Budget von 120 Millionen Euro als finanziell üppig ausgestattet und im Zusammenschluss mit dem technologischen Know-how von Autobauer BMW als enorm stark. Daheim im Golden Gate Yacht Club von San Francisco rechnet man auch deshalb fest mit dem Sieg beim Kampf um die älteste Sporttrophäe der Welt. Zuletzt triumphierte 1992 ein amerikanisches Boot beim America's Cup. Die Amis lechzen förmlich nach der Rückkehr der Silberkanne.

"We use our feelings"

Der America's Cup ist die unumstrittene Formel 1 des Segelns, weil die technischen Anforderungen an die Yachtkonstruktionen extrem hoch sind. Die Bootstaufe von "USA 87" hat gezeigt, dass BMW Oracle Racing diesbezüglich bereits zum jetzigen Zeitpunkt ganz weit vorne liegt. In den Bereichen Design und Technologie macht dem Team von Gründer Larry Ellison fast schon traditionell niemand etwas vor. Schenkt man den Worten des Design-Koordinators Ian Burns Glauben, dann ist die Crew mit den besten Grundlagen für den Renneinsatz ausgestattet. Großen Anteil daran haben auch die hoch spezialisierten BMW-Ingenieure, die dem Syndikat mit der Unterstützung aus der Welt des Automobilbaus eine völlig neue Sicht der technischen Analysen und Forschungen ermöglicht haben.

Bei so viel geballter High-Technology melden sich immer auch kritische Stimmen zu Wort - hauptsächlich natürlich von der Konkurrenz. "Ellisons Boot", kommentierte Alinghi-Designer Rolf Vrolijk, "wurde mehr am Computer entwickelt, während unseres vor allem auf dem Wasser in enger Zusammenarbeit mit den Seglern entstand." BMW-Oracle-Racing-Skipper Chris Dickson widersprach dem Vorwurf, dass es sich bei seinem Boot um eine Roboter-Yacht handeln würde, vehement: "Wir können noch so viele Computer an Bord haben, am Ende entscheiden wir auch aus dem Bauch heraus. "We use our feelings", meinte der Neuseeländer und strich sich dabei über den flachen Bauch.

Bei seinen Statements in Valencia nahm der erfahrene Segler auffällig oft das Wort "wir" in den Mund. Beim letzten Cup sind die Amerikaner auch am mangelnden Teamwork gescheitert. Daraus hat man gelernt. Es scheint so, also verfüge die Crew dieses Mal über ausreichend Stabilität und Dynamik, die man braucht, um das gemeinsame Ziel zu erreichen: den Gewinn des America's Cup. Die Jungs von "Alinghi" sollten gewarnt sein. Die Titelverteidigung im nächsten Jahr geht nur über BMW Oracle Racing.


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