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Segel-Regatta Vendée-Globe Boris Herrmann kämpft um die Segelkrone – bringt eine Zeitgutschrift die Entscheidung?

Sehen Sie im Video: Kurz vor Ende der Vendée Globe – Boris Herrmann wendet sich mit Videobotschaft an Fans. Videoquelle: n-tv.de
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Es ist ein Segelkrimi mit einem neuen deutschen Helden: Boris Herrmann kämpft im Finale bei der Vendée Globe um den Sieg. Die Entscheidung fällt wohl am Mittwochabend.

Im Final-Krimi der Vendée Globe spielt der Deutsche Boris Herrmann eine der Hauptrollen. Zwei Tage vor der Entscheidung kämpft der 39-jährige Skipper der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" nach packender Solo-Weltumseglung um den Sieg. Am Dienstagmorgen überholte der gebürtige Oldenburger den Franzosen Louis Burton und rückte auf Rang zwei vor. In Führung liegt weiterhin der Franzose Charlie Dalin mit seiner Yacht "Apivia". Doch den Deutschen trennen lediglich 85 Seemeilen – rund 157 Kilometer. Nicht viel für Rennyachten, die mit einer Spitzengeschwindigkeit von 75 km/h über die Meere rasen. Herrmanns großes Plus: Anders als den beiden Franzosen werden ihm nach der Zieldurchfahrt noch sechs Stunden gutgeschrieben, weil er sich Anfang Dezember an der Rettungsaktion von Kevin Excoffier beteiligt hatte. Allerdings: Der Fünftplatzierte Yannick Bestaven erhält sogar 10 Stunden und 15 Minuten gutgeschrieben und könnte ebenfalls noch in den Kampf um Platz eins eingreifen.

Das führende Quintett fährt im Finale unterschiedliche Strategien und nutzt verschiedene Winde. "Es kann noch viel passieren, spannender geht es nicht", sagte Herrmann: "Die letzten 20 oder 18 Stunden sind entscheidend. Es wird ein reines Speed Race auf einer 450 Meilen langen Zielgeraden." Die Rennleitung hat inzwischen die Ziellinie von 0,3 auf 1,9 Seemeilen (von 550 Metern auf 3,5 Kilometer, d. Red.) verlängert, das ermöglicht einen gleichzeitigen Zieldurchgang mehrerer Boote.

Boris Herrmann kann Segelsport-Geschichte schreiben

Herrmann ist drauf und dran, mit einem Sieg nach 80 Tagen um die Welt ein Kapitel Segelsport-Geschichte zu schreiben. Nach mehr als 27.000 gesegelten Meilen (gut 50.000 Kilometer, d. Red.) um die Welt ringt der Vater einer sieben Monate alten Tochter tatsächlich um die Krone der Weltumsegler. Nie zuvor in drei Jahrzehnten Vendée-Globe-Historie hat ein Nicht-Franzose die berühmte Regatta gewinnen können, die unter Seglern auch als "Besteigung des Mount Everest zur See" gilt.

In seiner Heimat ist Herrmann längst der neue Segel-Star. "Boris hat Segeln zum Mainstream in einem Land gemacht, in dem das abendliche Fernsehprogramm sonst nur aus Fußball besteht", sagte Skiff-Europameisterin Susann Beucke. Der Segelmacher, 38-malige deutsche Meister und Sänger Frank Schönfeldt widmete Herrmann sogar einen eigenen Song mit dem Titel: "Boris, flieg!"

"Boris Herrmann ist ein Glücksfall für den deutschen Segelsport. Er verknüpft die eigenen Ziele mit einer Verantwortung für nachfolgende Generationen und die Umwelt. Das und seine kommunikative Art machen ihn neben dem Erfolg sehr sympathisch", sagte Mona Küppers, Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes.

Seit dem Start der Vendée Globe am 8. November ist Herrmann als engagierter Erstteilnehmer Aufmerksamkeit gewiss. Die ARD, der NDR, das ZDF und weitere Sender berichten zu Hauptsendezeiten. "Es ist medial das Beste, was dem deutschen Segeln seit langer Zeit passiert ist", stellte der dreimalige Olympiasieger und zweimalige  America's-Cup-Gewinner Jochen Schümann fest.

Aus dem ostfriesischen Wattenmeer ist der gebürtige Oldenburger ausgezogen, die Segelwelt zu erobern. Herrmanns pedantische Vorbereitung auf das Abenteuer Vendée Globe, sein Talent als Regattasegler und seine Kommunikationsfähigkeit begeistern Sportfans. Er gibt ihnen tiefe Einblicke in das Leben auf See.

Herrmann kämpft für die Gesundheit der Meere

Herrmann hat den Strom packender Bilder, Videos und Interviews von Bord auch in dunklen Stunden wie beim Großsegelriss im Sturm vor Kap Hoorn nie abreißen lassen. Parallel nutzt der Mann, der 2019 die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg an der Seite seines Freundes und Co-Skippers Pierre Casiraghi über den Atlantik segelte, den Meeres-Marathon zur Motivation und Inspiration seiner Fans im Kampf gegen den Klimawandel und für die Gesundheit der Meere. "Wir haben viele unserer Ziele schon vor dem Finale erreicht. Darüber bin ich glücklich", sagt Herrmann. (Mehr über Herrmanns Atlantiktörn mit Greta Thunberg können Sie hier nachlesen.)

Als neuer Star des deutschen Segelsports kämpft der studierte Betriebswirtschaftler in diesen Tagen um den krönenden Abschluss seiner abenteuerlichen Reise um die Welt. Direkt nach dem Zieldurchgang wird er seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann erstmals nach drei Monaten noch an Bord wieder in die Arme schließen können.

"Darauf und auf das Wiedersehen mit unserer Tochter Malou und unserem Familienhund Lilli freue ich mich am meisten", sagt Herrmann, der wenige Tage nach seiner Ankunft die Heimreise in die heimische Hamburger HafenCity antreten will. Dort erwarten ihn Alltagsarbeiten wie das Anbringen von Vorhängen und der Aufbau eines Babybetts. "Dabei bin ich kein sehr talentierter Heimwerker", sagt Herrmann lächelnd. Dabei hatte er auf See mehr als einmal mit außerordentlichen Reparaturqualitäten geglänzt. "Vielleicht kann ich etwas von dieser Motivation mit nach Hause nehmen."

Quellen:vendeeglobe.org, NDR.de

Tatjana Pokorny/kng/tkr DPA

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