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America's Cup: Brüchiger Burgfrieden

Das gerichtliche Powerplay zwischen America's Cup-Verteidiger Alinghi und Kläger BMW Oracle Racing ist zu Gunsten der Amerikaner entschieden. Doch Frieden ist nicht in Sicht: Jetzt streiten die Cup-Giganten um den Austragungstermin für ihr gerichtlich erzwungene Exklusiv-Duell.

Von Tatjana Pokorny

Der ersten Erleichterung folgte noch in der Nacht auf Mittwoch Ernüchterung: Die von allen Parteien herbeigesehnte Entscheidung im Gerichtsstreit zwischen America's Cup-Verteidiger Alinghi und Kläger BMW Oracle Racing wird von den unterlegenen Schweizern akzeptiert. Das Gericht hatte entschieden, dass die Schweizer und die Amerikaner im 33. America´s Cup in einem Exklusiv-Duell aufeinander treffen. Alle anderen Herausforderer, darunter auch Team Germany, sind zum Zuschauen verdammt. Doch es droht schon neuer Ärger.

"Lasst uns die Sache jetzt auf dem Wasser klären", ließ der unterlegene Segel-Milliardär Ernesto Bertarelli ausrichten und verkündete damit nach achtmonatigem Tauziehen mit Software-Guru Larry Ellison seinen Verzicht auf die mögliche Berufung. Beide Seiten hatten zuletzt monatlich bis zu sechsstellige Summen in ihre Anwälte investiert. Doch der gerichtlich erzwungene Burgfrieden ist brüchig. Denn die Alinghi abgetrotzte Bereitschaft zum Duell gegen den US-Segelrennstall hat aus Sicht der Amerikaner einen großen Haken.

Die Schweizer erklärten in einer eiligen Pressemitteilung beinahe fröhlich: "Wir blicken jetzt nach vorne, wollen den Kampf aufs Wasser zurück bringen und BMW Oracle im Juli 2009 an der Startlinie zu einem Duell auf Basis der Stiftungsurkunde treffen." Die vier Ziffern 2-0-0-9 sorgen nun für gespieltes Entsetzen auf der Gegenseite, die ganz anderes im Sinn hat. Die Amerikaner wollen bereits in diesem Jahr vor Valencia gegen die Schweizer antreten. Das steht so auch in der am 11. Juli den Schweizern überbrachten Herausforderung zum Exklusiv-Duell.

Schweizer hinken hinterher

Die neu eingeläutete Runde im Boxkampf der Super-Segelsyndikate hat gute Gründe. Als die Amerikaner die Schweizer am 20. Juli 2007 mit ihrer überraschend eingereichten Klage unsanft aus dem Siegestaumel weckten und öffentlich vorführten, hatte Larry Ellisons Elitetruppe um Superstar Russell Coutts insgeheim längst mit den Vorbereitungen auf das mögliche Exklusiv-Duell auf Mega-Katamaranen begonnen. Diesem enormen Zeitvorsprung laufen die Schweizer seit einem guten halben Jahr hinterher. Kein Wunder, dass Bertarelli, seine Mannschaft um Skipper Brad Butterworth und das Design-Team um den Hamburger Chefdesigner Rolf Vrolijk nicht das geringste Interesse an einem Showdown noch in diesem Jahr haben. Aus ihrer Sicht ist jeder weitere Monat Vorbereitung Gold wert. Sie setzen einmal mehr auf das nicht mehr zeitgemäße und schwierig interpretierbare Regelwerk der 121 Jahre alten Stiftungsurkunde und behaupten, dass ein Duell noch in diesem Jahr nicht den Statuten der "Deed of Gift" entspräche.

Der verantwortliche US-Richter Cahn hat für diesen vorhersehbaren Fall in seinem Urteil nur bedingt Vorsorge getroffen. In der elfseitigen Urteilsbegründung heißt es: "Wenn die Parteien sich nicht einigen können, können sie die Angelegenheit im Rahmen einer weiteren Anhörung vor Gericht bringen oder von einer neutralen Instanz der Segelgmeinschaft klären lassen. Ein Alinghi-Insider sagte stern.de: "Es könnte wohl sein, dass wir uns erneut vor Gericht treffen müssen."

Team Germany kämpft ums Überleben

Das Gezerre um die Macht in der ältesten Regatta der Welt will nicht enden. Noch immer gibt es für die bis zu zwölf zwangsweise vom 33. America's Cup ausgeschlossenen Herausforderer keine Planungsunsicherheit für die kommenden Jahre. Auch für Team Germany geht der Überlebenskampf in eine neue Runde. Teamchef Jochen Schümann, dessen Vertrag ebenso zum Ende dieses Monats ausläuft wie die aller anderen Mannschaftsmitglieder, kämpft mit für die Zukunft seines Teams. Auf dem Spiel steht Schümanns Traum vom Aufbau eines dauerhaften deutschen Profi-Pools, der Nachwuchstalenten Chancen und Ziele bietet und international erfolgreich ist. Gebetsmühlenartig hatte Schümann in den letzten Wochen immer wieder gesagt: "Wir müssen trotz der schwierigen Lage im America's Cup weiter machen. Wir dürfen jetzt nicht aufgeben, wenn wir baldmöglichst zur internationalen Spitze aufrücken wollen."

Doch die drei Hauptsponsoren des deutschen Teams, die United Internet AG, die Audi AG und Porsche Consulting, unterstützen Schümann, der erst im Schweizer Ausland zum America´s Cup-Ruhm segeln musste, um im eigenen Land gehört zu werden, nicht länger. In zwölf Tagen verlöschen die Lichter im Basiscamp der deutschen Mannschaft in Valencia. Vorübergehend, wie alle Beteiligten versichern. Nur, bis sich die Lage geklärt haben, wiederholten die Pressesprecher nachhaltig.

Für den dreimaligen Olympiasieger Schümann ist es die falsche Entscheidung. Mit einer Kernmannschaft startet der 54-Jährige in diesem Jahr auf der Hamburger "Platoon" in die prestigereichen MedCup. Neuer Hauptsponsor der hochkarätigen Alternativ-Serie für arbeitslose America´s Cup-Profis ist die Audi AG, die damit ihren Willen zum dauerhaften Engagement im internationalen Segelsport unterstreicht.

Hoffen auf neuen Cup

Das Projekt und sein erfolgsorientierter Hamburger Eigner Harm Müller-Spreer, verschaffen den "Schümännern" nicht nur ein professionelles Trainings- und Regattaumfeld, sondern auch Luft zum Durchatmen. Bis zum Ende der Saison, so hoffen sie, dürfte entschieden sein, wann der 33. America´s Cup ausgetragen wird.

Sowohl Alinghi als auch BMW Oracle Racing haben für den Fall ihres Sieges in diesem Duell angekündigt, auch die 34. Cup-Auflage vor Valencia zu veranstalten. Beide haben dafür das Jahr 2011 in Aussicht gestellt. Vielleicht halten sie ja wenigstens damit ihr Wort. Die meisten der potenziellen Teams und deren Sponsoren würden nach langer Durststrecke mit grünem Licht für eine neue Cup-Jagd belohnt.

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