National-Elf Mit Lehmann gegen Belgien


Der verkündete "Burgfrieden" im Torhüter-Streit der Fußball-Nationalmannschaft hat sich schon nach wenigen Tagen als brüchig erwiesen. Jetzt hat Teamchef Rudi Völler ein Machtwort gesprochen.

Der verkündete "Burgfrieden" im Torhüter-Streit der Fußball-Nationalmannschaft hat sich schon nach wenigen Tagen als brüchig erwiesen. Nachdem Oliver Kahn am Wochenende interne Absprachen publik gemacht hatte und zudem sein Desinteresse an einer von Rudi Völler angekündigten Aussprache mit seinem Rivalen Jens Lehmann anklingen ließ, sprach der DFB-Teamchef ein Machtwort: "Wir werden uns vor dem Rumänien-Spiel Ende April zu dritt zusammen setzen. Konflikte kann man nur durch Gespräche lösen", betonte Völler.

Lehmann im Tor gegen Belgien

Der Teamchef war nicht erfreut darüber, dass Kahn am Samstag in der "Bild"-Zeitung ausgeplaudert hatte, dass Lehmann beim nächsten EM-Testspiel am 31. März in Köln gegen Belgien im Tor stehen wird und er selbst eine mit Völler abgesprochene Pause erhält. "Offiziell wollte ich das jetzt noch nicht rauslassen", sagte Völler. Diese Vorgehensweise sei aber bereits "vor längerer Zeit ausgemacht" worden und habe nichts mit den durch ein Interview von Lehmann nach dem Kroatien-Spiel im vergangenen Monat ausgelösten neuen Querelen zwischen den Torhütern zu tun, versicherte der Teamchef. Völler forderte Gelassenheit: "Es wird alles ein bisschen hoch gepuscht."

"Die Sache muss ausgeräumt werden"

Der Teamchef hatte in der vergangenen Woche in Einzelgesprächen mit Kahn in München und Lehmann in London versucht, eine tragfähige Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Torhüter bei der EM (12. Juni bis 4. Juli) herbeizuführen. Auch Kahn gab sich am Samstag nach dem Bundesligaspiel der Bayern gegen Rostock in dieser Hinsicht einsichtig, wies dabei aber ausdrücklich auf seine Funktion als Spielführer hin: "Ich habe als Kapitän die Verantwortung, dass das Thema vom Tisch kommt. Die Sache muss ausgeräumt werden."

Auch wenn Völlers Nummer 1 nicht von einem "Friedensgespräch" sprechen will, hat Kahn erkannt, dass die persönliche Abneigung zwischen Lehmann und ihm nicht den Erfolg des Vize-Weltmeisters in Portugal gefährden darf. "Vor zwei Jahren bei der WM waren wir eine verschworene Truppe. Auch bei der EM ist es wichtig, dass es keine Brandherde gibt", sagte Kahn. Als Torhüter sieht der 33-Jährige dagegen keinen Gesprächsbedarf mit Lehmann und erhielt dabei Unterstützung von Ex-DFB-Teamchef und Bayern-Präsident Franz Beckenbauer: "Warum soll Kahn mit ihm reden? Er ist die Nummer 1."

Lehmann erhält im fünftletzten Testspiel vor der EM, die für die deutsche Mannschaft am 15. Juni in Porto mit dem Vorrundenspiel gegen die Niederlande beginnt, die von ihm seit langem geforderte und von Völler versprochene Bewährungschance. "Lehmann wird gegen Belgien im Tor stehen", bestätigte der Teamchef. Der Torwart von Arsenal London bestritt sein 16. und bislang letztes Länderspiel am 11. Oktober 2002 gegen Bosnien-Herzegowina. Beim 1:1 vor anderthalb Jahren in Sarajewo durfte Lehmann in der zweiten Hälfte Kahn ablösen.

Lehmann: "Ich habe keine 24-jährige Freundin"

Der 33-jährige Lehmann hatte nach dem 2:1-Sieg gegen Kroatien im vergangenen Monat seine Ansprüche als Nummer 1 bei der EM erneuert, dabei seinen Konkurrenten Kahn aber auch persönlich angegriffen. "Ich wüsste nicht, was wir reden sollten. Ich habe keine 24-jährige Freundin, ich habe ein anderes Leben", hatte Lehmann gesagt. Völler rügte seine Nummer 2 dafür öffentlich und auch unter vier Augen. An der Torhüter-Rangfolge wird auch das Belgien-Spiel nichts ändern. «Dass Olli die Nummer eins ist, ist klar», bekräftigte Völler.

Auf der Bank soll gegen Belgien statt Kahn der "vermeintliche dritte Torwart bei der EM" sitzen, kündigte der Teamchef an. Da der Schalker Frank Rost verletzt ist, gelten der Lauterer Tim Wiese und Timo Hildebrand vom VfB Stuttgart als Favoriten.

Klaus Bergmann und Jens Mende

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