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Angelique Kerber: Tennis-Weltrangliste erklärt: Warum es schwer ist, Nummer eins zu bleiben

Plötzlich Nummer 1? Der Sprung auf den Tennis-Thron ist für Angelique Kerber der Lohn für herausragende Leistungen in den vergangenen zwölf Monaten. Trotzdem kann es manchmal schnell gehen - nach oben und nach unten. Je besser man wird umso schwerer wird es, oben zu bleiben.

Angelique Kerber schlägt am Netz - Es ist schwer, Nummer 1 der Weltrangliste zu bleiben

Angelique Kerber am Netz: Sie ist die neue Nummer 1 im Damen-Tennis

An jedem Montag - außer an den Montagen inmitten der insgesamt sechs zweiwöchigen Turniere (die vier Grand-Slam-Turniere sowie Indian Wells und Miami) - veröffentlicht die WTA, die Women's Tennis Association, die aktuelle Rangliste der weltbesten Spielerinnen. Am kommenden Montag wird Angelique Kerber erstmals ganz oben stehen - als erst zweite deutsche Frau nach Steffi Graf. Das ist schon jetzt, noch vor dem Finale der US Open am Samstag, klar. Wie kann das sein? Wie hat Kerber sich so schnell hochgekämpft gegen die seit Jahren starke Serena Williams? Und wie funktioniert die WTA-Rangliste überhaupt?

Kurz gesagt: Angelique Kerber hat erfolgreiche zwölf Monate hinter sich, in denen sie bei mehreren bedeutenden Turnieren besser abgeschnitten hat als im Vorjahr. Zu nennen ist da vor allem ihr erster Grand-Slam-Sieg überhaupt bei den Australian Open im Januar. Das Ergebnis des aktuellen Turniers ersetzt jeweils das Ergebnis desselben Turniers aus dem Vorjahr. Schon damals hat Angelique Kerber also einen schönen Sprung nach vorne im Ranking gemacht.

Angelique Kerber profitiert auch von Olympia

Aktuell hat Kerber bei den US Open ihr drittes Grand-Slam-Finale erreicht - und damit erneut deutlich besser abgeschnitten als im Vorjahr, als sie bereits in der dritten Runde ausgeschieden war. Serena Williams, die Noch-Nummer 1, konnte dagegen mit dem aktuellen Halbfinal-Aus ihr Vorjahresergebnis lediglich wiederholen - bleibt also bei ihrem aktuellen Punktestand stehen. Zudem hat Angelique Kerber von ihrer Silbermedaille bei Olympia profitiert, denn auch in diesem Turnier gibt es Punkte für die Weltrangliste, obwohl es nur alle vier Jahre stattfindet. 470 Zähler heimste Kerber für ihre Finalteilnahme ein.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Es kann sehr schnell wieder abwärts gehen, wenn man sein hohes Niveau nicht halten kann. Sowohl bei den nächsten Australian Open als auch bei den US Open im kommenden Jahr hat Angelique Kerber nun - anders als in diesem Jahr - richtig was zu verlieren. Das Ranglistensystem belohnt also vor allem sportliche Kontinuität. Wer in der Rangliste oben bleiben will, muss immer wieder aufs Neue hervorragende Leistungen bringen. In ihrer besten Zeit (1987 bis 1991) schaffte es Steffi Graf, 186 Wochen am Stück die Nummer 1 zu bleiben. Das ist bis heute Rekord, der allerdings von Serena Williams zuletzt eingestellt wurde.

So funktioniert die Punktevergabe

Erstellt wird die WTA-Weltrangliste seit 1975. Geführt werden Spielerinnen, die mindestens 14 Jahre alt sind sowie mindestens an drei Turnieren im Wertungszeitraum teilgenommen haben. Das Ranking umfasst jeweils die Ergebnisse der Turniere der vergangenen 52 Wochen. Für jede Spielerin zählen maximal die 16 punktbesten Ergebnisse in dieser Zeit. Dabei gilt: Für jede Spielerin, die das Hauptfeld der sogenannten verpflichtenden Turniere ("Premier Mandatory"), der Grand-Slam-Turniere und der WTA-Meisterschaft erreicht, zählen diese Turniere auf jeden Fall zu den besten 16. Und: Für jede Top-20-Spielerin zählen zwei Turniere der unteren Kategorie "Premier 5" zu den besten 16 Ergebnissen. Daneben gibt es noch diverse unterklassige Turnier-Kategorien, in denen man aber auch Weltranglistenpunkte sammeln kann. Seit 2006 werden keine Bonuspunkte für einzelne Match-Siege mehr verteilt, sondern nur Punkte für das Erreichen einer Runde (Finale, Halbfinale, Viertelfinale etc.).

Das aktuelle Ergebnis eines Turniers löst jeweils das Ergebnis des Vorjahres ab. Aktuelles Beispiel: Angelique Kerber ist bei den US Open im vergangenen Jahr in der dritten Runde ausgeschieden. Für das Erreichen der Runde der letzten 32 gab es 130 Punkte. In diesem Jahr hat Kerber das Finale erreicht und damit schon 1300 Punkte sicher. Für die Rangliste am Montag verliert sie also ihre 130 Punkte von den US Open 2015, dafür bekommt sie mindestens 1300 Punkte für das Erreichen des Finales gut geschrieben. Gewinnt sie das Endspiel, sind es sogar 2000 Punkte.


dho

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