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Anni Friesinger: Fünffache Goldanwärterin

Sie gehört zu Deutschlands größten Medaillenhoffnungen bei den Olympischen Spielen 2006: Kufen-Queen Anni Friesinger. Kurz vor dem Start der Winterspiele zeigt die Formkurve der Power-Lady steil nach oben.

Von Klaus Bellstedt

Vor knapp vier Wochen sah das alles noch ganz anders aus. Anfang des Jahres verletzte sich die 29-Jährige im Training und fügte sich mit der messerscharfen Kufe ihres Schlittschuhs eine tiefe Fleischwunde an der Wade zu. Betreuern und Fans stockte damals der Atem. Ihr Traum vom olympischen Gold - er schien auf einmal in weite Ferne gerückt.

Nach einer mehrwöchigen Zwangspause feierte "Sexy Anni" am vergangenen Wochenende nun schneller als erwartet ein atemberaubendes Comeback. Beim Sprint-Weltcup in Klobenstein lief die Inzellerin zweimal Freiluft-Weltrekord, tankte beim Doppelsieg viel Selbstvertrauen und - ganz wichtig - spürte keine Schmerzen mehr. Mit anderen Worten: eine perfekte Olympia-Generalprobe dank perfektem Heilfleisch.

Startrecht in allen fünf Disziplinen wahrscheinlich

"In meinem ersten echten Wettkampf nach meiner Verletzung gleich solche Bombenzeiten, das ist Gold wert für den Kopf", meinte Friesinger, die bei ihren beiden 1000-m-Starts in Klobenstein ihre Weltcup-Siege Nummer 35 und 36 feierte. Auf der herrlichen Freiluftbahn in Südtirol, gut 350 Kilometer nordöstlich von Turin gelegen, bestimmte Friesinger die Szenerie und deklassierte die Konkurrenz nach Belieben.

Damit gehört die Wahl-Salzburgerin auch auf der von ihr relativ selten gelaufenen 1000-m-Distanz genau wie in den Rennen über 1500 m, 3000 m, 5000 m sowie in der Teamverfolgung zu den Gold-Anwärterinnen in Turin - sollte sie tatsächlich ihr Startrecht in allen fünf Disziplinen wahrnehmen. "Das war super. Ich habe schon im Training gesehen, dass sie gut drauf ist. Aber es ist ganz wichtig für ihr Selbstvertrauen, dass sie das auch in einem Wettkampf vor Olympia bestätigen konnte", sagte Friesingers Trainer Markus Eicher.

Kräfte sammeln für das "Gold-Unternehmen"

Bei aller Freude über das gelungene Comeback: So ganz kann die Kufen-Queen ihr Schock-Erlebnis von Anfang des Jahres noch nicht aus dem Kopf verdrängen. "Ich habe jetzt viel Energie, alles läuft super. Aber ich hatte auch viel Glück, dass es keine Sehne erwischt hat. Ich creme die Narbe vor jedem Start dick ein, dann geht's", meinte Friesinger, die sich mit Prognosen vor dem ersten Start in Turin am 12. Februar über 3000 m zurückhält: "Olympia ist schon das Größte, aber du kannst nichts planen, weil du eine neue Verletzung oder Erkrankung nicht ausschließen kannst." Bis zur Anreise nach Turin am kommenden Samstag will sie vor allem Kräfte sammeln...für das Unternehmen "Fünffach Gold" bei Olympia 2006.

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