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Olympia: Eisschnelllauf: Friesinger patzt und geht leer aus

Das war nichts: Kufen-Star Anni Friesinger hat über die 1000 Meter enttäuscht und ist nach einem Ausrutscher klar an einer Medaille vorbeigefahren. Der Olympia-Sieg ging nach Kanada.

Eisschnelllauf-Star Anni Friesinger-Postma schüttelte fassungslos den Kopf und zuckte ratlos mit den Schultern: Die 16-malige Weltmeisterin verpasste bei den Winterspielen in Vancouver ihre fünfte olympische Medaille deutlich und erwischte einen rabenschwarzen Tag. Nach einem "Seuchenjahr" mit Verletzungen am rechten Knie und linken Knöchel sowie der Schweinegrippe reichte es für die 33-Jährige am Donnerstag (Ortszeit) über 1000 Meter nur zu Platz 14.

Top-Favoritin Christine Nesbitt gewann vor 7000 begeisterten Zuschauern im Richmond Olympic Oval das dritte Gold für Gastgeber Kanada. Die 24-jährige Weltcup-Seriensiegerin holte in 1:16,56 Minuten auch den ersten Olympiasieg für ihr Land auf dieser Strecke. Silber und Bronze gingen an die Niederländerinnen Annette Gerritsen (1:16,58) und Laurine van Riessen (1:16,72).

Nun soll es über die 1500 Meter klappen

Friesinger-Postma beendete ihr Rennen nach 1:17,71 Minuten, ein Ausrutscher in der letzten Kurve hatte sie aus dem Rhythmus gebracht. 500-Meter-Weltrekordlerin Jenny Wolf (ebenfalls Berlin) war von vornherein chancenlos und wollte nach ihrem verpasste Gold auf ihrer Spezialstrecke "Olympia nur noch genießen": Sie wurde auf der ungeliebten Strecke 17. Ihre Berliner Vereinskollegin Monique Angermüller belegte Rang 22.

Nach den vielen Verletzungsproblemen war Friesinger-Postma verunsichert in das Rennen gegangen. Vor allem den explosiven Abdruck beim Start konnte sie in den zurückliegenden Wochen kaum trainieren, um ihr Knie nicht unnötig zu strapazieren. Daher hatte 33-Jährige bereits im Vorfeld ihre Zielstellungen vom Olympiasieg über 1000 Meter relativiert: Der Fokus ist nun mehr auf die 1500 Meter ausgerichtet.

Stress mit dem Team-Arzt

Nach jeder Trainingseinheit hatte sich Friesinger-Postma Mut zugesprochen. "Die Tendenz ist steigend", verkündete sie, auch wenn sich in ihre Läufe oft kleinere Fehler einschlichen. Im Weltcup konnte sie in dieser Saison über 1000 Meter nur Rang sieben als beste Platzierung vorweisen.

Auf die Unterstützung von Ehemann Ids Postma musste das Glamour-Girl des Eisschnelllaufs in der schwierigen Zeit weitgehend verzichten, da sich der Olympiasieger aus dem friesischen Daersum um seinen Bauernhof mit über 300 Rindern kümmern musste. Noch hat Friesinger-Postma aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er am Sonntag für die 1500 Meter zu einem Kurztrip nach Kanada kommt. "Das wäre eine riesige Motivation für mich."

Trotz aller Rückschläge kämpfte Friesinger-Postma um ihre Form: Bei ihren vierten Winterspielen will sie sich unbedingt einen respektablen Abgang von der olympischen Bühne verschaffen. Da konnte sie auch nicht tolerieren, dass nicht ihr Vertrauensarzt für das Olympia-Team nominiert wurde. Strikt weigerte sie sich, die Dienste von dem in den Fall Claudia Pechstein verwickelten Gerald Lutz in Anspruch zu nehmen und stellte sich damit mutig gegen die Meinung der Verbandsführung und die der meisten Mannschaftskollegen.

Frank Thomas/DPA / DPA

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