HOME

Stern Logo Olympia 2010

Letzte Olympia-Chance: Anni Friesinger-Postma startet plötzlich doch im Teamlauf

Viel Lärm um nichts: Plötzlich steht die Tür für Anni Friesinger-Postma im Team-Rennen der Olympischen Spiele wieder weit offen.

Viel Lärm um nichts: Plötzlich steht die Tür für Anni Friesinger-Postma im Team-Rennen der Olympischen Spiele wieder weit offen. Vorausgegangen war eine Rolle rückwärts von Bundestrainer Markus Eicher. "Die Tendenz geht jetzt klar zur Anni", erklärte Eicher am Mittwoch und begründete seinen Meinungsumschwung mit der schlechten Leistung der Berliner Katrin Mattscherodt im 5000-Meter- Rennen von Richmond. Allerdings hatte Eicher immer betont, die endgültige Stammformation erst nach der langen Strecke zu benennen.

Für Mattscherodt war eine Zeit von 7:15,19 Minuten gestoppt worden, die aber sofort Makulatur war, weil die Berlinerin wegen Verlassens der Bahn gleich nach dem Start disqualifiziert wurde. "Ich hatte von Katrin heute weit mehr erwartet, eine Zeit so um 7:05 bis 7:07. Sie hat sich vor dem Rennen auch schlapp gefühlt", berichtete Eicher enttäuscht.

Damit dürfte die 28-jährige Berlinerin ihre Team-Chance verspielt haben. "Ich werde jetzt den Heimtrainern einen Vorschlag unterbreiten und dann werden wir beraten. Auf jeden Fall wird das stärkste Team nominiert", kündigte der Bundestrainer eine Aussprache aller Beteiligten am Donnerstag an. Die doppelte Silbermedaillen-Gewinnerin Stephanie Beckert und Daniela Anschütz-Thoms gelten für das Team seit langem gesetzt. Für Eicher geht es darum, mit einer Medaille noch die deutsche Bilanz zu retten. "Wir müssen nur Gold holen und alles wäre gut", meinte er mit einem Schmunzeln.

Mattscherodt war nach ihrem verpatzten Auftritt zwar nicht zum Scherzen zumute, dennoch formulierte sie mit Blick auf die Team- Konkurrenz: "Eigentlich ist es doch eine Auszeichnung für mich, dass jetzt die Frage steht: Anni oder ich?" Und sie fügte hinzu: "Ich möchte nicht in der Haut von Markus stecken." Aber wahrscheinlich ahnte sie schon das drohende Unheil: "Eigentlich hat ein Fehlschritt ja nichts mit der Fähigkeit zu tun, sechs Runden im Team zu laufen."

Nach dem Ärger mit der verschnupften Friesinger-Postma, die ihre "Degradierung" zur Ersatzläuferin natürlich nicht akzeptieren wollte, lobte Eicher nun plötzlich seine langjährige Top-Athletin: "Sie hat sechs gute Trainingsrunden absolviert. Das hat mir imponiert", sagte der Inzeller und konterkarierte damit seine noch vor zwei Tagen getätigte Aussage, das Risiko mit Friesinger im Team-Lauf sei aufgrund fehlender Top-Form "gewaltig". Hingegen musste Mattscherodt von ihrem Heimtrainer Thomas Schubert und von Eicher heftige Kritik einstecken. "Zufrieden waren sie nicht", untertrieb sie bewusst, blieb aber dabei: "Im Team sind die Medaillenchancen am größten. Da will ich dabei sein."

Stephanie Beckert wollte sich zu dem "Theater" - wie es Daniela Anschütz-Thoms bezeichnete - nicht Stellung nehmen. Anschütz selbst gab sich auch bedeckt: "Unser Trainer Stephan Gneupel hat versucht, den Knatsch von uns fernzuhalten. Ich hoffe nur, ich bin dabei. Und ansonsten ist es doch gut, wenn wir zwei Alternativen haben und mit verschiedene Taktiken reagieren können", sagte die "ewige Vierte", die einen erneuten vierten Rang im Team-Rennen unter allen Umständen vermeiden möchte.

Frank Thomas, DPA / DPA

Wissenscommunity