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Australian Open: Petkovic spielte sich in die Herzen der Fans

Andrea Petkovic sorgte für ein kleines deutsches Tennis-Wunder, Francesca Schiavone und Swetlana Kusnezowa lieferten sich ein historisches Duell: Es war viel los in Melbourne am Sonntag. Die Schweiz fiebert derweil dem Tennis-Duell Federer-Wawrinka entgegen.

Andrea Petkovic spielte und tanzte sich in die Herzen der Fans, die Schweizer bekamen ihr Traum-Viertelfinale und zwei Damen lieferten sich das längste weibliche Grand-Slam-Match überhaupt: Zur Halbzeit nahmen die Australian Open am Sonntag so richtig Fahrt auf. Mit ihrem erstmaligen Einzug in ein Grand-Slam- Viertelfinale erfüllte sich Petkovic einen Traum, der mit dem Duell gegen die Chinesin Na Li am Dienstag aber noch nicht vorbei sein soll. Deshalb sei das 6:2, 6:3 gegen die Russin Maria Scharapowa auch nicht der wichtigste Sieg ihrer Karriere gewesen, denn "das hört sich so an, als könnte ich nur einmal in meinem Leben Viertelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier spielen", sagte die 23-Jährige keck.

Mit der Leistung von Sonntag ist der Darmstädterin in der Zukunft in der Tat noch viel zuzutrauen. Zwei Tage nach dem Quickie gegen die amerikanische Tennis-Diva Venus Williams, die in der dritten Runde bereits nach sechs Minuten wegen einer Verletzung aufgegeben hatte, trumpfte Petkovic auf dem Centre Court der Rod Laver Arena gegen Scharapowa ganz groß auf. Zwar hatte das russische Glamour-Girl nicht ihren besten Tag erwischt, "aber ich habe sicher auch einen großen Teil dazu beigetragen", erklärte Petkovic selbstbewusst.

Mit druckvollem Angriffstennis und schier unerschöpflicher Laufarbeit zermürbte die Hessin die ehemalige Nummer eins der Welt und avancierte anschließend mit ihrer lockeren Art auch noch zum Publikumsliebling. "Hört nie auf eure Eltern, dann spielt ihr irgendwann in der Rod Laver Arena", rief sie dem Tennis-Nachwuchs mit Blick auf ihren Vater zu, der einst nicht begeistert war, als ihm seine talentierte Tochter von ihren Karriereplänen berichtete.

Mit "Petko-Petko"-Rufen verabschiedeten die Fans die neue deutsche Tennis-Hoffnung, nachdem die Weltranglisten-32. zuvor auch noch ihren inzwischen weltweit populären Petko-Dance hingelegt hatte. Die Idee entstand im vergangenen Jahr vor den US Open aus einer Wette mit ihrem Trainer, seitdem startet die Politikstudentin richtig durch - und dürfte erstmals unter die Top 25 der Welt rutschen. "Ich bin sehr abergläubisch. Seitdem ich tanze, spiele ich viel besser, von daher mache ich es noch ein bisschen weiter."

Vom Showtalent der deutschen Nummer eins kann sich der Schweizer Stanislas Wawrinka noch ein wenig abgucken. Schüchtern und fast ein wenig ungläubig stand der 25-Jährige nach seinem 6:3, 6:4, 6:4 gegen den Amerikaner Andy Roddick in der Rod Laver Arena und freute sich auf sein Viertelfinal-Duell mit Titelverteidiger und Landsmann Roger Federer. Noch nie standen sich zwei Schweizer bei einem Grand-Slam- Turnier in der Runde der besten Acht gegenüber.

Federer hatte zuvor den Spanier Tommy Robredo mit 6:3, 3:6, 6:3, 6:2 geschlagen und damit bei einem Grand-Slam-Turnier zum 27. Mal in Serie das Viertelfinale erreicht. Eine weitere Bestmarke für den sympathischen Rekord-Sammler.

Einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherten sich auch die Italienerin Francesca Schiavone und Swetlana Kusnezowa aus Russland. Ihr unerbittlicher Schlagabtausch über 4:44 Stunden war das längste Damen-Match, das jemals bei einem Grand-Slam-Turnier gespielt wurde. Das längste Damen-Spiel überhaupt war es aber nicht. Den Rekord halten nach wie vor Vicki Nelson and Jean Hepner, die sich 1984 bei einem Turnier in Virgina 6:31 Stunden gegenüberstanden.

Am Sonntag setzte sich French-Open-Siegerin Schiavone mit 6:4, 1:6, 16:14 durch und trifft nun auf die dänische Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki. Bei den Herren schafften neben Federer und Wawrinka der an Nummer drei gesetzte Serbe Novak Djokovic und der Tscheche Tomas Berdych den Sprung ins Achtelfinale. Branchenprimus Rafael Nadal klagte nach seinem Erfolg über den australischen Youngster Bernard Tomic noch über die Nachwirkungen seiner Virus- Erkrankung, hat aber den vierten Grand-Slam-Sieg in Serie, den "Rafa Slam", weiter fest im Visier.

Lars Reinefeld, DPA / DPA

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