Australien Open Schlaflos in Melbourne


"Es ist immer noch wie ein Traum", sagte Rainer Schüttler am Tag nach dem Einzug ins Australian-Open-Finale. Dort kommt es am Sonntag zum Duell gegen Favorit Andre Agassi.

Schlafen konnte Rainer Schüttler wieder kaum, so aufgekratzt war er nach dem bisher größten Abend seiner Karriere. «Ich habe um vier Uhr die Augen zugemacht und war ein bisschen entsetzt, dass es erst acht war, als ich aufgewacht bin. Es ist immer noch wie ein Traum», sagte der neue deutsche Stern am Tennis-Himmel am Tag nach dem Einzug ins Australian-Open-Finale. Dort kommt es am Sonntag (04.00 Uhr MEZ) zum Duell gegen Favorit Andre Agassi.

Anders als nach dem Viertelfinale nahm sich der 26 Jahre alte Hesse am Samstagvormittag Zeit für die deutschsprachigen Medienvertreter in Melbourne. 14 Stunden nach dem Erfolg über Andy Roddick war von Anspannung nichts zu merken. Locker und witzig, aber auch ernsthaft, geduldig und gewohnt bescheiden beantwortete Schüttler im Presse-Restaurant alle Fragen. In den Backofen von Melbourne mit mehr als 40 Grad Hitze und starkem Wind wollte sich der Wärme-Liebhaber nur zum routinemäßigen Training begeben.

Von gewachsenem Druck mochte die neue deutsche Nummer eins nichts wissen. «Druck hatte ich auch in den letzten Matches nicht und vor dem Finale schon gar nicht. Agassi spielt Vor- und Rückhand mit Vollgas, dann werde ich sehen, ob sie einschlagen oder nicht. Ich werde mein Spiel spielen», sagte Schüttler.

Das große Lob für seine Leistung, ob von Boris Becker, Michael Stich oder John McEnroe, registrierte er erfreut. Die Bodenhaftung will der fleißige Tennis-Arbeiter deswegen aber auf gar keinen Fall verlieren. «Ich freue mich darüber. Aber es gibt ein nächstes Turnier, da will ich auch gut spielen. So kann es ja nicht weitergehen», sagte Schüttler scherzhaft: «Ich bin genau so ein Tennisspieler wie vor drei Wochen. Vielleicht hat sich in meinem Kopf etwas verändert. Ich habe mehr Selbstvertrauen.»

Davor strotzt der 32 Jahre alte Agassi nach seinem Spaziergang durch das Turnier, bei dem ihn nur der Franzose Nicolas Escudé in Runde drei ernsthaft aufzuhalten versuchte. Bei den Buchmachern gilt der dreimalige Melbourne-Sieger jedenfalls als klarer Wettfavorit. Vier Monate nach seiner Finalniederlage bei den US Open gegen Pete Sampras zweifelt auch unter den Experten niemand an Agassis achtem Grand-Slam-Titel. Bei den Australien Open stehen seinen bisher 38 Siegen aus sieben Starts nur drei Niederlagen gegenüber.

Ermunterung hat Schüttler per E-Mail wie üblich vom derzeit verletzten Thomas Haas aus Florida erfahren. Dort wird er in der kommenden Woche mit dem Daviscup-Team ein Trainingslager für die schwere Erstrunden-Partie in Argentinien bestreiten. Vom Rummel im heimischen Korbach hatte Schüttler bislang nicht allzu viel mitbekommen: «Das freut mich unglaublich. Es zeigt, dass die Leute mitfiebern und hinter einem stehen, wenn man Erfolg hat.»

Robert Semmler DPA

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