HOME

Bewerber Vancouver: 'Spiele zwischen Meer und Himmel'

Vancouver im kanadischen British Columbia gefällt sich in der Favoritenrolle. Die Prüfungskomission des IOC hatte insbesondere die guten Bedingungen für die Sportler gelobt. Und mit Eishockey-Held Wayne Gretzky hat Vancouver einen populären Fürsprecher.

Die Hoffnungen ruhen wieder einmal auf 'The Great One' Wayne Gretzky. So wie der einst beste Eishockey-Spieler das Team Kanada vor 16 Monaten in Salt Lake City als Generalmanager zum ersten Olympia-Gold seit 50 Jahren geführt hatte, soll er nun auch die Olympischen Winterspiele 2010 nach Vancouver holen. Gemeinsam mit Premierminister Jean Cretien wird Gretzky die elfköpfige Delegation anführen, die Kanada am 2. Juli in Prag zum zweiten Mal nach Calgary 1988 das bedeutendste Wintersportfest bescheren möchte. "Vancouver ist die richtige Stadt und Kanada das richtige Land für die Winterspiele", sagt Gretzky.

Die Chancen für die mit über 550 000 Einwohnern größte Stadt der Provinz British Columbia stehen nicht schlecht. Beim Dreikampf mit dem südkoreanischen Pyoenchang und Salzburg gilt die zwischen Meer, Fraser River und Küstengebirgen gelegene westkanadischen Hafenmetropole, deren Stadtbild von zahlreichen Parks und ausgedehnten grünen Wohnvierteln geprägt wird, als Favorit.

Attraktives Konzept für Athleten

Die Prüfungskommission des IOC hatte der attraktivsten Großstadt Kanadas ein Konzept bescheinigt, "dass sehr gute Bedingungen für die Sportler aufweist". Es erlaube den Athleten "den Aufenthalt in einem Olympischen Dorf mit begrenzter Anreise zu hervorragenden Sportanlagen".

Selbst die leise Kritik an der Entfernung von 120 Kilometern zwischen Vancouver, wo die Eis-Wettbewerbe und die Eröffnungs- sowie Schlussfeier geplant sind, und den Whistler Mountains im Norden, wo die alpinen und nordischen Ski-Konkurrenzen sowie die Bob- und Rodelwettbewerbe stattfinden sollen, ist verstummt - dank einer Zusatz-Investition von 375 Millionen Euro. Das Geld wird investiert in eine als 'Sea to Sky' betitelte drei- bis fünfspurige Autobahn. Die Fahrzeit auf dem kurvenreichen Highway von der Küste in die Berge reduziert sich dadurch von derzeit über zwei Stunden auf 30 Minuten.

64 Prozent der Einwohner sind für Olympia

Und auch die Zahl der Befürworter zur Ausrichtung der Winterspiele sei nach der Volksbefragung vor vier Monaten weiter angestiegen, sagte der Präsident des Bewerbungskomitees John Furlong. Bei dem Referendum im März hatten 64 Prozent der Einwohner die Olympia-Bewerbung begrüßt.

Die Gegner geben dennoch keine Ruhe, da sie unverändert befürchten, dass die Spiele ihrer Stadt Millionen kosten könnte und fordern, das Geld lieber ins Bildungssystem oder in soziale Einrichtungen zu investieren. Die Organisatoren versprechen, das Wintersportfest "kostenneutral" zu halten. Das Budget liegt für operative Kosten bei 1,3 Millionen Euro. Zusätzlich sollen die Sportstätten mit 375 Millionen Euro finanziert werden.

"Wir brauchen die Spiele, wir wollen gewinnen"

"Wir haben die Menschen, die Leidenschaft und den Plan, um die Goldmedaille aus Prag mit nach Hause zu bringen", glaubt Charmaine Crooks, eine von drei kanadischen IOC-Mitgliedern. Man sei sehr zuversichtlich, denn in der Handelsmetropole, zu deren wichtigsten Wirtschaftszweigen die Erdölverarbeitung, Nahrungsmittel-, Holz- und Papierindustrie gehören, wurde alles notwendieg getan. "Wir brauchen die Spiele, wir wollen gewinnen, deshalb reisen wir mit sehr großen Hoffnungen und hohen Erwartungen nach Prag", erklärte Furlong.

KURZPORTRÄT

Einwohner:

500 000; in der Region 2 Millionen

Finanzierung:

Etat 874 Millionen US-Dollar (750 Millionen Euro). Zusätzliche Investitionen von 845 Millionen Dollar für Infrastruktur (für Straßen und Eisenbahn 387 Millionen, Sportstätten 233 Millionen, Olympisches Dorf 171 Millionen)

Schauplätze/Austragungsstätten:

Vancouver und Umgebung (Cypress, Burnaby), Whistler Mountain (Whistler Creekside, Blackcomb, Callaghan Valley). Von 13 Austragungsstätten müssen sechs gebaut werden (Whistler Nordic Centre mit Sprungschanzen, Eiskanal in Blackcomb, Curling-Halle Vancouver und Eisschnelllauf-Halle in Burnaby). Eröffnungs- und Schlussfeier in BC Place (Halle mit 55 000 Plätzen)

Olympisches Dorf:

Vancouver sowie Sub-Dorf in Whistler für Ski, Bob und Rodeln

Olympia:

Sommerspiele in Montreal (1976), Winterspiele in Calgary (1988)

Chancen:

Nummer 1 des IOC: "Sportler finden in Vancouver die besten Voraussetzungen." Entfernungsproblem zwischen der Stadt am Pazifik und Whistler in den Bergen soll durch Autobahn-Ausbau gelöst werden. Vorteile durch sportpolitische Erwägungen im Zusammenhang mit Sommerspielen 2012.

Gunnar Meinhardt / DPA

Wissenscommunity