HOME

Nach Trennung von Djokovic: Um Boris Becker müssen wir uns keine Sorgen mehr machen

Als Trainer von Novak Djokovic hat Boris Becker sich endlich wieder auf seine Kernkompetenz konzentriert: Tennis. Vorher hatte er jahrelang vor allem mit privaten Eskapaden auf sich aufmerksam gemacht. Warum ihm das jetzt nicht noch einmal passieren wird.

Boris Becker

Boris Becker hat nach der Trennung von seinem Schützling Novak Djokovic schon einen neuen Job

Es ist ein schönes Foto, das Boris Becker über die sozialen Medien verbreitet hat. Gerade hatte Novak Djokovic die Trennung verkündet, da postete die deutsche Tennis-Legende auf Twitter ein Bild von der Siegesfeier nach den French Open im Juni: Djokovic und Team jubelnd über den lang ersehnten Triumph in Paris, Trainer Becker mittendrin. "Thank U!", schreibt Becker unter das Bild. "I had the time of my life." Klingt zunächst vielleicht ein bisschen arg nach "Dirty Dancing". Aber: Ich hatte die Zeit meines Lebens - bei einem bewegten Leben wie jenem von Becker ist das eine durchaus bemerkenswerte Aussage.

Aber sie trifft einen Kern: Sowohl der Ausnahmespieler als auch der Trainer haben von der Zusammenarbeit profitiert. Djokovic gewann in Beckers Amtszeit sechs Grand-Slam-Turniere (und damit genau so viele wie Becker in seiner gesamten Karriere) und zeigte vor allem gegen seine drei Dauerrivalen Federer, Nadal und Murray in den großen Spielen regelmäßig sein bestes Tennis - eine psychologische Stärke, die ihm vorher abging. In diesem Bereich dürfte Becker den größten Einfluss auf Djokovic genommen haben, schließlich galt der heute 49-Jährige zu seiner aktiven Zeit als Mann für große Matches und Meister der psychologischen Kriegsführung.

Boris Becker und Novak Djokovic - beide profitieren

Aber noch mehr als der Serbe hat Becker selbst von seinem Job beim "Djoker" profitiert. Er hat sein Profil mit seriöser Arbeit, Konstanz und viel Erfolg geschärft, weitere Jobs in der Branche dürften folgen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, was für Schlagzeilen der ewige 17-jährige Leimener vor allem in Deutschland im Anschluss an seine aktive Zeit auf dem Court machte: komische Geschäftsideen, Ärger wegen Steuerhinterziehung, Frauengeschichten - Becker schien wie der Prototyp des Spitzensportlers, der den Sprung in die wirkliche Welt nach dem Karriereende nicht auf die Reihe kriegt.

Dass er viel Tennis-Sachverstand und Erfahrung aus einer atemberaubenden Karriere weiterzugeben hat, war von vielen Beobachtern deshalb lange nur zu erahnen. Djokovic hat ihm diese Chance gegeben, Becker hat sie genutzt. "Boris hat einen Riesenjob gemacht und einen großen Anteil an Novaks Erfolgen", sagte der ehemalige Davis-Cup-Kapitän Patrick Kühnen bei "Sky". "Beide werden für ihre Zukunft extrem viel mitnehmen."

Ein abermaliger Absturz in die Klatschspalten ist deshalb kaum zu befürchten, um Boris Becker müssen wir uns keine Sorgen mehr machen. Zunächst wird er bei den Australian Open im Januar als Experte für Eurosport im Einsatz sein, mittelfristig dürfte man ihn aber auch wieder im Geschäft der ganz Großen wiedersehen - vielleicht sogar beim Deutschen Tennis-Bund: "Man kann eine Zusammenarbeit nie ausschließen", sagt DTB-Präsident Ulrich Klaus. "So weit weg ist er nicht." Und für Sportdirektor Klaus Eberhard ist Boris ein "super Fachmann" und "willkommen bei uns".

Die wichtigste Erkenntnis aus drei Jahren Djokovic

Wo auch immer Becker landen wird, ob in der Box eines Spitzenspielers, als Kapitän eines Teams, als Berater oder Experte - entscheidend ist: Er hat den Weg zurück zum Tennis gefunden. Er ist wieder da, wo er hingehört. Das ist die wichtigste Erkenntnis aus drei Jahren im Team Djokovic. Vielleicht hat die Zeit seines Lebens für Becker ja gerade erst angefangen.

Wissenscommunity