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Superstar in der Krise: Der mysteriöse Absturz des Tennis-Giganten Novak Djokovic

Über Jahre dominierte Novak Djokovic die Tenniswelt nach Belieben. Doch seit geraumer Zeit befindet sich der einstige Seriensieger in einer tiefen Krise: Er kassiert überraschende Niederlagen, stellt in Interviews so ziemlich alles in Frage und hat offenbar auch private Probleme.

Novak Djokovic

Innerlich und äußerlich zerrissen: Tennis-Superstar Novak Djokovic bei seiner Niederlage gegen Roberto Bautista-Agut in Shanghai

Wenige Spieler in der Geschichte des Tennis haben die Tour so beherrscht wie Novak Djokovic in den letzten Jahren. Spätestens mit dem lang ersehnten Gewinn der French Open Anfang Juni schien es nur eine Frage der Zeit, bis der Serbe auch Roger Federers Rekord von 17 Grand-Slam-Titeln brechen würde. Der Himmel schien die Grenze für den 29-Jährigen, über den Tennis-Guru Nick Bollettieri gerade urteilte, er sei der perfekteste Spieler: "In 60 Jahren als Tenniscoach habe ich noch nie gesehen, dass jemand keine Schwächen hat. Djokovic hat keine Schwächen."

Doch in den letzten Monaten befindet sich der Schützling von Trainer Boris Becker für seine Verhältnisse geradezu im freien Fall und erlitt gleich eine ganze Reihe an überraschenden Niederlagen: In Wimbledon unterlag er dem US-Amerikaner Sam Querrey in der 3. Runde; bei den Olympischen Spielen musste er sich in einem epischen Erstrundenmatch dem Argentinier Juan Martin del Potro geschlagen geben; in Shanghai schied er gerade im Halbfinale gegen den Spanier Roberto Bautista-Agut aus, zertrümmerte zudem aus Ärger über zu viele Fehler seinen Schläger, riss sein Hemd auf und diskutierte noch nach dem Match mit dem Schiedsrichter.

Novak Djokovic: "Ich habe die Leidenschaft verloren"

Derart die Beherrschung zu verlieren, wäre ihm in guten Zeiten nicht passiert – und hier deutet sich auch die entscheidende Komponente seiner Krise an: Der sonst so stabile Djokovic ist psychisch enorm angeschlagen und macht daraus auch keinen Hehl. Nach Paris habe er die Leidenschaft für den Wettkampf verloren, gab er jetzt in einem Interview Einblick in sein Seelenleben: "Zuletzt habe ich mich zu sehr gestresst, zu viel von mir erwartet. Und nicht nur ich, auch die Leute um mich herum. An einem bestimmten Punkt verlierst du dabei die Ausgeglichenheit. Und Ausgeglichenheit zählt im Leben enorm. Ich versuche momentan, meinen optimalen Seelenzustand wiederzufinden. Dieses Gleichgewicht, das einen mit Freude erfüllt."

Er könne nicht sagen, wie lange diese Suche dauern werde, aber er fühle sich schon besser, weil er seine Gemütsverfassung verändert habe: "Ich bin nicht derselbe, der ich vor drei Monaten war, nicht derselbe, der ich vor sechs Monaten war. Man entwickelt sich. Man lernt sich ständig besser kennen und das, was das Leben an Möglichkeiten bietet, um zu wachsen. Und darum geht’s mir momentan." Trotzdem folgte kurz darauf die Niederlage gegen Bautista-Agut.

Die Frage ist, wie tief Djokovic wirklich in der Sinnkrise steckt. Schon in Wimbledon machten plötzlich pikante Gerüchte die Runde, ihm wurde eine Affäre nachgesagt. Darauf angesprochen fasste sich der "Djoker" seinerzeit verständlicherweise kurz: "Wir haben doch alle unsere privaten Probleme."

Trennt er sich von seinem Trainer Boris Becker?

Dass Djokovic in der Phase, in der er sich befindet, aber zurzeit viel in Frage stellt, belegen auch seine öffentlichen Spekulationen über eine weitere Zusammenarbeit mit Trainer Boris Becker über das Jahr 2016 hinaus: "Über 2017 haben wir noch nicht gesprochen, und ich habe auch noch nicht darüber nachgedacht."

Sicher ist bei Djokovic im Moment also nur, dass nichts sicher ist. Wie lange er noch in seinem mysteriösen Motivationsloch stecken wird, ob er noch einmal zu alter Dominanz zurückfinden kann, scheint momentan völlig unklar. Und das größte Problem daran ist: Djokovic weiß es selbst nicht. 

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