Boxen "Austin übersteht keine vier Runden"


Für Boxer Wladimir Klitschko ist es nur ein Etappenziel auf dem Weg zur Schwergewichts-Weltmeisterschaft. Entsprechend siegessicher sind Klitschko und sein Trainer Emanuel Steward vor dem Kampf gegen Ray Austin.

Ray Austin vor den Fäusten, aber den Bruder-Traum im Kopf: Für Box-Weltmeister Wladimir Klitschko ist die freiwillige Titelverteidigung gegen den Amerikaner am Abend (22.05 Uhr/RTL) in Mannheim nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum großen Karriereziel, das lange unerreichbar war. "Ich freue mich, dass mein Bruder wieder gesund ist und somit unser Traum von einer gemeinsamen Weltmeisterschaft, der vor anderthalb Jahren geplatzt schien, nun doch Wirklichkeit werden kann", sagte der 30 Jahre alte Schwergewichtler aus der Ukraine.

Doch Vorsicht: Immer wenn der jüngere der beiden Klitschko-Brüder den zweiten Karriere-Schritt vor dem ersten machen wollte, wurde er bitterböse bestraft. Das war am 15. Dezember 1998 so, als er in seiner Heimatstadt Kiew gegen Ross Puritty (USA) seine erste Profi- Niederlage kassierte. Reinfall zwei folgte am 8. März 2003 in Hannover bei der K.o.-Niederlage in der zweiten Runde gegen den Südafrikaner Corrie Sanders.

Lichtgestalt und Nummer eins

Nach der dritten K.o.-Niederlage am 10. April 2004 in Las Vegas gegen Lamon Brewster (USA) sahen viele die Karriere von "Doktor Stahlhammer" bereits als beendet an. Aber weit gefehlt. Klitschko zeigte es seinen Kritikern, holte sich den IBF-WM-Gürtel und den des unbedeutenden Verbandes IBO dazu. Und er ist in der nach Lichtgestalten suchenden Schwergewichts-Szene mittlerweile wieder die anerkannte Nummer eins.

Klitschkos Trainer Emanuel Steward weiß, warum. "Als Wladimir von Brewster ausgeknockt wurde, galt er nur noch als der Klitschko, der nicht boxen kann. Das will er nie mehr erleben, und deshalb arbeitet er so hart. Das zeichnet einen Champion aus", lobte der Amerikaner, der einst den Briten Lennox Lewis zu dessen WM-Triumphen führte, seinen prominentesten aktuellen Schützling.

Austin übersteht keine vier Runden

Steward hat auch keinen Zweifel daran, dass sich sein Mann in der SAP-Arena nicht sehr lange mit seinem 1,98 Meter großen Gegner beschäftigen muss. "Wladimir ist so beweglich, dass er Austin keine Trefferfläche bieten wird. Ich rechne damit, dass Austin keine vier Runden übersteht", meinte der 62 Jahre alte Star-Coach. Der Vielgepriesene selbst strotzt nach der erneut perfekten Vorbereitung ebenfalls vor Selbstbewusstsein: "Ich werde mir schon Mühe geben, dass es eindeutig wird."

Der einzige, der etwas dagegen haben könnte, ist Ray Austin selbst. Der 36-Jährige, der 24 Siege in 31 Kämpfen in seinem Startbuch zu stehen hat - aber keinen Titel, blieb allerdings schon beim Ballyhoo alles schuldig. "Ich führe meine Kämpfe nicht auf dem Pressepodium, sondern im Ring", sagte Austin kleinlaut. So dürfte der Kampf nach dem Kampf dann für die Klitschkos und die von ihnen betriebene Agentur K2-Promotion der wesentlich kniffligere werden: der Poker um einen Vereinigungsfight mit einem der Titelträger der anderen drei großen Verbände. Immerhin sitzt auf der anderen Seite des Tisches Manager-Guru Don King. "Seit meinem erneuten Titelgewinn beschäftige ich mich damit, bin aber noch keinen Schritt weitergekommen", gestand Wladimir. Aufgeben wird er jedoch nicht: "Kämpfe, die alle sehen wollen, lassen sich auch über verschiedene Meinungen und Interessen hinweg realisieren."

Gert Glaner/DPA DPA

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