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Boxen: Boxing Day - Top-Ten der besten Puncher

Technisches Boxen ist schön anzuschauen, aber Knock Outs sind das Salz in der Suppe. Wir haben eine Top-Ten der besten Puncher aufgestellt und die wirklich spektakulären Boxer der Schwergewichtshistorie mit den aktuellen Boxern der Königsklasse verglichen.

Muhammad Ali war der beste Boxer. Floyd Mayweather Jr. ist der vielleicht beste Konterboxer dieser Tage. Felix Sturm und Sebastian Zbik bieten aus deutscher Sicht sicherlich technisch anspruchsvolles Boxen. Was die Herzen der meisten Boxfans allerdings höher schlagen lässt, das sind spektakuläre Puncher, das sind Athleten, die ihren Gegner mit der Kraft eines Schlages zu Boden zwingen, oder ihn mit einem Schlaghagel eindecken, bis der Trainer das Handtuch werfen muss, oder der Ringrichter ein Erbarmen hat.

Dabei ist unsere Auswahl der besten Puncher aller Zeiten im Schwergewicht keine Zusammenstellung bloßer Kraftprotze, die nie etwas gewonnen haben. Sicherlich ist Muhammad Ali nicht dabei, aber unsere Auswahl der härtesten Schläger kann sich sehen lassen. Mike Tyson, Joe Frazier und Sonny Liston sind nur einige Namen, die es unter die besten zehn geschafft haben. Aber zunächst zu den Bewertungskriterien.

Die Kriterien

Für die All-Time-Rangliste der härtesten Puncher im Schwergewicht haben wir die besten 100 Schwergewichtsboxer aller Zeiten (Quelle: boxrec.com) nach der Knock-Out-Quote ausgefiltert. Dabei haben wir nur nicht mehr aktive Boxer bewertet. Am Ende vergleichen wir die historische Liste mit einigen aktuellen Boxern im Schwergewicht. Natürlich ist uns klar, dass Boxer, die viele Aufbaugegner oder Journeyman geboxt haben, einen Vorteil haben. Einen Nachteil haben Boxer, die weit über ihren Zenit hinaus geboxt haben, sodass ihre Statistik unter der schwachen Endphase ihrer Karriere leidet.

Top-Ten der besten Puncher im Schwergewicht

10. Sonny Liston (50-4-0), 1953-1970
Knock-Out-Quote: 72,22 Prozent

Aufgrund seiner ungeheuren Aggressivität und Schlagstärke ist Liston als einer der härtesten Puncher in die Box-Geschichte eingegangen. Er gewann die meisten seiner Kämpfe durch kurzrundige KO-Siege, wie zum Beispiel gegen Floyd Patterson (1962 und auch im Rückkampf 1963). Liston verlor ein Jahr später gegen Cassius Clay, ein Jahr später auch den Rückkampf gegen Clay, der sich inzwischen Muhammad Ali nannte. Die Niederlagen gegen Ali täuschen allerdings über die wahre Klasse von Liston hinweg.

In seiner besten Zeit war Liston ein Killer, ein Finisher, eine kompromisslose Schlagmaschine. ESPN-Boxjournalist Graham Houston wählte Sonny Liston auf Platz zwei der "Hardest hitters in heavyweight.“ Dabei stellt Housten vor allem die Zweit- und Drittrunden-Siege gegen Cleveland "Big Cat" Williams und den Drittrunden-Knock-out gegen Zora Folley als beispielhaft für die "Feuerkraft“ des Sonny Liston heraus.

9. Lennox Lewis (41-2-1), 1989-2003
Knock-Out-Quote: 72,73 Prozent

Lennox Lewis war der mit Abstand stärkste Gegner, den ein Klitschko je vor den Fäusten hatte. Der britische Olympiasieger von 1988 war dies auch deshalb, weil er Vitali Klitschko physisch gesehen ebenbürtig war. Seine 116 kg bei 1,96 Meter Körpergröße und seine enorme Reichweite wirkten sich auch in puncto Schlaghärte aus. Seine KO-Siege gegen Razor Ruddock, Andrew Golota, Francois Botha und im Rückkampf gegen Hasim Rahman waren spektakulär. Vor allem für seine Rechte brauchte Lewis einen Waffenschein.

8. Joe Frazier (32-4-1), 1965-1981
Knock-Out-Quote: 72,97 Prozent

Joe Frazier hatte einen der besten linken Haken der Schwergewichtshistorie. Viele kennen Smokin‘ Joe als jemanden, der seinen Gegner mit einem unermüdlichen Schlagbombardement zermürbt, aber seine Single-Punch-Power mit dem linken Haken darf man nicht unterschätzen. Als Kind wurde Frazier vom Familienhund gejagt, stürzte und brach sich den linken Arm, der daraufhin verkrümmt blieb und nie mehr die volle Bewegungsfähigkeit erreichte. Vielleicht war das der Grund für die zerstörerische Kraft seines linken Hakens.

7. Riddick Bowe (43-1-0), 1989-2008
Knock-Out-Quote: 73,33 Prozent

Mit 1,96 Meter und 107 Kilogramm war Riddick Bowe ein Modellathlet und wusste seinen harten Punch einzusetzen. Bowe lieferte sich mit Evander Holyfield einen der besten Schwergewichtskämpfe aller Zeiten. Bowe gewann zwei der drei Duelle mit Holyfield. Nachdem er Weltmeister der WBA, IBF und WBC geworden war, sollte er seinen WBC-Titel gegen Lennox Lewis verteidigen. Gegen jenen Lewis, gegen den er im olympischen Finale 1988 verloren hatte. Bowe weigerte sich gegen Lewis zu boxen und warf den WBC-Gürtel vor laufenden Kameras in eine Mülltonne. Der WBC-Titel wurde daraufhin Lewis zugesprochen. Bowe fiel später leider nur noch durch private Probleme auf und machte durch häusliche Gewalt von sich reden.

6. Joe Louis (66-3-0), 1934-1951
Knock-Out-Quote: 74,29 Prozent

Joe Louis war nach Muhammad Ali der vielleicht beste Boxer im Schwergewicht. Seine ersten 23 Kämpfe konnte er meist aufgrund seiner immensen Schlagkraft durch KO gewinnen. Der braune Bomber wurde 1937 durch einen KO-Sieg in der achten Runde gegen Jim Braddock zum bis dahin jüngsten Weltmeister im Schwergewicht aller Zeiten. Insgesamt war er fast zwölf Jahre lang Weltmeister, was bis heute unerreicht ist. Louis prägte einst den berühmten Satz “Everyone has a plan until they've been hit" (Jeder hat einen Plan, bis er getroffen wird). Dabei war Louis nicht unbedingt jemand, der seinen Gegner mit einem einzigen Schlag niederstreckte, sondern seine Serien harter Schläge, machten dem Gegner den Garaus. Louis war ein exzellenter Finisher, wie Sonny Liston, oder auch Mike Tyson.

5. Mike Tyson (50-6-0), 1985-2005
Knock-Out-Quote: 75,86 Prozent

Mike Tyson war ein Phänomen im Boxring. Obwohl er im Vergleich zu Vitali Klitschko nicht nur zwölf Kilogramm leichter war, sondern auch 24 Zentimeter (!) kleiner, war er eine Schlagmaschine. Tyson war reine Muskelmasse, Stiernacken und Megakreuz. Er hatte eine wahnsinnige Power, ein Herz wie ein Löwe, er war unglaublich aggressiv und unbeschreiblich schlagstark. Am 22 November 1986 traf er als 20-Jähriger auf den WBC-Weltmeister Trevor Berbick. Bis zu diesem Kampf hatte Tyson von 27 Kämpfen 15 durch Erstrunden-KOs gewonnen.

Gegen Berbick sollte es bis zur zweiten Runde dauern. Tyson landete dann einen einzelnen sauberen linken Haken. Einen Powershot der Trevor Berbick zu Boden zwang. Der TV-Reporter ordnete dem Treffer zunächst nicht die große Bedeutung bei. "Er sollte wieder aufstehen", war der Kommentar. Berbick stemmte sich wieder hoch, verlor das Gleichgewicht und fiel erneut zu Boden. Er versuchte es noch einmal, taumelte und fiel erneut. Der Kampf war zu Ende. Tyson hatte ihn mit einem Schlag, der sich als brutaler linker Haken entpuppte, gleich drei Mal zu Boden geschickt. Ein unvergesslicher Knock Out und der erste Titelgewinn eines unvergesslichen Boxers. Sugar Ray Leonard, damals TV-Co-Kommentator sagte nach einem Kampf beeindruckt: “Er ist so zerstörerisch, man sollte ihn wegschließen”

4. Earnie Shavers (75-14-1), 1969-1995
Knock-Out-Quote: 76,67 Prozent

"Earnie wer?", höre ich einige Leser murmeln. Earnie Shavers war kein großer Boxer, er hatte kein Kinn und galt als konditionsschwach. Doch seine Rechte war ein Hammer. Muhammad Ali sagte nach dem Kampf gegen den "Black Destroyer“: "Earnie hit me so hard, he shook my kinfolk back in Africa! (Earnie schlug mich so hart, dass es noch meine Vorfahren in Afrika erschütterte)." Sensationell war sein rechter Aufwärtshaken beim Erstrundensieg gegen Ken Norton im Jahre 1979. Norton hatte vor dem Kampf gelästert: "Er boxt sehr mechanisch und vorhersehbar. Shavers weiß, dass seine einzige Chance darin besteht, mich gleich zu Beginn mit einer Bombe zu erwischen.“ Unglücklicherweise für Norton passierte genau das.

3. George Foreman (76-5-0), 1969-1997
Knock-Out-Quote: 83,95 Prozent

Schon im ersten Jahr seine Karriere brachte es Foreman auf 11 Knock Outs in 13 Kämpfen. Im zweiten Jahr schaffte er dann 12 KOs in 12 Kämpfen und stand schließlich mit einer 37-0 Bilanz niemand geringerem als Joe Frazier gegenüber. Smokin' Joe rannte in seinem bekannten Stil mit dem Kopf voran in den Gegner und Foremans Aufwärtshaken schickten den Weltmeister gleich dreimal in der ersten Runde und dreimal in der zweiten Runde auf die Bretter, der Ringrichter brach den Kampf ab und Foreman war Weltmeister.

George Foremans Hammerjab, seine Rechte und seine Aufwärtshaken waren die härtesten Schläge, die ein Gegner auszuhalten hatte. Nur durch eine unglaublich gerissene Taktik und mit der Hilfe der psychologischen Kriegsführung konnte Muhammed Ali diese Schläge von Foreman überstehen und den Kampf in Kinshasa gewinnen. Noch im Alter von 46 Jahren schickte er den 26-jährigen Michael Moorer mit einer Rechten ins Reich der Träume und wurde der älteste Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten.

2. Frank Bruno (40-5-0), 1982-1996
Knock-Out-Quote: 84,44 Prozent

Frank Bruno die Nummer zwei der besten Schwergewichts-Puncher aller Zeiten? Das muss ein Fehler im System sein! Ist es wohl auch, aber wir halten uns an die Statistik. Bruno liegt bei boxrec auf Platz 80 der besten Schwergewichtsboxer aller Zeiten, aber seine Knock-Out-Quote ist sensationell. 20 seiner ersten 21 Kämpfe gewann er durch KO, allerdings waren seine Gegner meist Fallobst. Von seinen vier wichtigsten Kämpfen verlor er zweimal gegen Mike Tyson und einmal gegen Lennox Lewis. Nur Oliver McCall konnte er 1995 besiegen und so tatsächlich Weltmeister im Schwergewicht werden. Bei seiner ersten Titelverteidigung verlor er den Gürtel allerdings wieder. Bruno galt als schlagstark, er feuerte einen enorm schmerzhaften Jab ab, aber er hatte kein Kinn.

1. Rocky Marciano (49-0-0), 1947-1955
Knock-Out-Quote: 87,76 Prozent

Der einzige Schwergewichtsweltmeister, der ungeschlagen zurücktrat. Marciano hatte einen unglaublichen rechten Haken. Er gewann 43 seiner 49 Kämpfe durch K.O. Seine Knockouts gegen Jersey Joe Walcott und Ezzard Charles bleiben unvergessen. Ebenfalls unvergessen, wie Rocky den gealterten Joe Louis in dessen letzten Kampf durch den Ring und am Schluss sogar durch die Ringseile prügelte. Als man Archie Moore nach seiner Niederlage gegen Marciano fragte, ob die Schläge wehgetan hätten, sagte er: "Man, they all hurt! It was like getting hit with a blackjack or a bag of rocks (Die Schläge waren alle schmerzhaft! Es war, als ob ich mit einem Totschläger oder einem Sack voll Steine getroffen worden wäre)."

Vitali Klitschko ist Dr. Eisenfaust

Von den aktuellen Schwergewichtsboxern kann Wladimir Klitschko mit einer Quote von 83,05 Prozent aufwarten, Vitali Klitschko hat sogar 88,89 Prozent Knock-Out-Garantie. Nur drei seiner 43 Gegner erlebten den Gong der zwölften Runde (Timo Hoffmann, Kevin Johnson und Shannon Briggs). Da können nur wenige Boxer der Königsklasse in diesen Tagen mithalten. Die Hoffnung aus dem Universum-Boxstall, Denis Boytsov, bringt es nach 29 Kämpfen auf eine Quote von 82,76 Prozent, allerdings boxte Boytsov bisher nur gegen unbekannte Gegner.

Chris Arreola soll 2012 gegen Wladimir Klitschko antreten, nachdem er bereits 2009 von Vitali verprügelt wurde. Er bringt es immerhin auf 80,56 Prozent Knock-Out-Quote. David Tua (74,14 Prozent) kann ebenfalls hauen, allerdings nicht wirklich gut boxen, er musste zuletzt eine peinliche Niederlage gegen Journeyman Monte Barrett einstecken. Die Quoten von Alexander Povetkin (68,18 Prozent), Robert Helenius (68,75 Prozent) oder Odlanier Solis (66,67 Prozent) sind gut, aber nicht beängstigend.

Der heimliche Sieger

Eine wirkliche Schlagmaschine, wie es einst Mike Tyson war, fehlt im heutigen Schwergewicht. Auch wenn er in unserer Rangliste nicht auf Platz eins gelandet ist, steht er als Synonym für Schlagstärke im Boxen und somit ist Tyson der Sieger der Herzen in unserem historischen Vergleich. Boxreporter Ken Jones sagte einst über Tyson. “Er ist die furchterregendste Kraft im Boxen, die ich je gesehen habe.” Dem ist nichts hinzuzufügen.

Michel Massing

sportal.de / sportal

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