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Boxen: Der kleine Klitschko wieder auf Titelkurs

Zwei Wochen, nachdem sich Vitali in New York mit einem K.o.-Sieg über den Kanadier Kirk Johnson zur WBC-Nummer eins im Schwergewicht aufschwang, zog Bruder Wladimir nach.

Die Klitschkos haben der Hamburger Universum-Box-Promotion nach einem wechselvollen Jahr doch noch gewinnträchtige Geschenke auf den Gabentisch gelegt. Zwei Wochen, nachdem sich Vitali in New York mit einem K.o.-Sieg über den Kanadier Kirk Johnson zur WBC-Nummer eins im Schwergewicht aufschwang, zog Bruder Wladimir am Samstagabend nach. Der 27-jährige ehemalige WBO-Weltmeister im Schwergewicht bezwang den Amerikaner Danell Nicholson vor 10 500 Zuschauern in der ausverkauften Kieler Ostseehalle durch technischen K.o. in der vierten Runde und darf nun ebenfalls mit einem erneuten Titelkampf rechnen. "Das waren harte Wochen. Mein Ziel ist es, die beiden im nächsten Jahr wieder zu Weltmeistern zu machen", kündigte Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl an.

"Er war einfach zu fest"

Wladimir hatte zunächst allerdings alle Mühe, den hoch gesteckten Erwartungen in seinem zweiten Kampf nach der spektakulären K.o.- Niederlage im März gegen den Südafrikaner Corrie Sanders gerecht zu werden. "Er war einfach zu fest, hätte schneller auf den Beinen sein müssen", kritisierte Trainer Fritz Sdunek. In den ersten drei Runden vermochte sein Schützling den unsauber agierenden Amerikaner, der deshalb wegen Haltens auch verwarnt wurde, nicht zu stellen.

In der vierten Runde war Schluss

Dann aber ging alles sehr schnell. Nach 1:28 Minuten der vierten Runde war Nicholson nach harten Schlägen seines Kontrahenten erstmals zu Boden, und nur 14 Sekunden später kam das Aus. Ringrichter John Coyle (Großbritannien) brach den Kampf nach weiteren Wirkungstreffern von Klitschko ab. "Es war nicht einfach, den richtigen Schlüssel zum Erfolg zu finden. Ich bin nicht ganz zufrieden, aber am Ende zählt das Resultat", sagte der Sieger, der sich weiter WBA-International- Champion nennen darf.

Überzeugend, aber glanzlos

Glänzen konnte der Modellathlet beim 39. K.o.-Sieg im 44. Kampf seiner sieben Jahre währenden Profi-Karriere allerdings nicht. Das bestätigte auch Kohl, sah seine Erwartungen aber dennoch erfüllt. "Als Promoter ist man dann zufrieden, wenn der Kampf überzeugend beendet ist. Und das war er", bestimmte der 59-Jahre alte Hamburger. Wie Fritz Sdunek hält auch er Wladimir wieder für WM-tauglich. "Wladimir ist stabiler und selbstsicherer geworden. Er ist weiter als zum Zeitpunkt der Niederlage gegen Sanders, weil er seitdem viel bewusster arbeitet."

Zwei Klitschkos wollen einen Gegner

Der Meistermacher hätte deshalb auch nichts dagegen, wenn der nächste Gegner wieder der schlagstarke Südafrikaner wäre. Um den bewirbt sich aber auch Vitali. "Ein Kampf gegen Sanders wäre etwas Besonderes, weil er meinem Bruder den WM-Titel weggenommen hat, und weil er mich und meinen Bruder beleidigt hat", lautete die Kampfansage des 31-jährigen einstigen WBO-Weltmeisters. Noch spektakulärer wäre allerdings das Rematch gegen Doppel-Weltmeister Lennox Lewis. "Ich bin sicher, dass Lewis sich Vitali stellen wird", betonte der Universum-Chef. In diesem Jahr werde allerdings keine endgültige Entscheidung mehr fallen.

Im Ringen um den vakanten WBO-WM-Titel sind neben den Klitschkos und Sanders zudem noch Lamon Brewster (USA) und David Tua (Neuseeland) im "Topf". Auch da wird Kohl sein ganzes Verhandlungsgeschick in die Waagschale werfen müssen, um zum richtigen Zeitpunkt die passenden Gegner für seine Aushängeschilder zu finden. Dass er weiter dafür zuständig sein wird, ist für Europas erfolgreichsten Box-Promoter klar. "Ich gehe davon aus, dass wir weiter zusammenarbeiten. Die beiden sind klug genug, genau zu erkennen, was richtig und falsch für sie ist", weiß er. Man werde sich "ohne Zeitdruck" zusammensetzen, um über die Verlängerung des im nächsten Jahr auslaufenden Vertrags zu beraten.

dpa / DPA

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