BOXEN Gala mit bösen Zwischentönen


Dariusz Michalczewski bleibt WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht. Der 33-Jährige verteidigte seinen Titel bereits zum 20. Mal erfolgreich. Doch die Jubiläumsfeier geriet zur Gala mit bösen Zwischentönen.

Die Jubiläumsfeier von Dariusz Michalczewski geriet am Samstag in Berlin zur Gala mit bösen Zwischentönen. Der Wahl- Hamburger verteidigte gegen Richard Hall aus Jamaika seine WBO-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht zum 20. Mal und feierte den 45. Sieg im 45. Kampf. Aber eine unverständliche Publikums-Reaktion, schlechte Verlierer-Manieren und Pöbeleien des Ex-Weltmeisters Ralf Rocchigiani vergällten Michalczewski die Freude über den Sieg in einem hochdramatischen Kampf durch Abbruch in der 11. Runde.

Herausforderer zeigte kein Verständnis

Ringrichter und Ringarzt waren sich einig. Der Herausforderer, dessen rechtes Auge ab Runde sieben Tischtennisball-groß anschwoll, verstand die Welt nicht mehr. »Halls Auge war geschlossen. In diesem Fall besteht die Gefahr von Gehirnschäden bei Treffern, die man nicht sieht«, begründete Thorsten Dolla seinen Rat an Ringrichter Mark Nelson (USA), den Kampf abzubrechen. »Der Doktor und ich haben als Team entschieden. Die Verletzung verschlimmerte sich von Runde zu Runde. Für mich gab es keinen Zweifel«, sagte Nelson. »Der Kampf war doch gelaufen - alles korrekt«, befand auch WBO-Präsident Francisco Valcarel aus Puerto Rico.

»Ich wurde betrogen«

Vor dem vorzeitigen Ende lag der Weltmeister auf den Zetteln der drei Punktrichter mit jeweils vier bis sechs Zählern vorn. Trotzdem zeterte Hall nach dem Kampf, in dem sich beide Kontrahenten, über die jeweilige Schlagkraft des anderen bestens im Bilde, nichts schenkten und hohes Risko gingen: »Ich wurde betrogen, ich konnte noch alles sehen. Ich hätte Michalczewski in der 12. Runde K.O. geschlagen. Der Ringrichter hat zwei gravierende Fehler gemacht.«

Fehler Nummer zwei sei der Abbruch gewesen, Fehler Nummer eins ein Vorfall in der 10. Runde. Michalczewski wurde in der Nierengegend getroffen, drehte mit schmerzverzerrtem Gesicht ab und ging in die Knie. Der Ringrichter blieb aber untätig, zählte weder Michalczewski an, noch verwarnte er Hall. Er gab aber dem Weltmeister Zeit, sich wieder zu sammeln. Das Publikum im ausverkauftem Neuköllner Estrel- Hotel schwenkte um und pfiff Michalczewki plötzlich gnadenlos aus.

Sicherheitskräfte verhinderten Schlägerei

Die über 6000 witterten einen ähnlichen Skandal wie beim ersten Kampf Michalczewski gegen Graciano Rocchigiani am 10. August 1996 am Hamburger Millerntor. Damals hatte Michalczewski einen umstrittenen Disqualifikationssieg am Grünen Tisch erreicht. Dieser lange zurück liegende Vorfall war auch der Grund für die verbalen Ausfälle aus der Neuköllner Tiefe. Sein ehemaliger Team-Kollege Ralf Rocchigiani und dessen Ehefrau marschierten in der nächtlichen Pressekonferenz auf eine Schlägerei zu. Sicherheitskräfte verhinderten wahrscheinlich den boxerischen Nachschlag.

Verdienter Sieg

Nach dem turbulenten Abend stand fest: Der 33-jährige Weltmeister hatte seinen Titel verdient und korrekt durch eine hochkonzentrierte Leistung gewonnen und hatte zusammen mit seinem nimmermüden Gegner besonders in den Runden vier bis sieben Weltklasse-Boxen gezeigt. Für Hall endete der Kampf in genau der selben 11. Runde wie seine gescheiterte WM gegen Roy Jones im Mai vergangenen Jahres. Der dreifache Weltmeister aus den USA bleibt weiter der Traumgegner Michalczewskis (»Ich boxe noch drei Jahre«).

Sein Manager Klaus-Peter Kohl versprach zum wiederholten Mal: »Das soll Dariusz? nächster Kampf sein.« Aber er sagte auch: »Hall hat eine Revanche verdient.«


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