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Boxen: Interview mit Bernd Bönte

Klitschko-Manager Bernd Bönte verrät gegenüber sportal.de, dass die Verhandlungen mit David Haye noch laufen, was er mit dem Mittelgewichts-Juwel Gennady Golovkin vor hat und warum Alexander Povetkins Titel nicht ernst zu nehmen ist. 

Bernd Bönte, der Manager der beiden Schwergewichtsweltmeister Vitali und Wladimir Klitschko, berichtet über die Zusammenarbeit mit Mittelgewichtsweltmeister Gennady Golovkin. Er ist der Meinung Golovkin würde Felix Sturm schlagen, außerdem hält er nicht viel vom Weltmeistertitel des Russen Alexander Povetkin, der gleichzeitig mit Wladimir Klitschko WBA-Champion ist.

Nachdem sein Schützling Vitali Klitschko am 18. Februar den nicht zu unterschätzenden Briten Dereck Chisora aus dem Weg geräumt hat, ist allerdings durchaus ein Kampf gegen David Haye möglich. Mehr dazu im ausführlichen Interview. 

sportal.de: Sie haben neben den Klitschkos nun auch WBA-Weltmeister Gennady Golovkin unter Vertrag genommen. Wie kam es zu dem Deal mit dem Mittelgewichtler?

Bernd Bönte: Wir haben Gennady Golovkin bei K2 unter Vertrag genommen, weil wir glauben, dass er nicht nur in Deutschland, sondern auch international für Furore sorgen kann. Gennady bringt sehr viel mit, er spricht englisch und russisch. Er ist ein guter Typ, ein sehr sympathischer Boxer und somit für uns auch gut vermarktbar.

Soll Golovkin demnächst auch auf Klitschko-Veranstaltungen boxen und dort die Undercard attraktiver machen?

Bernd Bönte: Das muss man von Fall zu Fall entscheiden. Es ist zwar grundsätzlich auch interessant, ihn auf der Undercard boxen zu lassen, aber RTL überträgt die Undercard nicht, deshalb sehen wir ihn eher als Hauptkämpfer. Das muss auch nicht zwangsläufig im deutschsprachigen Raum sein. Aber wenn er in Deutschland kämpft, dann nicht unbedingt bei RTL, weil die sich auf das Schwergewicht konzentrieren wollen. Da muss man also von Fall zu Fall entscheiden, wo er boxt und wer das dann überträgt.

Man hört, Golovkin sei in Verhandlungen mit dem Sturm-Management. Wird er gegen Felix Sturm boxen, der ja Superchamp der WBA ist?

Bernd Bönte: Da hat es bisher noch keine Verhandlungen gegeben. Die WBA hatte ja zunächst angeordnet, dass Golovkin gegen Hassan N’Dam N’Jikam boxen soll. Da kam es zu keiner Einigung. Meines Wissens hat es aber noch nicht den nächsten Schritt der WBA gegeben.

Oleg Herrmann (Manager von Golovkin) hat laut boxen.de gesagt, dass es nächste Woche in die Verhandlungen mit Sturm gehen soll.

Bernd Bönte: Wenn sie mit Sturm gesprochen haben, werden wir das weitere Vorgehen gemeinsam absprechen. Es wäre auf jeden Fall ein Super-Kampf für die deutschen Box-Fans. Und vor allem auch ein Sturm-Gegner, der erste Klasse wäre. Felix Sturm hatte zuletzt ja nicht unbedingt Gegner aus der ersten Reihe.

...aber schon gegen diese Gegner aus der zweiten Reihe hat sich Sturm schwer getan.

Bernd Bönte: Das mag sein. Wenn Sie mich persönlich fragen, wer den Kampf gewinnen würde, dann sage ich Golovkin schlägt Sturm durch KO.

Glauben Sie, dass es zu einer Einigung kommt, oder wird Sturm einen Rückzieher machen, vielleicht seinen Titel niederlegen?

Bernd Bönte: Fast alle Experten glauben, dass das Sturm-Management versuchen wird, einen anderen Weltmeister zu verpflichten, gegen den er sich größere Siegchancen ausrechnet als gegen Golovkin. Mein Tipp ist also, dass Sturm sich einen anderen Weltmeister sucht, den dann versucht zu schlagen und den WBA-Titel niederlegt, um nicht gegen Golovkin boxen zu müssen.

Am 18.02. boxt Vitali Klitschko gegen Dereck Chisora. Nach der starken Leistung von Chisora gegen Robert Helenius - fühlen Sie sich da in der Gegnerauswahl bestätigt? Sie wollten Chisora ja schon zuvor, der Kampf gegen Wladimir stand ja schon.

Bernd Bönte: Als damals der Kampf von Wladimir Klitschko gegen Dereck Chisora angesetzt war, der aufgrund der Verletzung von Wladimir abgesagt werden musste, hatte Emanuel Steward schon gesagt, dass Chisora einer der stärksten Gegner im derzeitigen Schwergewicht ist. Das hat sich im Kampf Chisora gegen Helenius bestätigt. Außer den zwei Punktrichtern gab es kaum jemanden, der Helenius vorne gesehen hat. Ich denke, es wird ein spannender Kampf, über 150 Länder werden übertragen, und die Halle ist fast ausverkauft.

Was viele Boxfans gerne sehen würden ist ein Kampf von Vitali Klitschko gegen David Haye. Gibt es da noch Verhandlungen oder ist das Thema Haye ad acta gelegt?

Bernd Bönte: Wir denken Schritt für Schritt. Zunächst muss Vitali Chisora schlagen. Sollte das klappen, ist Haye natürlich ein Wunschgegner. Es finden nach wie vor Verhandlungen mit ihm und seinem Management statt. Was am Ende dabei raus kommt, weiß man noch nicht. Derzeit liegen wir noch sehr weit auseinander. Wie gesagt, erst mal muss Chisora geschlagen werden.

Würde Vitali Klitschko auch in London boxen?

Bernd Bönte: Das ist nicht der Punkt. Der Austragungsort ist nicht Teil der Debatte, es geht wie immer im Profisport um Zahlen, und da liegen wir noch weit auseinander.

Alexander Povetkin hat den regulären WBA-Titel zugeteilt bekommen, wird es einen Kampf von Wladimir gegen Povetkin (oder Marco Huck) noch in diesem Jahr geben, oder ist das kein Thema?

Bernd Bönte: Wir haben zweimal den Purse Bid gewonnen und wollten gegen Povetkin antreten - zweimal hat er gekniffen. Man muss niemanden zum Jagen tragen. Er ist ein interessanter Mann, aber nicht weil er einen Titel trägt, sondern weil er ein guter Boxer ist.

Haben Sie sich darüber geärgert, dass die WBA Wladimir zum Superchamp ernannt hat und einen zweiten Weltmeister ausgerufen hat?

Bernd Bönte: Ich glaube, man kann jemanden ehren, positiv darstellen und etwas erhöhen, wie es zum Beispiel die WBO gemacht hat, die Wladimir zum Superchamp ernannt hat. Aber man kann dann nicht noch zusätzlich einen normalen Weltmeister ausrufen. Man muss vom Otto-Normalverbraucher ausgehen. Wer soll so etwas nachvollziehen. Da wird überall geschrieben, die Klitschkos haben alle Titel vereinigt und dann erzählt ihnen jemand irgendetwas von einem Weltmeister darunter. Das ist ja absurd. Es kann ja nicht unter einem Weltmeister noch einen Weltmeister im gleichen Verband geben.

Da wird sich an der Praxis der Verbände aber nicht viel ändern lassen, oder?

Bernd Bönte: Solange Wladimir Superchamp ist, haben wir aber kein großes Problem damit. Allerdings ist Povetkin nicht wegen dieses "Spaßtitels“ interessant, sondern nur weil er ungeschlagen und Olympiasieger ist. Aber da muss sich die andere Seite auch einig sein, ob sie einen solchen Kampf will. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir auf der Pressekonferenz saßen, und Povetkin ist nicht gekommen.

Würden Sie Marco Huck als Gegner bevorzugen, da er als Deutscher vielleicht noch mehr Publikum zieht und somit der attraktivere Gegner ist?

Bernd Bönte: Nein. Entscheidend ist, ob jemand ein guter Gegner ist. Da spielt keine Rolle, ob er Deutscher oder Ausländer ist.

Nachdem Wladimir Klitschko am 3. März gegen Jean-Marc Mormeck angetreten ist, kommt dann eine Pflichtverteidigung auf ihn zu?

Bernd Bönte: Ja, Wladimir muss gegen Tony Thompson boxen. Er ist der Pflichtherausforderer der IBF. Thompson hat nach dem Kampf gegen Wladimir keine Niederlage mehr erlitten. Eddie Chambers ist Thompson aus dem Weg gegangen. Thompson hat ja schon mal gegen Wladimir geboxt. Er hat damals auch die beste Leistung aller Gegner von Wladimir gebracht, deshalb glaube ich, dass es ein guter Kampf wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Michel Massing

sportal.de / sportal

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