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Boxen Interview mit Evander Holyfield


Evander "The Real Deal“ Holyfield gehört zu den besten Schwergewichtsboxern aller Zeiten. Im Interview bezieht er zur aktuellen Lage im Schwergewicht Stellung.

Evander "The Real Deal“ Holyfield gehört zu den besten Schwergewichtsboxern aller Zeiten. Der Amerikaner startete seine Karriere im Cruisergewicht, ehe er 1988 ins Schwergewicht wechselte. Im Oktober 1990 gewann er durch einen KO.-Sieg gegen James "Buster" Douglas, der zuvor Mike Tyson sensationell entthront hatte, alle drei damals wichtigen WM-Titel.

Nach erfolgreichen Titelverteidigungen gegen die in die Jahre gekommenen George Foreman und Larry Holmes verlor Holyfield 1992 gegen seinen Landsmann Riddick Bowe, woraufhin er zurücktrat. Dennoch kehrte er nach nur kurzer Zeit in den Ring zurück und holte sich den WM-Gürtel gegen Bowe ein Jahr später zurück. Im November 1996 kam es zum langersehnten Kampf zwischen Holyfield und Mike Tyson, der als klarer 25:1-Favorit in den Ring stieg. Doch Holyfield überraschte seinen Kontrahenten mit einer taktischen Meisterleistung und gewann sensationell durch TKO in Runde elf.

Der Rückkampf ging dann in die Box-Geschichte ein. Nachdem er erneut kein Mittel gegen Holyfields Boxstil fand, biss Tyson seinem Gegner in der dritten kurzerhand ein Stück des rechten Ohres ab, wurde daraufhin disqualifiziert und für ein Jahr gesperrt. 1999 verlor Holyfield seine WM-Titel gegen den Briten Lennox Lewis, um ein Jahr später durch einen Sieg gegen John Ruiz den vakanten WBA-Gürtel zu erringen. Damit gelang Holyfield das Kunststück, zum ersten Mal in der Geschichte des Schwergewichts vier Mal Weltmeister zu werden.

Zuletzt sollte der mittlerweile 49-jährige Holyfield gegen Alexander Povetkin antreten, doch die langwierigen Verhandlungen zerschlugen sich.

Das Interview mit Evander Holyfield

Was sind Ihre nächsten Pläne? Wann sehen wir Evander Holyfield wieder im Ring?

Holyfield: Hoffentlich Anfang nächsten Jahres. Wir sprechen über einen Kampf in Südamerika, Rio de Janeiro, oder Südafrika. Hoffentlich klappt eins von beidem, hoffentlich finden wir jemanden, der gegen mich antreten will. Es ist leider nicht ganz leicht, passende Gegner zu finden, aber ich bin voll im Training und bereit, gegen jeden anzutreten.

Was denken Sie generell über das Schwergewichts-Boxen heutzutage – viele Leute sprechen von einer Krise?

Holyfield: Ich habe das Gefühl, dass es wieder besser wird. Es gibt da ein paar junge talentierte Kämpfer, die richtig gut werden.

Was halten Sie von den Klitschko-Brüdern? Sind die beiden einfach zu gut für den Rest, oder ist der Rest zu schwach?

Holyfield: Zum einen sind sie richtig gute Boxer, gar keine Frage. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie wirklich gegen die besten Herausforderer antreten. Na klar, muss man immer nehmen, was kommt, aber ich habe auch den Eindruck, dass viele richtig gute Gegner nie die Chance bekommen, gegen sie zu boxen. Aber ich will die Klitschkos hier nicht schlecht reden. Das sind schon richtig gute Jungs – und solange, bis sie besiegt werden, sind sie einfach die besten.

Würden Sie sich einen Kampf gegen einen der beiden Klitschkos immer noch zutrauen?

Holyfield: Natürlich. Ich hoffe, dass sie mir die Chance geben, bevor ich zurücktrete. Ich kann nur immer wieder betonen, dass ich noch einmal Weltmeister werden will. Ich bin bereit.

Gegen wen rechnen Sie sich größere Chancen aus – gegen Vitali oder gegen Wladimir?

Holyfield: Beide sind sehr stark, und ich weiß, dass es keine Rolle spielt, gegen welchen der beiden ich antrete. Es wäre auf jeden Fall ein harter Kampf.

Die beiden betonen immer wieder, dass sie nie gegeneinander kämpfen werden. Was glauben Sie, wer der Bessere der beiden ist?

Holyfield: Das ist wirklich schwer zu sagen. Wenn zwei Brüder gegeneinander in den Ring steigen, wäre das mit Sicherheit ein wahnsinnig spannender Kampf, weil sie einander so gut kennen. Das würde einen Kampf zwischen den beiden sehr, sehr hart und knapp machen. Mal ganz ehrlich: Kein Boxer legt sich für einen anderen hin, und kein Boxer steckt zurück, wenn er im Ring steht – Bruder hin, Bruder her. Insofern wäre das natürlich der größte Kampf, den es heute überhaupt geben kann.

Sie gehören zu denjenigen Schwergewichtlern, die bewiesen haben, dass man auch als Cruisergewichtler und eigentlich physisch unterlegener Boxer die großen Jungs schlagen kann und Schwergewichts-Weltmeister werden kann. Gibt es heute auch ehemalige Cruisergewichtler, von denen Sie glauben, dass sie den Klitschkos gefährlich werden können? Oder sind die beiden Brüder einfach zu groß und zu stark?

Holyfield: Die beiden sind ja nicht nur groß, sie wissen auch, wie man kämpft. Was die Leute verstehen müssen, ist, dass auch die Klitschkos nicht als unbesiegbare Weltmeister angefangen haben. Beide haben schon mit Gegnern im Ring gestanden, die sie nicht besiegen konnten. Beide haben schon verloren. Aber sie haben daraus die richtige Lehren gezogen, haben sich ständig weiter verbessert und ihren Stil angepasst. Das macht sie heute zu so großen Champions. Sie haben verstanden, was ihre Schwächen waren und hart daran gearbeitet, diese Schwächen abzustellen. Es gibt keinen Boxer auf der Welt, der unbesiegbar ist. Sie könnten mich besiegen, wenn Sie wollten. Aber man muss es halt versuchen und auch Risiken eingehen. Man kann nur gewinnen, wenn man bereit ist, Risiken einzugehen.

Was denken Sie von Seth Mitchell, dem neuen aufstrebenden US-Star im Schwergewicht, den viele für den großen Hoffnungsträger halten?

Holyfield: Ich habe ihn noch nicht kämpfen sehen, aber eine Sache weiß ich: Kein Boxer wird die Klitschkos schlagen, der keine solide Amateur-Ausbildung hat. Man muss wissen, was man im Ring zu tun hat, wenn man ihnen gegenüber steht. Denn wenn die Jungs einem erst mal gegenüberstehen und mit ihren harten Händen treffen, muss man sich anpassen und neue Sachen ausprobieren. Und wenn man das Grundrepertoire nicht drin hat, wenn man das Boxen nicht von der Pike auf gelernt hat, wird man diese Jungs nicht schlagen können. Man braucht jemanden mit viel Amateur-Erfahrung, der genau weiß, wie er auch in schwierigen Situationen seinen Stil umstellen und anpassen kann. Wer das kann, kann jeden großen Champion schlagen – auch die Klitschkos.

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