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Box-Promoter Sauerland: "Lewis kann Klitschko besiegen"

Lennox Lewis und Evander Holyfield, zwei Legenden des Boxsports, planen Comebacks. Aber sind sie auch noch gut genug, um gegen Klitschko oder Valuev zu bestehen? "Ja", sagt Box-Promoter Wilfried Sauerland im Interview mit stern.de. Er weist auch auf die Probleme der Königsklasse im Boxen hinweist.

Wilfried Sauerland, irgendetwas läuft in der Boxwelt gerade falsch. Da kokettiert ein 43-jähriger Ex-Weltmeister mit Comeback-Plänen, ein um vier Jahre älterer Box-Opa ist sogar schon einen Schritt weiter. Evander Holyfield hat seinen WM-Kampf bereits in der Tasche. Lennox Lewis geht es gar nicht um Weltmeister-Ehren, der Brite will Vitali Klitschko nur einen Wunsch erfüllen. Wenn es denn tatsächlich zu diesem Mega-Kampf kommen sollte. Was steckt hinter den Plänen zweier Millionen-schwerer Boxlegenden im Ruhestand, plötzlich wieder in den Ring zu steigen? Sind es am Ende gar nicht die eigenen Pläne? Natürlich sind es keine eigenen Pläne. Zumindest nicht bei Lennox Lewis. Es ist doch so: Vitali Klitschko hat Lewis seit der Niederlage vor fünfeinhalb Jahren mehrfach zu einem Comeback aufgefordert. (Damals siegte Weltmeister Lewis durch Abbruch nach der sechsten Runde. Klitschko hatte sich stark blutende Gesichtsverletzungen zugezogen, Anm. der Red.). Lewis braucht das Geld nicht. Aber der Boxsport braucht ihn. Und das weiß er natürlich.

Warum braucht der Boxsport einen 43-jährigen abgehalfterten Ex-Star? Weil das Schwergewicht so schlecht besetzt ist! Es fehlen die Herausforderer mit den großen Namen. Es fehlen einfach welche, die hinterherkommen. Lewis und auch Holyfield sind immer noch große Namen in der Boxwelt. Für diese Jungs werden dann auch entsprechende Börsen bezahlt, die sie letztlich davon überzeugen, wieder in den Ring zu steigen. Aber wie gesagt: Man muss die Fälle Lewis und Holyfield differenziert betrachten.

Inwiefern?

Lewis will eigentlich gar nicht boxen. Er hat keinen Ehrgeiz für diesen Fight. Das sagt er ja auch. Holyfield dagegen will unbedingt zum fünften Mal Weltmeister werden. Der Kampf unseres Boxers Nikolai Valuev gegen Holyfield am 20. Dezember in Zürich elektrisiert mich auch. Mal ganz abgesehen von den Fans. Die Halle ist so gut wie ausverkauft.

Experten schätzen, dass ein erneutes Duell der über zwei Meter großen Schwergewichtler Lewis und Klitschko 100 bis 200 Millionen Dollar einspielen könnte. Ist das realistisch Totaler Unsinn! Niemals würde eine derartige Kampfbörse zustande kommen. Das würden die Fernsehsender und Veranstalter gar nicht wollen. Ob sie es zahlen können, ist eine ganz andere Frage. Nehmen wir mal HBO, den Pay-TV-Boxsender in den USA. HBO würde einen solchen Kampf ja in dem Boxland USA sicher übertragen wollen. Aber der Name Klitschko zieht in den USA eben immer noch nicht so wie der von, sagen wir mal, Mike Tyson damals. Ein Fight Lewis gegen Tyson, den es ja schon mal in der Vergagenheit gab, würde richtig was einspielen. Und dann würde Lennox Lewis auch nicht weiter nachdenken. Er würde boxen.

Wie würden Sie die Chancen der beiden Box-Legenden gegen Klitschko und Valuev ein schätzen?

Holyfield hat gegen unseren Weltmeister eine 30-prozentige Siegchance. Für Lewis seh ich das Ganze sogar noch optimistischer.

Das überrascht. So gut stehen die Chancen der beiden?

Schauen Sie sich die beiden an. Sie leben gesund. Hatten nie Probleme mit Alkohol oder Drogen. Es kommt in dem Alter ganz entschieden auf den Lebensstil an. Und der war und ist bei Lewis und Holyfield völlig makellos. Anders als zum Beispiel bei Ex-Champ Riddick Bowe, der ja auch gerade an einem Comeback bastelt. (1998 sorgte Bowe für Schlagzeilen, weil er seine Frau Terry und seine fünf Kinder entführt haben soll. Er musste 2002 für 18 Monate ins Gefängnis, Anm. der Red.). Bei Bowe weiß man schon vorher, dass das nicht funktioniert. Aber bei Lewis und Holyfield könnte es wirklich nochmal klappen.

Interview: Klaus Bellstedt

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