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Champion Chris Byrd: Wegducken, weglaufen und siegen

Schwergewichts-Weltmeister Chris Byrd denkt vor dem zweiten Kampf gegen Wladimir Klitschko nur an Revanche. Sein Trick: Er weicht allen Schlägen aus und zermürbt so stärkere Gegener.

Rache ist der Antrieb für dem Champion des Boxverbandes IBF am Samstag (22.30 Uhr/ARD) in Mannheim. Knapp fünfeinhalb Jahre nach der klaren Punktniederlage des Amerikaners gegen den Hünen aus der Ukraine verkauft der gläubige Byrd (39 Siege, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) seine Gelüste mit einem Lächeln: "Klitschko ist fünf Jahre älter geworden. Ich bin fünf Jahre reifer und besser geworden. Man besiegt mich nicht zwei Mal." Sprach’s und schickte eine geballte Faust als Zeichen der totalen Überzeugung hinterher.

Seit der Pleite gegen den fünf Jahre jüngeren Klitschko im Oktober 2000 hat der Boxer aus Flint/Michigan in neun Kämpfen nicht mehr verloren und dabei immerhin namhafte Gegner wie David Tua (Neuseeland), Ex-Weltmeister Evander Holyfield (USA), den Polen Andrzej Golota und Jameel McCline (USA) bezwungen. Trotz seiner schwachen Vorstellung bei seiner letzten erfolgreichen Titelverteidigung im Oktober 2005 gegen DaVarryl Williamson (USA) bemüht sich der 35-Jährige erst gar nicht, Stolz und Genugtuung über seinen Aufstieg in Raten zu verstecken.

Möchtegern- Schwergewichtler

Byrd hat die Dauerkritik, er sei kein ausgewachsenes Schwergewicht, nie vergessen. Nachdem der 1,86 Meter große Kämpfer bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona Silber im Mittelgewicht geholt hatte, musste er mit dem Stigma leben, ein Möchtegern- Schwergewichtler zu sein. "Obwohl ich danach innerhalb von sechs Jahren mein Kampfgewicht von 75 auf mehr als 95 Kilo gesteigert habe, musste ich mir immer anhören, ich sei zu leicht fürs Schwergewicht", erinnert er sich.

Ausgerechnet der Gescholtene soll jetzt zumindest in den USA das angeschlagene Profi-Boxen retten. Aus dem gegenwärtigen Weltmeister- Quartett der vier großen Verbände sei Byrd "die beste Auslese einer schlechten Ernte" (ESPN Magazine). WBA-Champion Nikolai Walujew (Russland) hat bisher wenig bewiesen, WBC-Weltmeister Hassim Rahman (USA) ist nicht konstant, und WBO-Weltmeister Sergei Liachowitsch (Weißrussland) gilt als Kurzzeit-Champ. "Diese Rolle als Hoffnungsträger ehrt mich sehr, und ich werde meine Fans nicht enttäuschen", versprach Byrd. "Ich bin seit dem ersten Kampf gegen Wladimir viel selbstbewusster geworden." Als äußeres Zeichen der geänderten Einstellung trägt er jetzt Rastalocken, seine innere Gelassenheit fiel sogar Klitschko auf: "Seit er sich von Promotor Don King getrennt hat, wirkt er wie befreit."

Frustriert die Gegner

Trotz geschwundener Defensivqualitäten und mangelnder Schlagkraft baut der Rechtsausleger dank seines unbequemen Stils ein enormes Frustrationspotenzial bei jedem Gegner auf. "Byrd ist wesentlich besser als sein Ruf. Er kann dich zermürben und wenn er Tempo geht, auch platt machen", urteilte Ex-Champion George Foreman. "Ich bin mir nur nicht sicher, ob er das Risiko gehen wird, in den ersten Runden viel einzustecken, um den Gegner müde zu machen." Zumindest einen Erfolg hat Byrd schon vor dem Kampf errungen: seine Börse von 4,5 Millionen Dollar.

Sven Busch/DPA

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