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Dacia Logan: Der kleine Billige aus Rumänien

Seit ein paar Wochen steht der Neue von Renault auf den Höfen der Händler. Der Ausdruck "Geiz ist Geil" trifft beim Dacia Logan voll ins Schwarze - das Auto ist ein wahrer Preisbrecher.

Musik? Fehlanzeige. Kalte Getränke? Auch nicht. Würstchen vielleicht? Nichts dergleichen. Normalerweise ist die Markteinführung eines neuen Automodells immer Anlass für ein wenig Dschingderassabum beim örtlichen Händler. Aufgekratzte Verkäufer schenken den Kunden in spe Kugelschreiber und halten auch Nettigkeiten für die Kleinen bereit.

Nicht so im Autozentrum P & A an der Düsseldorfer Automeile. Als dort Mitte Juni das Billigauto Dacia Logan den ersten Tag auf dem Hof stand, blieb das sonst übliche Tamtam aus. Kein Hinweisschild auf den Neuen im riesigen Verkaufsraum, keine Plakate, Prospekte sind Mangelware. Nur ein lieblos aufgehängtes Transparent weht draußen über der Logan-Ecke müde im Wind - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gebrauchtwagenlager. Interessenten sollen hier offenbar ferngehalten werden.

Billig ist Programm

Und das bei einem neuen Wagen, auf den die Händler in Geiz-ist-geil-Zeiten eigentlich scharf sein müssten. Die Logan-Basisversion (1,4 Liter/75 PS), die für nur 7200 Euro angeboten wird, hat die Konkurrenz zum Handeln gezwungen. Motto: 10.000 Euro sind die Obergrenze. Jüngst erst hat Opel als einer der letzten Hersteller verkündet, dass ab sofort auch ein Billigheimer im Programm ist: der Corsa für 9995 Euro. Solche Angebote zielen auf Leute, die eigentlich einen Gebrauchtwagen wollen. Jetzt sollen sie mit der Botschaft geködert werden: Fürs gleiche Geld könnt ihr auch ein nagelneues Auto bekommen - wenngleich mitunter die Serienausstattung dürftig ist.

P & A-Verkaufsleiter Stephan Schmidt ist es an der Nasenspitze anzusehen, dass er über den Logan, den Renault in Rumänien mit der Technik der Schwestermodelle Clio und Modus bauen lässt, alles andere als glücklich ist. "Wir würden lieber mehr Renaults verkaufen als den da", brummt er. Vielleicht, weil nicht nur der Preis des Autos niedrig ist, sondern auch die Marge für den Händler? Fünf Prozent vom Verkaufspreis verdient Schmidt an einem Logan, mehr als die Hälfte weniger als bei einem Renault hängen bleiben. Eigens wegen des Rumänen-Mobils hat Schmidt auch seine Verkäufertruppe neu eingeteilt: Nur die Kollegen sollen es an den Mann bringen, die bislang Gebrauchtwagen verhökern. Die sind an die mageren Margen gewöhnt. Genutzt hat es nichts. Bei P & A ging am Einführungswochenende nicht ein Logan vom Hof.

Ohne Werbung gut gefahren

Anders im benachbarten Köln. Hier verkauften drei Renault-Niederlassungen zur selben Zeit 20 Stück. Grund: Es gab Vorführwagen für Probefahrten, die Autos standen vor und in den Verkaufsräumen auffällig positioniert und das Personal stürzte sich auf jeden potenziellen Interessenten. Zum Beispiel auf den Rentner Kurt Geiter, der seinen uralten Renault 21 gegen einen Neuwagen eintauschen wollte. „Das Auto als 1,6-Liter-Version hat alles, was ich brauche“, sagt er. "ABS, viel Platz und ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis."

So dachten bundesweit bisher etwa 600 Käufer. Das ist zwar bei weitem nicht so viel wie in Frankreich, wo nach nur einer Woche bereits 5000 Logans abgesetzt wurden - die geplante Jahresstückzahl für 2005. Trotzdem ist Thomas May-Englert, bei Renault Deutschland für die Produktkommunikation zuständig, mehr als zufrieden: "Wir haben das ohne Werbung, nur mit Mundpropaganda geschafft." Der Wagen steht bei 250 Händlern in Deutschland.

Deformierter Schrott?

Anlass zu großen Hoffnungen gab es allerdings nicht. Die 3000 Stück, die vom Logan dieses Jahr in der Bundesrepublik verkauft werden sollen, schienen angesichts schlimmer Vorwürfe Mitte April in weite Ferne gerückt zu sein. Es ging um den sensiblen Bereich Unfallsicherheit. "Nur billiger Schrott?" fragte "Auto-Bild" nach einem Crashtest, bei dem der Logan mit 64 km/h gegen eine deformierbare Barriere geknallt wurde und dabei keine gute Figur machte.

Auch bei einem neuen Unfallversuch, den jüngst der ADAC durchführen ließ, war das Ergebnis nicht besser. Der Wagen, von dem inzwischen 100.000 Stück im rumänischen Werk Pitesti vom Band gelaufen sind, bekam nur drei von fünf möglichen Sternen. Dennoch urteilt der Automobilclub:"Der Logan bietet viel Auto fürs Geld."

Obwohl es schwer einzuschätzen ist, wie Crashergebnisse bei Kunden ankommen und ob ihnen der Schnäppchenpreis nicht wichtiger ist als eventuelle Unfallfolgen, bekam Stephan Schmidt von P & A in Düsseldorf Anrufe, bei denen Interessenten die kritisierte Sicherheit als Hebel zum Preisdrücken nutzen wollten. Darauf hat er sich nicht eingelassen. Wie überhaupt in dem Punkt nichts geht. Verkaufsleiter Thilo Hanauer von der Renault-Niederlassung Köln: "Der Rabatt ist im Preis schon enthalten." Genauso wie zwei Airbags und eine 100.000-Kilometergarantie.

Auf lange Sicht nicht schlecht

Auf der anderen Rheinseite der Domstadt macht der geräumige Fünfsitzer für Geschäftsführer Frank Haas vom Autohaus Barthel in Porz vor allem perspektivisch Sinn: "Mit dem Auto bekomme ich neue Kunden, die sich später vielleicht für einen größeren Renault entscheiden." Am ersten Verkaufstag hat er gleich zwei verkauft. Einen an die gebürtigen Rumänen Renate und Alexander Timoschenko, die jetzt im Rheinland wohnen. Das Ehepaar war weniger darauf erpicht, ein Billigmobil zu erwerben, als vielmehr "die Wirtschaft in unserer ehemaligen Heimat zu unterstützen".

Hans-Robert Richarz / print

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