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DAUM-PROZESS: Urteil gegen Daum könnte schon bald fallen

Der Kokain-Prozess gegen den Fußball-Trainer Christoph Daum ist möglicherweise in Kürze zu Ende. Sein Verfahren wurde vom Prozess gegen die beiden Mitangeklagten abgetrennt.

Der Koblenzer Kokain-Prozess gegen Fußball-Trainer Christoph Daum (48) ist möglicherweise in Kürze zu Ende. Am Dienstag wurde sein Verfahren vom Prozess gegen die beiden Mitangeklagten abgetrennt. »Wir sehen jetzt Licht am Ende des Tunnels«, sagte Daum- Anwalt Ralph Mayer auf dem Gerichtsflur. Das »verschlankte Verfahren« allein gegen Daum werde wohl nur noch wenige Verhandlungstage dauern.

Mitangeklagte verurteilt

Das Koblenzer Landgericht verurteilte die beiden Mitangeklagten wegen Drogenhandels und Betrugs. Daums mitangeklagter mutmaßlicher Dealer (40) erhielt viereinhalb Jahre Haft wegen Drogenhandels. Der zweite Mitangeklagte (55) wurde wegen Betrugs zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Gericht folgte damit den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die sich zuvor mit den Verteidigern auf diese Strafen geeinigt hatte. Rechtsmittel gegen die Urteile seien nicht eingelegt worden, sagte der Anwalt des 55- Jährigen, Michael Hasslacher. Damit sind diese rechtskräftig.

Teile der Anklage werden möglicherweise fallen gelassen

Im Wesentlichen müssen nun nur noch Gutachter im Gerichtssaal gehört werden. Aus Kreisen der Verteidigung hieß es, der Vorwurf der Anklage, Daum habe die Beschaffung von 100 Gramm in Auftrag gegeben, werde vermutlich aus Mangel an Beweisen fallen gelassen. Dann bliebe nur noch der Vorwurf des 63fachen Erwerbs von je 3 bis 5 Gramm der Droge. Bisher hatte Daum nur den straffreien Kokain-Konsum zugegeben.

Keine Einigung über Geldstrafe

Wegen vertraulicher Gespräche der Prozessbeteiligten begann der 27. Verhandlungstag mit zweieinhalb Stunden Verspätung. Bei den vertraulichen Gesprächen hatten die Prozessbeteiligten nach Angaben der Verteidiger auch vergeblich um die Höhe einer etwaigen Geldstrafe für Daum gerungen. Daum wirkte sichtlich enttäuscht, dass es noch keine Einigung gab.

Befangenheitsanträge gegen Richter gescheitert

Zuvor waren die drei Ablehnungsgesuche der Verteidigung von Daums Mitangeklagten gegen den beisitzenden Richter Günter Hagenmeier zurückgewiesen worden. Hagenmeier hatte sich mit zwei Daum-Anwälten zu einem geheimen Gespräch auf einer Autobahn-Raststätte getroffen und damit für Aufsehen gesorgt. In Koblenzer Justizkreisen waren diesen Befangenheitsanträgen reelle Erfolgschancen eingeräumt worden.

Fortsetzung des Prozesses am 16. April

Der im Oktober 2001 begonnene Drogen-Prozess gegen Daum soll am 16. April fortgesetzt werden. Der Ex-Trainer des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen trainiert derzeit den türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul. Dort wird derzeit über einen Drei-Jahres-Vertrag für Daum diskutiert. Nach der 0:4-Niederlage gegen den Provinzclub Kocaelispor am 3. April im türkischen Pokalfinale kritisierte die einheimische Presse, der Trainer sei zu sehr mit seinem Prozess beschäftigt.

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