Dirk Nowitzki Der wertvollste Traurige der NBA


Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks wurde als erster Eruopäer überhaupt zum wertvollsten Spieler der Nordamerikanischen Basketball-Liga NBA gewählt. Doch Nowitzkis Freude über die Auszeichnung ist getrübt.

Trostpflaster für Dirk Nowitzki: Zwölf Tage nach dem überraschenden Playoff-Aus wurde Deutschlands bester Basketballer am Dienstag wie erwartet als erster Europäer zum "wertvollsten Spieler" (MVP) der nordamerikanischen Profiliga NBA gewählt. Der Superstar der Dallas Mavericks erhielt in seiner Wahlheimat aus den Händen von NBA-Boss David Stern die begehrte Maurice-Podoloff-Trophäe und wurde damit Nachfolger seines Freundes Steve Nash von den Phoenix Suns. "Ich bin völlig überwältigt. Das ist ein großartiger Tag und eine große Ehre für mich. Der gesamte Club hat mich vom ersten Tag an sehr unterstützt, und das werde ich nie vergessen", erklärte der Würzburger. Mit 1138 Stimmen verwies der 28-Jährige Nash und Lakers- As Kobe Bryant auf die Plätze und bekam als erster Spieler der Mavericks diese Auszeichnung.

Sichtlich bewegt stellte sich Nowitzki in einem schwarzen Anzug der Presse. "Ich habe vor ein paar Tagen von der Auszeichnung erfahren, aber ich war immer noch traurig, dass ich die Playoffs nur noch als Zuschauer erleben kann. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich alles realisiert habe", gab der 2,14-Meter-Riese zu. "Für Nowitzki das versöhnliche Ende einer bitter süßen Saison", titelte die Tageszeitung "Dallas Morning News" und forderte ihre Leser auf, die Playoff-Pleite "zumindest für einen Tag zu vergessen".

"Es tut verdammt weh"

Nach dem Erstrunden-Aus gegen die Golden State Warriors und tagelanger Seelenfinsternis wurde dem großen Verlierer Nowitzki zumindest noch die Ehrung zuteil, die er sich durch überragende Leistungen in der regulären Saison verdient hatte. Mit 24,6 Punkten, 8,9 Rebounds und 3,4 Assists im Schnitt pro Partie hatte der Deutsche die Texaner zur besten Bilanz in der Vereinsgeschichte geführt. "Es war eine phantastische Saison, aber unsere 67 Siege aus der regulären Saison waren auf einmal wertlos. Es tut verdammt weh", so Nowitzki.

Der jähe Absturz in den Playoffs, als ihm nur 19,7 Punkte pro Spiel gelangen, brachten ihm jede Menge Hohn und Spott von den US- Medien ein. "Zu nett, zu brav" waren noch die harmlosesten Adjektive, die er sich anhören musste. "Ich werde bald 29 und trotzdem denke ich, ich kann noch sehr viel verbessern", aber jetzt mache ich erst einmal vier Wochen Pause. Ich muss zur Ruhe kommen und mental ein bisschen abschalten. Ende Juni, Anfang Juli werde ich wieder trainieren", offenbarte Nowitzki.

"Es waren harte Tage"

Nach der Schmach gegen die Warriors hatte er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sein Entdecker Holger Geschwindner stand ihm auch in dieser schweren Zeit zur Seite. "Das Ausscheiden hat alles ein bisschen überschattet. Das dauert alles noch ein wenig", meinte Geschwinder. Zum deutschen Nationalteam wird sein Schützling deshalb in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Spanien (3. bis 16. September) erst später stoßen. "Die Eindrücke von der Playoff-Niederlage sind noch sehr frisch. Es waren harte Tage", gestand Nowitzki, "aber es stecken noch viele gute Jahre in mir und meinem Team."

"Die Auszeichnung ist hochverdient, wir sind alle stolz auf Dirk. Auch die Niederlage in den Playoffs schmälert Dirks Leistung in keinster Weise. Der MVP-Titel unterstreicht die Stellung und Wichtigkeit von Dirk für unsere Sportart in Deutschland, wird aber sicher auch von der gesamten deutschen Sportnation mit Freude zur Kenntnis genommen", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann.

Auf einer Stufe mit Michael Jordan

Ingo Weiss, der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), stellte fest: "Ein Deutscher ist der beste Spieler in der besten Liga der Welt. Das freut uns alle sehr. Als bodenständiger deutscher 'Arbeiter' hat sich Dirk ständig weiter entwickelt, verbessert und jetzt die Krönung erhalten." Nowitzki steht nun auf einer Stufe mit Basketball-Größen wie Michael Jordan, Earvin "Magic" Johnson, Larry Bird oder Kareem Abdul Jabbar, die in ihrer Karriere ebenfalls MVP wurden.

Heiko Oldörp/DPA DPA

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