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Doping-Affäre: Manager warnt vor Dottore "Preparatore"

Vorsorglich nimmt Hans-Michael Holzcer Levy Leipheimer in Schutz. Sein Kapitän habe nichts mit dem italienischen Dopingarzt Ferrari zu tun. Seine Fahrer warnte der Gerolsteiner-Manager vor dubiosen Beratern

In der aktuellen Doping-Diskussion nahm Hans-Michael Holczer noch ein Mal dazu Stellung, dass sein Mannschafts-Kapitän Levi Leipheimer im Vorjahr mit dem umstrittenen Mediziner Michele Ferrari ein Hotel geteilt hatte. „Levi war im Vorjahr beim Training auf Teneriffa zufällig im selben Hotel, in dem auch Ferrari abstieg. Aber er versicherte mir noch ein Mal: Er arbeitet nicht mit dem Italiener zusammen“, sagte der Manager des Teams Gerolsteiner am Donnerstag. Holczer, der von „augenblicklich herrschender Hysterie“ sprach, habe diesen Fakt auch schon in einem Fernseh-Interview „ungefragt“ mitgeteilt.

Teneriffa war auch immer ein bevorzugtes Trainings-Quartier des ehemaligen Leipheimer-Kapitäns Lance Armstrong. Auch andere Topfahrer wie Alexander Winokurow (Astana), Andreas Klöden, Matthias Kessler (beide T-Mobile) oder Markus Fothen (Gerolsteiner) und weitere trainieren dort auf einer Höhe bis zu 3 700 Meter. Armstrong fuhr auf Teneriffa unter der Regie Ferarris auch Leistungstests, bis der Tour-Rekordsieger seine Zusammenarbeit mit dem italienischen „Preparatore“ 2005 abgebrochen hatte. Der in zahlreiche Doping- Prozesse verwickelte Armstrong hatte eine Kooperation mit Ferrari lange verschwiegen.

Holzcer warnt seine Fahrer vor Medizinern

In einem Doping-Prozess war Ferrari im Oktober 2004 zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und elf Monaten Berufsverbot verurteilt worden. In der Berufung erhielt er in letzter Instanz einen Freispruch „zweiter Klasse“ wegen Verjährung der Vergehen. T-Mobile hatte seine Fahrer Patrik Sinkewitz, Michael Rogers und Eddy Mazzoleni nach Bekanntwerden Kontakte zu Ferrari aufgefordert, die Zusammenarbeit zu stoppen. Im Bonner Team, das vor der Tour Jan Ullrich, der mit dem Ferarri-Schüler Luigi Cecchini kooperierte, und Oscar Sevilla wegen Doping-Verdachts suspendierte, steht das gesamte Betreuer-Umfeld auf dem Prüfstand.

„Ich habe bei dieser Tour unsere Fahrer noch ein Mal eindringlich nach Kontakten zu Medizinern oder Trainings-Analytikern befragt. Alle haben mir versichert, weder mit Ferrari, Cecchini oder ähnlichen zusammen zu arbeiten. Auch wenn in manchen Zeitungen von anderen Doping-Zentren in der Welt geschrieben wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass ähnliche Einrichtungen existieren, wie jetzt in Madrid aufgedeckt. Warum sind denn viele große Fahrer offensichtlich dort hin gegangen“, fragte Holczer, der mit dem Deutschland-Tour-Sieger und dem Dauphiné-Libéré-Gewinner Leipheimer einen ganz heißen Favoriten dieser Rumpf-Tour in seinen Reihen hat.

Gerolsteiner stellt einen Tourfavoriten

Leipheimer und auch sein Landsmann Floyd Landis vom Team Phonak, verfolgen die Armstrong-Methode, im Frühjahr lange in den USA zu trainieren. Landis gilt neben Leipheimer, dem New Yorker George Hincapie, dem Australier Cadel Evans und dem Russen Denis Mentschow, der als Vuelta-Sieger 2005 geführt wird, weil Roberto Heras zwei Jahre wegen Dopings gesperrt wurde, als einer der heißen Favoriten auf das Gelbe Trikot.

„Ich denke, dass noch fünf bis sieben Prozent der Fahrer betrügen. Falls noch Betrüger im Peleton sind, hoffe ich, dass sie so schnell wie möglich entfernt werden“, sagte der Belgier Patrick Lefévère, Vorsitzender der Vereinigung der Profirennställe am Donnerstag in der „L’Équipe“. Diese Organisation hatte vor dem Tourstart beim Beschluss, neun Fahrer, die in die spanische Doping-Affäre verwickelt waren, zu suspendieren, seltene Einmütigkeit demonstriert.

Andreas Zellmer/DPA / DPA

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