Doping-Affäre Radprofi Bernhard Kohl droht der Knast


Wirbel im Doping-Sumpf: Bernhard Kohl hat im österreichischen Fernsehen offen über Doping-Handel gesprochen. Nun droht dem besten Bergfahrer der Tour de France 2008 nach dem neuen Anti-Doping-Gesetzes das Gefängnis. Außerdem hat Kronzeuge Patrik Sinkewitz schwere Vorwürfe gegen sein ehemaliges Team Quick-Step erhoben.

Dem gesperrten Ex-Radprofi Bernhard Kohl droht eine Gefängnisstrafe. Im österreichischen Fernsehen "ORF" hat der 28-jährige Doping-Handel eingeräumt. Sollte der ehemalige Gerolsteiner-Profi, der bei der Tour de France 2008 "Bergkönig" geworden war und den dritten Platz belegt hatte, nach Inkrafttreten des neuen Anti-Doping-Gesetzes am 1. August 2008 mit Dopingmitteln gehandelt haben, drohen ihm im äußersten Fall drei Jahre Gefängnisstrafe.

"Unter guten Freunden gibt man manche Sachen natürlich auch weiter. Die genauen Informationen, wem ich etwas gegeben habe, liegen der Soko Doping vor. Die Namen werde ich nicht öffentlich nennen, sondern nur den Behörden", sagte Kohl dem Fernsehsender.

Auch der deutsche Doping-Sünder Patrik Sinkewitz meldet sich wieder zu Wort. Nach Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" hat Sinkewitz vor der Wada schwere Doping-Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Team-Manager Patrick Lefévère sowie die Ärzte seines früheren belgischen Quick-Step-Teams erhoben. Die Sendung wird am Dienstag um 21.00 Uhr ausgestrahlt. Sinkewitz sagte im November 2007 gegenüber der Welt-Anti-Doping-Agentur aus. Doch Wada-Generalsekretär David Howman räumte gegenüber "Frontal 21" ein, dass das Protokoll der Sinkewitz-Aussage erst in der vergangenen Woche, eineinhalb Jahre später, an den Internationalen Radsportverband UCI weiter geleitet worden sei.

Mit dieser schweren Ermittlungspanne verstoße die Wada gegen ihre eigenen Regeln, sagte der renommierte Sportanwalt Christian Krähe. Sinkewitz erklärte laut Wada-Protokoll, das "Frontal 21" vorliege, wie es am Dienstag in einer Pressemitteilung hieß, dass die Quick Step-Ärzte ihm vor wichtigen Rennen Cortison in den Arm injiziert hätten. Er habe von den Ärzten außerdem Testosteron, Wachstumshormone sowie das Blut-Dopingmittel Epo erhalten. "Sie nahmen regelmäßig Blutproben, um die Hämatokritwerte zu messen und passten die Epo-Dosen den jeweiligen Werten an", erklärte Sinkewitz laut Wada-Protokoll.

Detailliert berichtet der deutsche Radprofi, der in den Genuss der Kronzeugen-Regelung kam und nach langer Suche wieder einen Arbeitsplatz im drittklassigen tschechischen PSK Whirlpool-Team fand, von einem geheimen Trainingslager von Quick-Step im Mai 2004 in Andalusien. Bei seiner Ankunft habe er von einem der Teamärzte einen Einnahmeplan mit den zugehörigen Dopingpräparaten erhalten. "Ich wusste aufgrund der konkreten Vorgaben des Arztes, wann ich welche Dopingmittel einzunehmen hatte und hielt mich auch daran", sagte Sinkewitz.

Der Hesse gestand, 2006 nach dem Prolog der Tour de France mit zwei weiteren Fahrern des früheren T-Mobile-Teams Blut-Doping in der Uni-Klinik Freiburg unter Anleitung der Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid vorgenommen zu haben.

DPA DPA

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