Doping-Sumpf BDR Suspendiert und doch aktiv


Skandal beim Bund Deutscher Radfahrer: Trotz Suspendierung wegen massiver Doping-Vorwürfe arbeitet Trainer Weibel nach stern.de-Informationen weiter mit dem BDR zusammen. Das bestätigte der Coach auf Anfrage.
Von Tim Farin, Christian Parth und Klaus Bellstedt

Unterschiedliche Quellen berichten, der Coach ziehe weiter im Hintergrund die Fäden für die sportliche Vorbereitung des deutschen Teams auf die Europameisterschaften, die vom 19. bis 22. Juli in Bulgarien stattfinden.

Aus Fahrerkreisen erfuhr stern.de, dass der einstige Ullrich-Coach sogar mit nach Sofia fahren soll. Der kommissarische Trainer der U23, Bernd Dittert, spielt laut eines Informanten von stern.de nur den "Kasper", während der alte Trainer weiterhin die entscheidenden Anweisungen gebe. Auf Anfrage versicherte der BDR, Weibel werde bis zur Klärung der Vorwürfe "nicht am Mann" arbeiten. Er habe lediglich Übergabe-Gespräche geführt, "um möglichst einen minimalen Verlust in der weiteren Ausbildung und Entwicklung im Hinblick auf internationale Höhepunkte zu gewährleisten". Dabei sei es allerdings "auch noch zu Kontakten mit den Aktiven" gekommen, bestätigte BDR-Sprecherin Christina Kapp. Nach Darstellung des Verbands seien diese nun beendet. Peter Weibel meinte auf Anfrage von stern.de: "Ich bin suspendiert. Ich arbeite nicht mehr am Athleten, aber bin noch immer in der Geschäftsstelle des BDR und erledige Arbeiten, die dort anfallen."

Aus Fahrerkreisen hieß es jedoch, die inoffizielle Zusammenarbeit dauere an. Treffen die Vorwürfe zu, wäre dies ein massiver Verstoß gegen die öffentliche Forderung von BDR-Präsident Rudolf Scharping, der vor fast einem Jahr beim Doping-Krisengipfel in Hamburg verkündet hatte: "Unser Ziel: Strich drunter und alle, die mit Doping zu tun haben, raus."

Der ehemalige Kandidat um das BDR-Präsidentenamt Max Benz bestätigte die neuen Vorwürfe gegen den BDR auf Anfrage von stern.de. Er habe von der weiteren Zusammenarbeit zwischen Nationalteam und Weibel von BDR-Mitarbeitern erfahren. Diese wollten allerdings anonym bleiben, weil sie ansonsten um ihre Jobs beim Verband fürchteten. In einem offenen Brief auf der Internetseite radsport-forum.de nannte Benz außerdem den BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer als Mitwisser. Bremer war in der Vergangenheit öffentlich kritisiert worden, weil er 2004 bei einer angeblichen Vertuschung eines auffälligen Blutwerts mitgewirkt haben soll (stern.de berichtete am 28. Mai). Auch der kommissarische Leiter der U23, Dittert, war in den damaligen Vorgang verwickelt. Offiziell arbeitet der suspendierte Peter Weibel weiter mit dem Nationalfahrer Sascha Weber zusammen, wie die BDR-Pressestelle bestätigte. Der 19-Jährige gehört ebenfalls zum deutschen Nationalkader. Allerdings sei dies ein privates Engagement. Weibel kümmere sich aus persönlichen und sozialen Gründen um den Athleten. Dagegen habe der BDR nichts einzuwenden. Weibel war vom BDR Ende Mai suspendiert worden, nachdem ehemalige Athleten ihn und den inzwischen geständigen Verbandsarzt Georg Huber aus Freiburg des Dopings in den 80er-Jahren beschuldigt hatten. Ein Fahrer hatte berichtet, Weibel habe ihm 1987 das anabole Steroid Andriol organisiert. Zuletzt legte der ehemalige Nachwuchs-Nationalfahrer Markus Wilfurth nach, als er berichtete, Weibel sei auch Ende der 90er-Jahre noch für seine doping-freundliche Haltung bekannt gewesen.


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