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Dopingfall Pechstein: ISU weist Kuhhandel-Vorwurf zurück

Der Eisschnelllauf-Weltverband ISU hat den Vorwurf zurückgewiesen, der gesperrten Athletin Claudia Pechstein angeboten zu haben, im Fall eines Rücktritts auf eine Doping-Sperre zu verzichten. Unterdessen wies ein Rechtsexperte daraufhin, dass die Beweislast beim Weltverband ISU liegt. Pechstein beteuert weiter ihre Unschuld.

Der Präsident der Internationalen Eislauf-Union ISU, Ottavio Cinquanta, hat den Vorwurf eines "Kuhhandels" mit der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein zurückgewiesen. "Das ist sicherlich nicht in Ordnung, uns einen Deal zu unterstellen", sagte der Italiener der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Im Zusammenhang mit der zweijährigen Sperre wegen auffälliger Retikulozyten-Blutwerte hatte der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), Gerd Heinze, von einem Angebot des tschechischen ISU-Juristen Gerhardt Bubnik berichtet, der den Deutschen angeboten habe, die Affäre unter den Tisch zu kehren, wenn Claudia Pechstein ihre Laufbahn vorzeitig beende. Das Angebot sei vom Vorsitzenden der ISU-Rechtskommission etwa vier Wochen vor dem Anhörungstermin am 29./30. Juni unterbreitet worden.

Bubnik konterte mit den Worten "diese Äußerungen aus Deutschland haben mich überrascht" und verwies auf Punkt 37 der Urteilsbegründung, wonach Pechstein Zeit eingeräumt wurde, die auf Doping hinweisenden Blutwerte mit einer Blutkrankheit zu erklären. Bis zum Abschluss der Untersuchung hätte sie weiter an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Pechstein hätte dies abgelehnt.

Keine Angst vor dem Cas

Dass die Berlinerin nun vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas zieht, beunruhigt Cinquanta nicht. Der Präsident nimmt dabei sogar in Kauf, dass den Verband ein Scheitern vor der letzten Sportgerichtsbarkeit teuer zu stehen kommen würde: "Wer ins Restaurant geht und einen guten wein bestellt, muss ihn auch bezahlen können", sagte Cinquanta.

Unterdessen hat der Sportrechts-Professor Jens Adolphsen noch einmal klargestellt, dass die Beweislast beim Weltverband ISU liegt. "Natürlich ist ein indirekter Beweis zulässig. Aber das heißt, der Verband muss nachweisen, dass dieses Ergebnis im persönlichen Blutprofil zwingend auf die Manipulation Blutdoping hindeutet und es keine Alternativen gibt", sagte der Experte von der Universität Gießen, der schon in Doping- Anhörungen des Bundestages als Sachverständiger auftrat, am Montagabend in der Sendung "Blickpunkt Sport" des Bayrischen Rundfunks.

"Und das Beweismaß ist hoch. Das ist nicht irgendeine Wahrscheinlichkeit, sondern eine ganz überwiegende Wahrscheinlichkeit", fügte er hinzu. Claudia Pechstein führte in der Sendung aus, dass die ISU versuche, die Beweislast auf sie abzuschieben. "Aber sie müssen beweisen, dass ich neun Jahre lang Blutdoping betrieben habe. Das werden sie nicht können. Und deshalb wollen sie mir zuschieben, dass ich das Ganze erklären muss." Sie wolle selbst Klarheit über ihren Körper. "Es nützt nichts, wenn ich beim CAS durchkomme und beim nächsten Wettkampf sind die Werte wieder hoch und das ganze Spiel geht von vorne los." Es gehe nur um einen Wert, die Retikulozyten, um ein Indiz und nicht um eine Indizienkette, stellte sie fest.

DPA/tis / DPA

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