Dopingskandal Der britische Sprint-Europameister positiv getestet


Der Skandal in den USA um die neue Doping-Substanz THG hat jetzt auch Europa erreicht: Der britische Sprint-Europameister Chambers wurde in der A-Probe positiv getestet.

Der Doping-Skandal in den USA hat jetzt auch Europa erreicht. Bei einer offensichtlich gezielten Fahndung ist der britische Sprint-Europameister Dwain Chambers nach Londoner Zeitungsberichten vom Mittwoch positiv auf das neue anabole Steroid Tetrahydrogestrinone (THG) getestet worden. Danach wurde THG in der A-Probe des 100-m-Vierten der Weltmeisterschaft in Paris bei einer Trainingskontrolle am 1. August in Saarbrücken nachgewiesen. Der 25- Jährige ist nach dem verdächtigten amerikanischen Kugelstoßer Kevin Toth erst der zweite namentlich bekannte Weltklasse-Athlet und der erste Nicht-Amerikaner, der in den von den USA ausgehenden Doping- Skandal verwickelt sein soll.

Zweijährige Sperre droht

Die IAAF hatte am Dienstag angekündigt, dass alle 400 Doping- Proben der WM im August nachträglich auf THG untersucht werden. Falls auch die B-Probe von Chambers positiv sein sollte, droht dem 100-m- Europarekordler eine zweijährige Sperre. Außerdem würde Großbritannien die WM-Silbermedaille über 4 x 100 Meter verlieren.

Spekulationen um Boris Henry

Der Testort Saarbrücken hat auch beim Deutschen Leichtathletik- Verband (DLV) Unruhe ausgelöst. Dort ist Boris Henry, der WM-Dritte im Speerwerfen, zu Hause. Seine amerikanische Freundin Kelli White trainiert mit Chambers. "Es liegen keinerlei Erkenntnisse vor. Aber wir sind angespannt, und ich kann nur hoffen, dass sich daraus ergebende Spekulationen nicht bestätigen", sagte DLV-Pressesprecher Peter Schmitt. Boris Henry war nicht zu erreichen: Er hat sich offiziell beim DLV für die Zeit vom 29. September bis 29. Oktober in die USA abgemeldet.

"Wir reden über einen Doping-Anfangsverdacht"

Unterdessen hat Roland Augustin, der Chef der Nationalen Anti- Doping-Agentur (NADA), bei der Bewertung des neuen Doping-Skandals zur Zurückhaltung gemahnt. "Wir reden momentan noch über einen Doping-Anfangsverdacht. So lange B-Proben keine positiven Befunde gebracht haben, warne ich vor Vorverurteilungen", sagte Augustin. "Dennoch sitzen wir natürlich nicht untätig rum und warten auf die Ergebnisse der B-Proben in den USA. Wir wären doch dumm, wenn wir das Material, das uns aus Trainings- und Wettkampfkontrollen in den Labors von Köln und Kreischa zur Verfügung steht, nicht nutzen würden", sagte Augustin der dpa.

Der Doping-Skandal um die neue Designer-Droge war in den USA aufgeflogen, nachdem sie bei mehreren, bisher nicht namhaft gemachten Spitzensportlern aus der Leichtathletik sowie anderen Profi- Sportarten nachgewiesen worden war. 40 von ihnen, darunter Kelli White, sind zur Anhörung vor ein Bundesgericht in San Francisco geladen worden. Die Anhörung richtet sich, wie dessen Anwalt bestätigte, gegen Victor Conte, den Gründer des Bay Area Laboratory Co-Operative (BALCO). Dort soll THG entwickelt worden sein.

Hans-Hermann Mädler/dpa DPA

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