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Wegen der Corona-Pandemie: Ein Rugbyteam aus Samoa kann seit 104 Tagen nicht nach Hause - und muss weiter warten

Das Rugbyteam Manuma Samoa wollte eigentlich nur ein Spiel im australischen Perth bestreiten und zurück nach Hause fliegen. Doch daraus wurde nichts. Seit über drei Monaten sitzt die Mannschaft nun fest. 

Da war noch alles Ordnung: Samoas Melani Matavao in einem Spiel gegen die USA in Vancouver im vergangenen März

Samoas Melani Matavao in einem Spiel für die Nationalmannschaft Samoas gegen die USA

AFP

Die Corona-Pandemie hat überall auf dem Globus dafür gesorgt, dass Menschen für eine lange Zeit nicht nach Hause konnten. Touristen, Kreuzfahrt-Crews, Geschäftsreisende - vielerorts hingen Menschen in einer Quarantäne fest oder strandeten vor geschlossenen Grenzen. In den meisten Fällen dauerten die unangenehmen Zwangsaufenthalte höchstens wenige Wochen. Nicht so beim Rugbyteam Manuma Samoa. Die Profimannschaft verließ die Heimat am 23. Februar und ist immer noch nicht zurück. Erst in einer Woche wird das Martyrium ein Ende haben, dann werden die Profis, die auf Samoa leben, endlich ihre Familien und Freude wiedersehen. Nach über dreieinhalb Monaten. 

"Als wir in Neuseeland ankamen, war es Sommer", sagte der Videoanalyst des Teams, Hari Junior Narayan, der BBC. "Als wir abreisten, war es Winter."

Das endlose Warten beginnt am 15. März

Am 23. Februar flog die Mannschaft nach Neuseeland, um sich dort in einem zweiwöchigen Trainingslager auf die kommende Saison vorzubereiten. Im australischen Perth absolvierte das Team am 14. März das erste Spiel. Leider erließ die Regierung von Samoa am selben Tag eine Quarantäneverordnung für Einreisende aus 33 Ländern, darunter Australien. Das Team von Manuma Samoa durfte zwar nach Neuseeland zurückfliegen, wie es zunächst für wenige Tage geplant war, aber musste sich dort im Trainingslager einquartieren, solang die Quarantäne galt. Die sollte eigentlich am 30. März enden. 

Doch die Spieler und Betreuer machten sich falsche Hoffnungen auf die Heimkehr. Vier Tage vor Ablauf der Quarantänefrist verhängten die samoanischen Behörden einen kompletten Einreisestopp. Die Mannschaft von Manuma Samoa hing endgültig in Neuseeland fest.

Erschwert wurden die Bedingungen durch den Umstand, dass das Quartier der Rugbyspieler nicht ganz so luxuriös war, wie man das von europäischen Profifußballern kennt. Die 20 Spieler schliefen in einem großen Raum, das Betreuerteam war in einem kleineren untergebracht. "Wir hatten keine Privatsphäre oder etwas in der Art", sagte Profi Theodore McFarland. "Es gab ein paar Typen, die schnarchten."

Die Stimmung blieb gut

Dennoch blieb die Stimmung unter den Männern gut, berichteten sie. Sie spielten Bingo und kochten ihre Gerichte in einem "Umus", einem samoanischen Steinofen. Sie nutzten ihren Schlafraum als Fitnessstudio und trainierten draußen im Freien. Dabei brachen sie zwar die Lockdownbestimmungen Neuseelands, aber die Polizisten, die das Gelände kontrollierten, drückten aufgrund der außergewöhnlichen Bedingungen ein Auge zu und ließen die Rugbyspieler gewähren. Sie durften das Camp ja auch nicht verlassen. "Wir waren auf einem Gelände, und man sieht jeden Tag die gleichen Leute", sagt Teammanager Tuala Pat Leota. "So muss es sich anfühlen, wenn man ein Gefangener ist."

Weston McKennie

Die Zeit wurde immer länger. Ende April lockerte Neuseeland zwar den Lockdown und einige Spieler, die in Neuseeland leben, verließen das Quartier, aber für den Rest war das Martyrium längst nicht vorüber. Immer wieder verlängerten die Behörden das Einreiseverbot. Hieß es zunächst, die Mannschaft könne im April zurückfliegen, zog sich der Einreisestopp bis in den Mai hinein. Erst am 29. Mai hoben die samoanischen Behörden den Einreisestopp auf und sie flogen zurück. 

Doch damit war das kräftezehrende Geduldsspiel nicht vorbei, weil sich die Mannschaft seitdem auf Samoa in Quarantäne befindet. Dennoch ist das Ende abzusehen. In gut einer Woche können die Spieler und Betreuer endlich zurück zu ihren Familien - wenn nichts dazwischen kommt.

Quelle: BBC

tis
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