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Eishockey: DEB-Coach Kölliker - Einstand erfolgreich

Nach der erfolgreichen Ära Uwe Krupp stand mit Jakob Kölliker beim Deutschland-Cup ein neuer Verantwortlicher an der Bande der DEB-Auswahl. Die erste Bilanz fällt auf allen Seiten positiv aus. 

Das Debüt von Jakob Kölliker als Nationaltrainer ist geglückt. Beim Deutschland-Cup überzeugte die DEB-Auswahl mit guten Auftritten und wurde Zweiter. Ein Bruch war trotz des neuen Systems nicht zu erkennen, die Spieler kamen mit ihrem neuen Chef bereits bestens zurecht.

Die Atmosphäre im Lager der Eishockey-Nationalmannschaft war locker und entspannt. Von Anpassungsproblemen zwischen der Mannschaft und ihrem neuen Trainer Jakob "Köbi" Kölliker (58) war in den Tagen des Deutschland-Cups nichts zu spüren. Die deutschen Profis wurden schnell warm mit ihrem neuen Schweizer Chef. "Er ist ein sehr gelassener Typ“, sagt Torwart Dimitri Pätzold, der sich wie viele seiner Kollegen über die lockeren Umgangsformen des Nachfolgers von Uwe Krupp freute.

Nur auf die Frage nach der passenden Anrede konnte auch Pätzold keine Antwort geben. Vorher hatten schon zahlreiche seiner Kollegen öffentlich bekannt, dass auch sie nicht genau wüssten, wie sie ihren neuen Vorgesetzten nun ansprechen sollten, ob mit Jakob, Herr Kölliker, Köbi oder Coach, die Liste der möglichen Anreden war lang. "Ich hab auch keine Ahnung", sagte Stürmer Wörle selbst am letzten Turniertag noch.

Kein Bruch unter Kölliker

Dass viel über die Frage um die Anrede des Bundestrainers gesprochen und geschrieben wurde, unterstrich zugleich, dass das Debüt des neuen Bundestrainers nicht allzu viele ernste Gesprächsthemen aufwarf. Denn nach den ersten drei Partien unter Kölliker stand fest: Der Trainerwechsel sorgte nicht für einen Bruch im Spiel der Nationalmannschaft, die seit zwei Jahren mit starken Leistungen auf internationalem Parkett glänzt.

Und so liest sich auch die Bilanz des ersten Wochenendes unter Kölliker zufriedenstellend: Zwei Siegen gegen die Schweiz (4:2) und Team USA (3:1) steht eine Niederlage gegen die Slowakei (3:6) gegenüber. Unter dem Strich bedeutet dies Rang zwei beim Deutschland-Cup hinter den Slowaken, die ohne Niederlage durch das Turnier in München marschierten und dem Gastgeber damit den Titelhattrick verbauten. "Mit dem Resultat bin ich zufrieden", sagt Kölliker: "Mit der Leistung meiner Jungs sogar sehr."

14 Profis standen im DEB-Kader, die schon bei der letzten WM unter Krupp für den Viertelfinaleinzug gesorgt hatten. Hätten mit Christoph Ullmann, Alexander Barta und Constantin Braun nicht auch noch drei alteingesessene Profis ihre Teilnahme abgesagt, wären es gar noch mehr gewesen. Bei der Kaderzusammenstellung hat Kölliker folglich nicht allzu viel experimentiert. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Krupp mit seiner Spielerauswahl auf dem richtigen Weg war.

Neues Offensivsystem

Den größten Unterschied zwischen den beiden Trainern machten viele Beobachter im System aus. "Bei Uwe Krupp haben wir defensiver gespielt", sagt Stürmer Philip Gogulla, der mit drei Treffern erfolgreichster Torjäger des Turniers war. Im Umkehrschluss: Kölliker will mit seinem sogenannten 2-1-2-System für mehr Offensivdrang sorgen und damit die unter Krupp begonnene Emanzipation der deutschen Mannschaft weg von einem reinen Defensivsystem wie einst unter Hans Zach weiter vorantreiben. Die zwei glanzvollen Jahre mit Halb- und Viertelfinaleinzug bei der WM haben gezeigt, dass die Deutschen auch offensiv immer mehr zu bieten haben. Wenngleich die Abschlussschwäche auch in München wieder ein Thema war.

"Die Spieler haben sehr vieles von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", sagt Kölliker. "Natürlich kann man immer Kleinigkeiten verbessern". Diese Kleinigkeiten summierten sich insbesondere im Spiel gegen die Slowakei, als die Deutschen ein ums andere Mal ins offene Messer liefen und dem Gegner eine Reihe von Kontersituationen ermöglichten. Immer wieder rückten die Deutschen zu weit auf, was bei der neuen Taktik "sehr verlockend" sei (Pätzold).

"Das waren alles individuelle Fehler", bilanzierte Stürmer Patrick Reimer, der die problematischen Situationen mit der Unkonzentriertheit der Spieler und nicht mit dem neuen System begründete. "Vielleicht war unser Selbstvertrauen nach dem Sieg gegen die Schweiz etwas zu groß", mutmaßte Kollege Wörle. "Da hat er ein oder andere zu viel gewagt. Das ist in die Hose gegangen."

Im Spiel gegen die Slowakei "gesündigt"

Ähnlich sah es Kölliker: "In der Mittelzone haben wir gegen die Slowaken sehr gesündigt." Ansonsten sprach der neue Coach von "ansprechenden Leistungen" und war begeistert vom "Kämpferherz" seiner Mannschaft. Eine Abkehr von der neuen Taktik wollte der einstige Co-Trainer der Schweizer Auswahl nicht ernsthaft in Betracht ziehen. Das Team hätte noch genügend Zeit, sich beim Nationen-Turnier in Weißrussland und in der mehrwöchigen WM-Vorbereitung auf das neue System einzustellen, so Kölliker.

DEB-Präsident Uwe Harnos war zufrieden mit dem ersten Auftritt des deutschen Teams unter der Leitung des neuen Bundestrainers. "Ich habe das Gefühl gewonnen, dass die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer stimmt." Ein Eindruck, den die Spieler bestätigten. Einzig an seinen Schweizer Dialekt müsse sich der ein oder andere noch gewöhnen, hieß es scherzhaft aus Mannschaftskreisen.

Keine Zwischenlösung

Der Kennenlernprozess ist nach den ersten beiden Spielen weit fortgeschritten. "Ich habe die deutsche Mentalität lieben gelernt", sagt der frühere Schweizer Nationalverteidiger, der mit 213 Länderspielen eine wahre Legende im Land der Eidgenossen ist. "Der Verband hat mich von Anfang an sehr gut aufgenommen." Dass er nur eine Zwischenlösung sei, habe ihm bei DEB keiner zu verstehen gegeben.

Der Wunschkandidat der DEB-Verantwortlichen war nach dem Ende der Ära Krupp eigentlich der ehemalige Cheftrainer der Schweiz, Ralph Krueger, unter dem Kölliker viele Jahre als Co gearbeitet hatte. Die Verhandlungen mit Krueger scheiterten, da er beim NHL-Klub aus Edmonton im Wort stand. Daraufhin unterzeichnete sein einstiger Kollege einen Einjahresvertrag beim DEB. Als Lückenfüller fühle er sich dennoch nicht, so Kölliker. "Ich wollte selber erstmal sehen, wie mir der neue Job gefällt", begründete er die kurze Vertragslaufzeit.

Mittlerweile dürfte Kölliker viele Erkenntnissen dazugewonnen haben. Es macht den Anschein, als würden beide Seiten zueinanderpassen. Und so lüftete Kölliker schlussendlich auch das Geheimnis um die passende Ansprache: "Es passt schon, wenn ich mit Köbi in der Kabine angesprochen werde. Das ist mein Spitzname, an den bin ich gewöhnt."

Daniel Pietzker

sportal.de / sportal

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