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Eishockey: Wieso Augsburgs Kapitän O’Connor der DEL gut tut

Einsatz, Leidenschaft, Kampf: Mit seiner Spielweise ist Augsburgs Kapitän Sean O’Connor zur Identifikationsfigur beim AEV geworden. Mehrere Clubs haben mittlerweile Interesse an dem wuchtigen Angreifer. Zu Recht, wie wir meinen, denn Profis wie er beleben die Liga.

Die Playoff-Ränge in der DEL sind hart umkämpft, das Rennen um die letzten Plätze in der Endrunde wird wohl auch dieses Jahr erst auf der Zielgerade entschieden werden. Mittendrin in diesem rauen Kampf befinden sich die Augsburger Panther, das Team mit dem kleinsten Etat der Liga. Der AEV will alles für den Einzug in die Playoffs tun, allen voran ein Mann: Kapitän Sean O'Connor (30).

Liebe auf den ersten Blick

Der gebürtige Kanadier mit deutschem Pass ist das Gesicht der Mannschaft. Er lebt seine Rolle als Führungsfigur auf und neben dem Eis. O'Connor ist einer der Charakterspieler, die selten geworden sind in der DEL. Er sticht aus der Masse heraus und begeistert die Fans mit Leidenschaft und Emotionen. Sean O'Connor und der AEV, das war Liebe auf den ersten Blick.

Die Anhänger des chronisch klammen Klubs wissen, dass ihre Mannschaft nie zu den ganz Großen der Liga zählen wird und die Teilnahme an den Playoffs trotz der Vizemeisterschaft 2010 ein Ziel ist, für das der Verein Jahr für Jahr hart kämpfen muss. Umso mehr honorieren die Fans des AEV Spieler, die mit Herz und Leidenschaft das Trikot der Panther tragen. Schon als O'Connor im November 2010 seine ersten Schritte auf Augsburger Eis tat, war den Anhängern klar: Dieser Mann gibt alles für unseren Verein.

Dabei sorgt Sean O’Connor, der vor seinem Wechsel nach Schwaben in der nordamerikanischen ECHL die Schlittschuhe schnürte, auch abseits des Eises immer für gute Laune. Sei es, wenn er mit Spielerkollegen wieder ein Späßchen treibt oder auf seiner Fanseite bei Facebook neue Bilder postet, mit denen er seine Anhänger zum Lachen bringt. Mehrere tausend Fans verfolgen seinen im Herbst letzten Jahres ins Leben gerufenen Account auf den Seiten des sozialen Netzwerks.

Als Führungsfigur unangefochten

In der Mannschaft genießt der Flügelstürmer einen hohen Stellwert und ist in seiner Rolle als Führungsfigur unangefochten. Wenn das Team auf dem Eis durchhängt, ergreift er in der Kabine das Wort und nimmt sich und seine Kollegen in die Pflicht, oft noch bevor Trainer Mitchell seine Pausenansprache hält. "Wir wollen immer hart arbeiten, da möchte ich mit gutem Beispiel vorangehen", sagt O'Connor, der das "C" auf der Brust mit Stolz trägt: "Es ist eine Ehre für mich."

Für Aufsehen sorgt seine Sünderbilanz. Mit 132 Strafminuten führt der 1,91-Meter-Mann  die Liste der bösen Buben an. Schon mehrfach ließ er in dieser Saison die Handschuhe fallen um seine Gegner im Faustkampf, einem seiner Markenzeichen, herauszufordern. "Es geht nicht um den Kampf an sich", sagt O'Connor. "Ich möchte die Mannschaft damit motivieren."

So wie Ende Dezember beispielsweise, als er im Derby gegen Ingolstadt nach nur fünf Sekunden gegen den Panther-Stürmer und erfahrenen Faustkämpfer Jeremy Reich antrat. O'Connor siegte, die Fans feierten ihren Kapitän mit Sprechchören und der AEV schlug das Spitzenteam.

Auf den ersten Blick mag O'Connors prall gefülltes Strafzeitenkonto Kritiker auf den Plan rufen, doch de facto schadet der Kapitän seiner Mannschaft selten. Schmort O'Connor in der Kühlbox, muss in aller Regel auch ein Gegenspieler auf dem Sünderbänkchen Platz nehmen. Nur 17 seiner 132 Strafminuten führten zu einer Unterzahl-Situation des AEV.

So erfolgreich wie Kreutzer und Busch

Wenngleich spielerisch keine Wunderdinge von O'Connor, der 2000 in der dritten Runde des NHL-Drafts von den Florida Panthers gezogen wurde, zu erwarten sind, findet er nicht nur durch seine Strafzeiten Berücksichtigung auf dem Spielberichtsbogen. Sein guter Schuss und kluges Positionsspiel im Slot konnte der Rechtsschütze schon in sechs Saisontreffer ummünzen, womit er ebenso viele Tore wie Düsseldorfs Daniel Kreutzer oder Berlins Florian Busch zu Buche stehen hat.

Keine Frage, dass die Panther ihre Nummer 73, deren Vertrag im Sommer ausläuft, gerne halten würden. "Es wäre schön, wenn er bleibt“, sagt Hauptgesellschafter Lothar Sigl. Die Konkurrenz ist bereits aufmerksam geworden. Mittlerweile soll O’Connor, der nach eigener Aussage gerne in Augsburg bleiben möchte, Angebote von fünf anderen DEL-Clubs vorliegen haben. Das größte Interesse scheint der derzeitige Tabellendritte Ingolstadt zu haben, der mächtig um die Gunst des Kapitäns des bayerischen Rivalen buhlt. Der Spielertyp O’Connor ist wieder gefragt in der DEL.

Trendumkehr in der DEL

Lange Zeit hat die Liga mit einer ständig strenger werdenden Regelauslegung und härteren Strafen dafür gesorgt, dass die Partien der deutschen Eliteklasse im Laufe der letzten zehn Jahren immer blutleerer geworden sind. Für die sogenannten Charakterspieler war immer weniger Platz. Inzwischen ist die DEL von diesem Pfad abgewichen, hat beispielsweise die Regelung für Spielsperren nach Spieldauerstrafen gelockert und sich auf eine mildere Auslegung bei Auseinandersetzungen geeinigt, die sich nunmehr fast gänzlich durchgesetzt hat.

Es scheint, als hätten die Oberen gemerkt, dass den Eishockeyspielen in der DEL etwas verloren gegangen war, was diese Sportart in ihrer Geschichte immer ausgezeichnet hat. Denn neben der Dynamik und spielerischer Leckerbissen war die emotionale Seite mit leidenschaftlichen Begegnungen stets wichtiger Bestandteil des Gesamtbildes. Nicht von ungefähr protestierten noch vor zwei Jahren Fangruppen verschiedener Clubs gegen die "weichgespülte" Liga.

Spieler wie O‘Connor beleben die Liga. Nicht nur, dass sie auf dem Eis für Feuer und Emotionen sorgen, auch dass sie für die Fans als Identifikationsfiguren taugen, macht sie so wertvoll. Statt ihre Kader viel zu häufig mit Profis aus der grauen Einheitsmasse zu füllen, tun die DEL-Clubs gut daran, in Zukunft vermehrt wieder auf Spielertypen à la Sean O’Connor zu setzen. Die Fans werden es ihnen sicherlich danken.

Daniel Pietzker

sportal.de / sportal

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