Eisschnelllauf Friesinger glänzt - Schock für Anschütz-Thoms

Eine Woche vor der Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft hat Anni Friesinger beim Weltcup-Finale ein Ausrufezeichen gesetzt und ihrer Konkurrenz einen herben Dämpfer erteilt. Dagegen hat eine andere deutsche Sprinterin nach ihrem Rennen für eine Schrecksekunde gesorgt.

Anni Friesinger weckte goldene WM- Hoffnungen, Daniela Anschütz-Thoms feierte ein glänzendes Comeback: Die deutschen Eisschnellläuferinnen befinden sich eine Woche vor dem Saison-Höhepunkt im kanadischen Richmond in Top-Form. Anni Friesinger sprintete beim Weltcup-Finale auf dem "Blitz-Eis" von Salt Lake City in Saison-Weltbestzeit von 1:13,86 Minuten als einzige Athletin über 1000 Meter unter die 1:14-Schallmauer und versetzte ihren Rivalinnen für die WM-Konkurrenz mit ihrem 59. Weltcupsieg einen Dämpfer. Glanzpunkt des ersten Tages war aber der 1500-Meter-Weltrekord durch den Amerikaner Shani Davis in 1:41,80 Minuten.

Das ursprünglich für Samstag angepeilte 60. Sieg-Jubiläum verschob Anni Friesinger aber auf die kommende Saison. Sie wird über 1500 Meter nicht starten. "Ich freue mich riesig über den Sieg. Schön, dass es mit einer 1:13-Zeit geklappt hat. Aber ich habe gemerkt, wie sich bei dem schnellen Eis die Belastung des operierten Knies erhöht", erklärte die Inzellerin, die schon beim Training über Reizungen geklagt hatte. Für die Wiederholung ihres WM-Doppels über 1000 und 1500 Meter möchte die 32 Jahre alte Bayerin nun kein Risiko eingehen. "Mit der Team-Verfolgung habe ich in Richmond drei schwere WM-Rennen. Da will ich auf Nummer sicher gehen", sagte die 15-malige Weltmeisterin, die ihren deutschen Rekord bei ihrem vierten Saisonsieg im Weltcup nur um 0,37 Sekunden verfehlte.

"Sie ist sehr schnell angegangen und hat mit der starken letzten Runde beeindruckt. Ein tolles Rennen", lobte Teamchef Helge Jasch. Den mit 14 000 Dollar dotierten Gesamt-Weltcup musste Friesinger als Achte des Klassements aber der Kanadierin Christine Nesbitt überlassen, weil sie wegen ihrer Knie-Operation im Juni 2008 die ersten sechs Rennen dieses Winters verpasst hatte.

"Ich habe keine Luft mehr bekommen"

Eine Schrecksekunde ging durch das deutsche Team, als Daniela Anschütz-Thoms nach ihrem hervorragenden zweiten Platz über 3000 Meter auf der Auslauf-Runde plötzlich einen Zusammenbruch erlitt. "Ich habe keine Luft mehr bekommen, aber es ging mir schnell wieder besser", meinte die 34 Jahre alte Thüringerin, nachdem sie in 3:59,88 Minuten zum zweiten Mal in ihrer Karriere unter vier Minuten geblieben war. Damit musste sie nur der zum dritten Mal hintereinander den Cup holenden Tschechin Martina Sablikova (3:58,62) den Vortritt lassen und kam auch in der Gesamtwertung auf den zweiten Platz.

Nach über vier Wochen Wettkampfpause wegen eines Virus-Infekts gelang Anschütz eine eindruckvolle Rückkehr in der Weltspitze. "Platz zwei ist super. Ich wusste ja gar nicht, wo ich stehe", sagte die Team-Olympiasiegerin. Zum fünften Mal gelang ihr in dieser Saison ein zweiter Rang, auf den ersten Einzelsieg im Weltcup muss die Erfurterin weiter warten.

Lehmann stürzt

In Stephanie Beckert und Monique Angermüller beeindruckten auch zwei junge Damen aus der deutschen Mannschaft und meldeten Ansprüche auf den durch Claudia Pechsteins Absage frei gewordenen Platz im Team-Rennen an. Die Erfurterin Beckert verbesserte in 4:00,91 Minuten als Vierte über 3000 Meter bei ihrer Salt-Lake-Premiere ihre Bestzeit um fast sieben Sekunden, Monique Angermüller drückte in 1:14,57 Minuten ihre 1500-Meter-Bestleistung um 1,80 Sekunden und wurde Fünfte. "Ich bin unheimlich glücklich, dass es mir gelungen ist, den vier Minuten näher zu kommen", meinte die erst 20 Jahre alte Stephanie Beckert.

Eine Enttäuschung gab es für die deutschen Herren. Der Erfurter Robert Lehmann war über 1500 Meter auf Kurs zum deutschen Rekord, als er in der letzten Innenkurve wegrutschte. Eine vorbeugende Untersuchung im Krankenhaus ergab nur leichte Prellungen. "Ich habe keine Schmerzen mehr", meinte Lehmann am Samstagmorgen. Weltrekordler Davis gewann den Gesamt-Weltcup, über 500 Meter siegte Yu Fengtong in 34,37 Sekunden und holte den Sprint-Cup erstmals nach China.

DPA DPA

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