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Erhöhte Blutwerte: Wissenschaftler stützen Pechstein

Neue Hoffnung für Claudia Pechstein: Führende Hämatologen haben der wegen ihrer erhöhten Blutwerte gesperrten Eisschnellläuferin eine genetisch bedingte Blutanomalie bescheinigt. Doping halten sie für ausgeschlossen. Pechstein reagierte mit Genugtuung.

Renommierte deutsche Hämatologen haben der wegen angeblichen Dopings gesperrten Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein eine vererbte Blutanomalie bescheinigt. Eine milde Form der Kugelzellen-Anämie soll für die erhöhten Retikulozyten-Werte der 38-Jährigen verantwortlich sein, teilte Gerhard Ehninger, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), am Montag in Berlin auf einer Pressekonferenz mit. Pechstein hofft, mit dieser Rückendeckung aus der Wissenschaft erfolgreich gegen ihre zweijährige Sperre vorgehen zu können.

Pechstein: Erster Schritt in die richtige Richtung

Knapp 800.000 Menschen in Deutschland würden Merkmale dieser Anomalie tragen, die auch Sphärozytose genannt wird. Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass auch Pechsteins Vater unter dieser Anomalie leidet und die Athletin die Sphärozytose möglicherweise von ihm geerbt hat, erklärte Oberarzt Andreas Weimann von der Charité in Berlin.

"Ich freue mich sehr über die Initiative", sagte Pechstein nach der Pressekonferenz. "Aber ich weiß auch: Das ist nur ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt sollten sich alle Zweifler meinen Fall noch einmal durch den Kopf gehenlassen und ihre Meinung revidieren".

"Alle Zweifel ausgeräumt"

Im Blut der 38-Jährigen war im Vorfeld der Weltmeisterschaften im norwegischen Hamar der Wert der Retikulozyten am 6. Februar 2009 mit 3,49 Prozent bestimmt worden. Die Internationale Eislaufunion (ISU) gibt für die Vorläuferzellen der Roten Blutkörperchen jedoch einen Wert von 0,4 bis 2,4 Prozent als normal an. Am folgenden Tag lagen die Retikulozyten bei 3,54 und 3,38 Prozent, elf Tage später waren sie hingegen in den normalen Bereich von 1,37 Prozent gefallen. Am 1. Juli 2009 wurde Pechstein von der ISU für zwei Jahre, beginnend mit dem 9. Februar 2009, gesperrt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne bestätigte das von Pechstein angefochtene Urteil am 25. November 2009.

DGHO-Vorsitzender Ehninger sagte in seinem Referat, dass nach diesen Erkenntnissen Pechsteins Sperre aus medizinischer Sicht haltlos sei. Vor dem CAS seien Gutachten in ihr Gegenteil verkehrt oder verfälscht dargestellt worden, kritisierte Ehninger. "Ich vollziehe keine Rolle rückwärts. Wir wissen jetzt, was die Ursachen der erhöhten Retikulozyten sind, Zweifel sind ausgeräumt", bekräftigte Ehninger, der sich im vergangenen Sommer zunächst kritisch zu den erhöhten Werten von Pechstein geäußert hatte.

DPA/SID / DPA
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