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Finanzkrise im deutschen Eishockey: Misswirtschaft gefährdet DEL-Klubs

Nach der hervorragenden Eishockey-WM im eigenen Land herrscht nun Ernüchterung. Viele Eishockey-Klubs stehen nach finanziellen Problemen vor dem Aus. Nun werden gravierende Änderungen gefordert.

Von Daniel Barthold

Noch im Mai befand sich das deutsche Eishockey in einem Freudentaumel. Die DEB-Cracks schlugen bei der Heim-WM die USA vor der Rekordkullisse von 77.803 Zuschauern in Gelsenkirchen und erreichten erstmals seit 1953 das Halbfinale. Vielen Spielern und Eishockeyfans ist zwei Monate später nicht mehr zum Feiern zumute. Grund: das finanzielle Chaos bei den Klubs in der Deutschen Eishockeyliga (DEL). Viele Traditionsvereine bangen um ihre Existenz - darunter der Deutsche Meister aus Hannover. Die Gründe sind unterschiedlich: Misswirtschaft, mangelndes Zuschauerinteresse, Abspringen der Mäzene.

Die Kölner Haie, seit 1973 ununterbrochen in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten, gerieten bereits 2009 in Finanznot. Nur aufgrund eines Entgegenkommens durch die Geschäftsführer der Lanxess Arena, der Heimstätte der Haie, die die Mietkosten herabsetzten, konnten die Domstädter die Lizenzunterlagen fristgerecht einreichen und vorerst die finanzielle Rettung verkünden. Eine verpatzte Saison wie 2009, ohne Playoff-Teilnahme, können sich die Kölner Haie trotzdem nicht mehr leisten. Denn der Verein ist auf höhere Einnahmen angewiesen. In den jüngsten sportlich schwachen Jahren ging es auch wirtschaftlich immer mehr bergab.

Frankfurt am Ende, Hannover vorerst gerettet

Weitaus prekärer ist die Situation bei den Frankfurt Lions, die ein mahnendes Beispiel für die Kölner sind. Der Deutsche Meister von 2004 befindet sich in einem Insolvenzverfahren und ist bereits am Ende. Profi-Eishockey wird es somit in Frankfurt in naher Zukunft nicht mehr geben. Im Eisstadion Bornheimer Hang verabschiedeten sich die Fans kürzlich von den Lions. Dieses Szenario drohte auch in Hannover. Der amtierende Deutsche Meister Hannover Scorpions bangte um die DEL-Lizenz, da Besitzer Günter Papenburg jegliche finanzielle Unterstützung eingestellt hatte. Am Mittwochmorgen gab Papenburg bekannt, dass die Scorpions ihre Lizenz nicht abgeben werden und auch in der kommenden Saison in der DEL spielen. Offenbar ist es ihm gelungen, Stadt und Land Niedersachsen bei der Finanzierung der TUI Arena mit ins Boot zu holen.

Die Nachricht aus Hannover ist auch für die Ligaverantwortlichen ein gutes Zeichen. "Es tut gut, mal wieder positive Schlagzeilen zu lesen. Wir haben die Situation in Hannover von Anfang an nicht so dramatisch gesehen. Die Scorpions sind dort leider zum Spielball wirtschaftlicher und politischer Interessen geworden", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke dem Sportinformationsdienst (SID). Ganz aus dem Schneider sind die Scorpions dennoch nicht, denn der Deutsche Meister hat Schulden in Höhe von zwei Millionen Euro, die getilgt werden müssen.

Das ist nicht ganz einfach, denn die Situation in Hannover ist anders als in Berlin, Hamburg, Köln oder Mannheim. Dort haben die DEL-Klubs eine treue Fanschar und einen guten Zuschauerschnitt. In der niedersächsischen Landeshauptstadt drücken viele Eishockeyfans jedoch den Hannover Indians die Daumen, dem Traditionsklub aus der Zweiten Bundesliga. Somit können die Scorpions nicht damit rechnen, dass es trotz Meistertitel zu einem Zuschauerboom kommen wird. Die treueren Fans sieht man im Eisstadion am Pferdeturm – dort spielen die Indians.

Vorbild NHL

Die Schieflage bei den DEL-Klubs, bei denen die Adler Mannheim, unterstützt von SAP, eine der positiven Ausnahmen sind, erfordert ein Umdenken im deutschen Eishockey. In der größten und profitabelsten Eishockeyliga der Welt, der nordamerikanischen National Hockey League (NHL), wird mit der sogenannten Gehaltsobergrenze ("Salary Cap") versucht, finanzielle Lücken zwischen den Klubs zu schließen. Jeder Verein darf, unabhängig von seinem Finanzvolumen, nur eine bestimmte Summe in Spielergehälter investieren.

Es gibt Verantwortliche, die eine solche Lösung auch für Deutschland vorschlagen - allerdings kommen sie eher aus kleineren Clubs. Wolfgang Brück, Chef des DEL-Klubs Iserlohn Roosters: "Nur mit der Einführung einer Gehaltsobergrenze können wir die Liga grundsätzlich auf finanziell gesunde Füße stellen."

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