HOME

French Open: Nadal bleibt Federers französischer Alptraum

Der Spanier Rafael Nadal hat zum dritten Mal in Folge die French Open gewonnen. Mit 6:3, 4:6, 6:3 und 6:4 entschied er das Endspiel gegen den Weltranglisten-Ersten Roger Federer für sich - und hat so dessen großen Traum zerstört.

Rafael Nadal hat Roger Federers großen Traum vom ersten French-Open-Sieg erneut zerstört: In einer Neuauflage des Vorjahresendspiels bezwang der wie entfesselt aufspielende Linkshänder aus Mallorca den Weltranglisten-Ersten aus der Schweiz mit 6:3, 4:6, 6:3, 6:4 und untermauerte mit seinem dritten Triumph in Serie in Roland Garros seine Ausnahmestellung auf Sand. Der 25 Jahre alte Federer muss dagegen weiter auf den einzigen noch fehlenden Grand-Slam-Titel in seiner imposanten Trophäensammlung warten. Dem vier Jahre jüngeren Nadal gelang als erstem Tennisprofi seit Björn Borg vor 27 Jahren der Titel-Hattrick beim wichtigsten Sandplatz-Turnier der Welt. Bei den Damen schaffte Justine Henin ebenfalls diesen Coup.

Nadal glücklich, Federer enttäuscht

"Ich bin ein bisschen traurig darüber, wie ich gespielt habe", sagte Federer. "Ich habe nicht das geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Aber das war sicher nicht meine letzte Teilnahme hier, ich werde es nächstes Jahr wieder versuchen." Diesmal war ihm erneut nur die Rolle des Beobachters geblieben, als Nadal aus den Händen des dreimaligen French-Open-Champions Gustavo Kuerten den silbernen "Coupe des Mousquetaires" in Empfang nahm. "Das ist ein wahrer Traum, der in Erfüllung gegangen ist", sagte Nadal sichtlich bewegt und hat Mitleid mit dem erneut unterlegenen Federer geäußert.

"Die Geschichte erwartet sie. Roger Federer und Rafael Nadal spielen heute mehr als ein Finale", hatte die französische Sportzeitung "L'Équipe" auf einer Doppelseite getitelt. Seit Freitagabend stand das von allen Fans vom ersten Aufschlag an erwartete und erhoffte ultimative Gipfeltreffen fest. Zum ersten Mal seit 1969, als sich die beiden Australier Rod Laver und Ken Rosewall im Finale duellierten, kam es zu einer Neuauflage des Vorjahres-Endspiels auf der roten Asche von Roland Garros.

Nadal wuchs über sich hinaus

Und als die digitale Uhr auf der Anzeigentafel des restlos gefüllten Court Philippe Chatrier auf 15.10 Uhr umsprang und Federer seinen ersten Aufschlag servierte, waren all die Vorreden, Statistiken und Wetteinsätze nur noch Beiwerk für den Showdown der besten beiden Tennisprofis der Welt. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad am heißesten Tag des Turniers gönnten sich die beiden Rivalen genau drei Spiele zum Aufwärmen, ehe das Spektakel seinen Lauf nahm.

Mit "Roger, Roger"-Rufen feuerten die Zuschauer den seit 175 Wochen in der Weltrangliste führenden Federer an. Doch wieder einmal wuchs Nadal, auf seinem Lieblingsbelag über sich hinaus. Allein im ersten Satz wehrte er zehn Breakbälle des zehnmaligen Grand-Slam-Siegers ab. Auch die kurze Schwächephase im zweiten Satz steckte der "König der Sandplätze" weg.

Eine Million Euro Preisgeld

Federer, der vor drei Wochen im Finale am Hamburger Rothenbaum erstmals auf Sand gegen Nadal gewonnen hatte, machte dem Spanier das Leben zwar so schwer wie möglich, konnte aber auch im weiteren Verlauf insgesamt 16 Breakchancen nicht nutzen. Nach 3:10 Stunden stand der Triumph des Mallorquiners fest, der seine French-Open-Bilanz auf 21:0 und die persönliche Bilanz gegen Federer auf 8:4 Siege ausbaute. Zudem kassierte Nadal eine Million Euro Preisgeld für seine Zwei-Wochen-Schicht.

Henin schreibt Tennis-Geschichte

Auch Henin hatte am Tag zuvor Tennis-Geschichte geschrieben, als sie die 19 Jahre alte Ana Ivanovic im Eiltempo ihres deutschen Vorbildes Steffi Graf in nur 65 Minuten mit 6:1, 6:2 deklassiert und ihren vierten French-Open-Titel nach 2003, 2005 und 2006 gefeiert hatte. Nur die Amerikanerin Chris Evert (7), Steffi Graf (6) und die Australierin Margaret Court (5) haben in Paris öfter triumphiert als die Belgierin. "Sie ist der Federer auf der Damen-Tour", sagte die zweimalige French-Open-Siegerin Martina Navratilova über Henin.

Doch im Moment des Triumphes bei ihrem Lieblingsturnier dachte diese nicht an Rekorde, Superlative oder persönliche Bestmarken. Bei der Siegerehrung blickte die Weltranglisten-Erste kurz zum Himmel und sagte: "Mein letzter Dank geht schließlich nach da oben. Ich denke an dich. Du bist in meinem Herzen. Danke, dass du auf mich aufpasst." Wie bereits bei ihrem Sieg 2003 widmete Henin den Erfolg ihrer 1994 gestorbenen Mutter Francoise. Ihr hatte sie bei einem Besuch des Turniers als Elfjährige versprochen, dort auch einmal zu gewinnen.

DPA / DPA

Wissenscommunity