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Fußball-Skandal: Italiener begnadigen sich selbst

Das römische Berufungsgericht hat im Fußball-Skandal extrem milde geurteilt. Nun dürfen Lazio Rom und der AC Florenz doch weiter in der 1. Liga spielen, der AC Mailand kann an der Qualifikation zur Champions League teilnehmen.

Dagegen muss Juve wie in erster Instanz entschieden in der nächsten Saison in die 2. Liga, bekommt aber lediglich 17 statt 30 Minuspunkte. Außerdem werden Juve die Meistertitel 2005 und 2006 aberkannt. Dies gab der Vorsitzende Richter Piero Sandulli am Dienstagabend in Rom bekannt.

Allerdings müssen auch Florenz und Lazio mit Strafpunkten in die Serie A starten, Florenz erhält 19 Minuspunkte, Lazio 11. Mailand werden in der Saison 2006/2007 nur noch 8 Punkte abgezogen.

Ausverkauf der Stars

Unklar ist aber, ob die Prozess-Welle damit endgültig zu Ende ist. Einige Vereine hatten gedroht, vor Zivilgerichte zu ziehen. In Rom heißt es, das zuständige Verwaltungsgericht hält sich vorsorglich im Ferienmonat August Termine frei. Hinzu kommen allerdings noch weitere Unbill: Auch die staatlichen Fahnder sind der "Fußball-Mafia" auf der Spur, offizielle Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind schon eingeleitet. Vom wirtschaftlichen Debakel vor allem für Juve und dem "Ausverkauf" der Stars beim Rekordmeister gar nicht zu reden.

Das Urteil in erster Instanz war wesentlich härter: Bei 30 Minuspunkten für den Rekordmeister wäre ein rascher Wiederaufstieg in die oberste Spielklasse höchst unwahrscheinlich geworden. Der AC Mailand hätte mit 15, Florenz mit 12 und Lazio in der Zweiten Liga mit 7 Minuspunkten in die neue Saison starten sollen. Außerdem war für Milan durch 44 Strafpunkte für die vergangenen Saison die Teilnahme an der Champions League verwehrt.

Berlusconi witterte Kampagne

Bei dem Prozess ging es um die schlimmsten Spiel-Manipulationen, die jemals in der Fußball-Welt ans Licht der Öffentlichkeit kamen. Von "mafia-ähnlichen Strukturen" ist die Rede, von systematischer Schiebung unter Beteiligung von Schiedsrichtern und Funktionären. Im Mittelpunkt des Spinnennetzes saß den Ermittlungen zufolge "Big Luciano", Ex-Juve-Manager und Drahtzieher Luciano Moggi, der weiterhin mit einem fünfjährigen Berufsverbot bestraft wurde. Selbst die Mehrheit der Tifosi verlangt hartes Durchgreifen: "Wer so etwas tut, muss dafür bezahlen", meinte ein Lazio-Fan in Rom.

Nur die Beschuldigten sahen das anders. "Wie waren Opfer des Systems", monierten die Anwälte von Florenz und Mailand. "Nichts ist bewiesen", behaupteten Juve-Anwälte. AC-Mailand-Präsident und Ex- Ministerpräsident Silvio Berlusconi witterte eine sinistre Kampagne gegen ihn und seinen Club. Dabei hatte die Anklagebehörde zuvor noch viel mehr Härte gefordert - für "Juve" gar den Abstieg "in die Serie C oder in eine noch tiefere Liga". Dazu ist es nun nicht gekommen.

DPA / DPA

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