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GEBURTSTAG: »Ich bin der Größte. Ich bin der Schönste.«

Muhammad Ali feiert seinen 60. Geburtstag. Der von der Parkinson'schen Krankheit schwer gezeichnete Boxer, gilt als der bekannteste Mensch auf diesem Planeten.

Zwei Jahrzehnte nach dem letzten Gong- Schlag seiner unvergleichlichen Karriere als Boxer ist er weltweit für viele immer noch »der Größte«. Auch, weil er sich in seinem letzten, aussichtslosen Kampf von einem übermächtigen Rivalen nicht bezwingen lassen will. Muhammad Ali wird 60. Der von der Parkinson'schen Krankheit schwer gezeichnete Boxer, gilt als der bekannteste Mensch auf diesem Planeten. Den Ruhm hat sich der einstige Weltmeister aller Klassen nicht nur mit überragenden sportlichen Fähigkeiten erworben. Seine starke Persönlichkeit, sein Engagement gegen Rassismus und Krieg, aber auch unzählige Verbalattacken, die ihn zum »Großmaul« stempelten, haben Ali zu einer der schillerndsten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrtausends werden lassen.

Gratulation von Schmeling

»Zu deiner Karriere möchte ich dir noch einmal meine höchste Anerkennung aussprechen«, schrieb Deutschlands Box-Ikone Max Schmeling in seinem Glückwunsch-Telegramm an seinen Freund, dessen erste Sternstunde er bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom erlebt hatte. Dort erkämpfte der am 17. Januar 1942 in Louisville/Kentucky als Cassius Marcellus Clay geborene Ali die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Als Profi perfektionierte er unter der Regie von Trainer Angelo Dundee seinen einzigartigen Stil: Nahezu ohne Deckung boxend, tänzelte er leichtfüßig seine Gegner aus - und ließ diese Luftlöcher schlagen. »Ich schwebe wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene«, beschrieb die Galionsfigur seine für einen Schwergewichtler atemberaubend grazile Kampfführung.

»Ich bin der Größte. Ich bin der Schönste.«

Den ersten WM-Titel erboxter er sich 1964, als er den bis dahin für unbezwingbar geltenden Sonny Liston zur Aufgabe zwang. Mit diesem Kampf machte es sich Ali zu eigen, seine Gegner mit maßlosen Tiraden zu demütigen und das eigene Ego bis zum Größenwahn zur Schau zu stellen: »Ich bin der Größte. Ich bin der Schönste.« Auch der zweite Vergleich mit Liston, den er schon nach 108 Sekunden mit einem Blitz- K.o. beendete, sowie die drei Duelle mit Joe Frazier, von denen er zwei gewann, trugen zum Ruhm des Jahrtausend-Boxers bei. Beinahe unsterblich wurde Ali jedoch mit de »Rumble in the Jungle« genannten Duell gegen George Foreman in Zaire. Den »Thrilla in Manila« 1975 gegen Frazier bezeichnet er selbst als seinen größten Fight. »Joe Frazier, würde ich mal sagen, ist der größte Boxer nach mir«, erklärte Ali gänzlich unbescheiden.

Politische Bekenntnisse

Mit seinem Bekenntnis zum Islam und dem Eintritt in die als politisch radikal eingestufte Gruppierung der »Black Muslims« hatte Ali seinen - wie er meinte - »Sklavennamen« Clay abgelegt und die amerikanische Öffentlichkeit geschockt. Hass aus dem reaktionären Lager schlug ihm entgegen, als er 1967 den Vietnam-Krieg öffentlich ablehnte und den Kriegsdienst verweigerte. Ali bewies mit dieser Haltung, dass ihm nicht allein Ruhm im Boxring wichtig war. Sein politisches Bekenntnis brachte ihm die Aberkennung des WM-Gürtels, den Entzug der Box-Lizenz für dreieinhalb Jahre und eine fünfjährige Haftstrafe ein, die er aber nicht verbüßen musste. Obwohl er nach seiner Sperre erneut zwei Mal den WM-Titel erkämpfte, erreichte er nie wieder die Eleganz und Leichtfüßigkeit früherer Profi-Jahre.

»Gott steht nicht hinter Mördern«

In der Rolle des politischen Botschafters gefiel sich Ali zusehends. 1980 reiste er im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter nach Afrika, um für den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau zu werben. Bei Iraks Diktator Saddam Hussein konnte er 1991 während der Golf-Krise die Freilassung von 15 Landsleuten erwirken; 1996 begleitete er einen Transport medizinischer Güter nach Kuba, wo er sich mit Staatschef Fidel Castro traf. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center im vergangenen Jahr verkündete Ali: »Ich kann nicht dasitzen und die Welt denken lassen, dass der Islam eine Religion des Tötens ist. Wenn die Täter Moslems sind, haben sie die Lehre des Islams vergewaltigt. Gott steht nicht hinter Mördern.«

Schüttel- und Zitterlähmung

Ob die Erkrankung am Parkinson-Syndrom Folge des Faustkampfes ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. Schüttel- und Zitterlähmung sowie Körperstarre überfallen die auf einer wunderschönen Farm in Berrien Springs im US-Bundesstaat Michigan lebende Legende und lassen sie Mitleid erregend hilflos wirken. In das Gedächtnis von Milliarden Zuschauern hat sich die Entzündung des Olympischen Feuers 1996 in Atlanta durch den sichtlich mit der Krankheit ringenden populärsten Schwergewichts-Titelträger aller Zeiten gegraben.

»Ich betrachte dies als einen Test Gottes«, meinte der neunfache Vater, der zum vierten Mal verheiratet ist. »Ich war mal so groß und so stark. Nun ist es die Parkinson-Krankheit. Und der Geist ist auch nicht mehr das, was er einmal war.« Doch Ali will nicht lamentieren. »Du wirst eines Tages sterben. Also sei bereit, um in den Himmel zu gehen und um ewig glücklich zu leben«, lautet sein Credo. Und selbst beschreibt er sich mit den Worten: »Er nahm ein paar Tassen voller Liebe, einen Teelöffel Geduld, einen Teelöffel Großmut, ein bisschen Freundlichkeit, vermischte alles, rührte es gut um und servierte es jeder Person, die es verdient hatte, und die er traf. Amen«.

Von Franko Koitzsch und Gunnar Meinhardt (dpa)

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