HOME

Golf: Erkenntnisse nach der PGA Championship

Keegan Bradley hat bei der PGA Championship den letzten Majortitel der Saison eingeheimst. Er beendete damit eine lange Durststrecke der Amerikaner und ließ eine ganze Nation aufatmen.

Keegan Bradley hat mit seinem Sieg bei der PGA Championship die Ehre der Amerikaner gerettet. Welche Erkenntnisse das letzte Majorturnier der Saison noch gebracht hat, fassen wir für Sie kurz zusammen.

Die US-Ehre ist gerettet
Als Phil Mickelson 2010 das US Masters gewann, hätte wohl niemand erwartet, dass damit die längste Durststrecke der Amerikaner in der Geschichte des modernen Golfsports eingeläutet wurde. Louis Oosthuizen, Graeme McDowell, Martin Kaymer, Charl Schwartzel, Rory McIlroy und Darren Clarke hießen die nächsten sechs Majorsieger. Sie alle sind Mitglieder der European Tour und keine Amerikaner - so etwas hatte es seit Bestand der vier Majorturniere im Jahr 1934 noch nicht gegeben.

Die Misserfolge nagten gewaltig am Selbstwertgefühl der Golfnation USA, zumal in den letzten Jahren auch die Dominanz im Ryder Cup verloren gegangen war und mit Lee Westwood, Martin Kaymer sowie aktuell Luke Donald drei Europäer zuletzt die Top-Position in der Weltrangliste bekleideten. All das ist mit dem Sieg von Keegan Bradley Geschichte.

Die USA haben keine Nachwuchssorgen
Dass mit Keegan Bradley ein relativ unbeschriebenes Blatt die Ehre der US-Golfer wieder herstellte, ist kein Zufall, denn mit Tiger Woods und Phil Mickelson durchleben die beiden Aushängeschilder der letzten 15 Jahre eine Schwächephase. Gleichzeitig ist es auch Beleg dafür, dass in den USA kein Mangel an guten Golfern herrscht. Wie Bradley gewannen auch Scott Stallings, Chris Kirk und Brendan Steele in ihrer ersten Saison gleich ein Turnier auf der US Tour.

Mit Gary Woodland, Webb Simpson oder Spencer Levin spielten sich in diesem Jahr weitere bis dato nahezu völlig unbekannte Spieler in den Vordergrund. Sie alle sind Mitte Zwanzig und haben glänzende Perspektiven. Das gilt natürlich erst Recht auch für Spieler wie Rickie Fowler, Dustin Johnson, Matt Kuchar, Nick Watney oder Bubba Watson - die USA werden vermutlich nicht wieder so lange auf einen Majorsieg warten müssen.

Bradleys Sieg ist historisch
Keegan Bradley spielt seine erste Saison auf der US PGA Tour. Diese krönte er bereits mit seinem Turniersieg bei der Byron Nelson Championship Ende Mai. Ein Titel in der Rookie-Saison ist immer etwas ganz Besonderes. Nun legte er noch einen drauf und gewann bei seiner ersten Major-Teilnahme gleich das Turnier. Das hatten vor ihm lediglich Francis Ouimet 1913 bei der US Open und Ben Curtis 2003 bei der British Open geschafft.

Keegan Bradley ist übrigens nicht der erste Majorsieger in seiner Familie. Bisher war er vor allem als Neffe seiner berühmten Tante Pat Bradley bekannt. Die wiederum war in der Vergangenheit eine der erfolgreichsten Spielerinnen der LPGA Tour gewesen, der Profi-Damentour in den USA. Pat Bradley gewann zwischen 1976 und 1995 insgesamt 31 Turniere, darunter sechs Majors. Aus diesem Schatten ist Keegan nun zumindest schon mal hervorgetreten.

Es geht auch ohne große Namen
Die PGA Championship war Werbung für den Golfsport. Der schwere Platz im Atlanta Athletic Club war selektiv und sorgte für viel Bewegung auf dem Leaderboard. Mit einer gelungenen Runde konnte man sich von weit hinten in die Spitzengruppe spielen, andersherum reichte ein Moment der Unachtsamkeit, um viele Plätze zu verlieren. All das verdichtete sich auf der Schlussrunde zu einem dramatischen Finale, in dem die Großen der Zunft durch Abwesenheit glänzten.

Martin Kaymer und Tiger Woods hatten den Cut ebenso verpasst wie Graeme McDowell, Louis Oosthuizen, Dustin Johnson, Ernie Els oder auch Jason Day. Rory McIlroy, Phil Mickelson, Lee Westwood oder Luke Donald spielten zum Teil gut mit, ohne aber in Reichweite der Siegertrophäe zu kommen.

Stattdessen bestimmten Keegan Bradley, Jason Dufner, Anders Hansen, Robert Karlsson oder Scott Verplank das Geschehen und sorgten für tolle Unterhaltung. Als Bradley an der 15 einen Triple-Bogey hinnehmen musste, lag er plötzlich fünf Schläge hinter Dufner. Der wiederum fing sich auf den unglaublich schweren vier Schlusslöchern noch drei Bogeys ein, während Bradley für sein aggressives Spiel mit zwei Birdies belohnt wurde. Das folgende Stechen war eine Zugabe, die dieses packende Turnier schon nicht mehr nötig gehabt hätte.

Auch ein Tiger Woods muss üben
Vor dem Turnier sagte Tiger Woods, dass er noch viel Zeit auf der Range und mehr Wettkampfpraxis benötige, um seine Schwungprobleme in den Griff zu bekommen. Dass sich dieser Eindruck so deutlich bestätigen sollte, überraschte ihn selbst. "Dass ich den Cut verpasst habe, war ein Rückschritt. Aber es ist ein Fortschritt, dass ich zwei Wochen hintereinander ohne gesundheitliche Probleme spielen konnte", analysierte er bei espn.com.

Und doch war sein Auftritt ernüchternd. Zehn Schläge über Par, der dritte verpasste Major-Cut seiner Karriere und der siebte in 260 Profistarts auf der Tour hatten die Defizite gnadenlos aufgezeigt. Er schlägt den Ball zwar weiter als jemals zuvor, das Fairway trifft er aber nur selten. "Ich glaube, ich war an zwei Tagen 20 mal im Bunker und habe vier oder fünf Bälle ins Wasser geschlagen", klagte Woods bei espn.com.

Für das letzte Turnier vor dem FedEx-Cup-Finale, das Wyndham Classic, hat die ehemalige Nummer eins nicht gemeldet, die Playoffs werden daher ohne ihn stattfinden. Auch für die so genannte Fall Series, die vier Turniere am Ende der Saison, hat er keine Meldung abgegeben. Bestätigt ist bisher nur seine Teilnahme beim Australian Masters im November. Viel Zeit zum Üben ist ihm also sicher, doch die Frage, wann und wo er sich die nötige Wettkampfpraxis holen möchte, ist offener denn je. Er selbst gab darauf bisher keine Antwort.

Bei Kaymer kommt Frust auf
Die Mission Titelverteidigung war für Martin Kaymer schon nach zwei Runden beendet. Der Trend der letzten Wochen setzte sich fort und der sonst so ruhige und gelassene Kaymer machte aus seinem Frust kein Geheimnis. "Als Titelverteidiger am Cut zu scheitern, tut natürlich weh. Es war wie verhext. Es ist nur bitter, da es das letzte wirklich wichtige Turnier in diesem Jahr ist, aber nichts für mich zusammenging", sagte er.

Gescheitert ist er vor allem auf den Grüns, auf denen er kaum einen Putt eingelocht bekam. Seine Schwungumstellung wirkte sich dagegen nicht negativ aus. Doch auch das ist ein Sinnbild für die letzten Wochen. Kaymer hat nicht ein spezifisches Problem, er bekommt jedoch nicht alle Bestandteile seines Spiels dauerhaft zusammen gesetzt. Vielleicht hilft ihm die nun folgende Pause, die er sehnsüchtig erwartet.

"Ich bin froh, dass ich nun meinen lange geplanten Urlaub antreten kann, um Kraft für das zweite Halbjahr 2011 zu tanken", erklärte Kaymer. Der 26-Jährige wird erst Anfang September wieder beim European Masters in der Schweiz abschlagen.

Lars Ahrens

sportal.de / sportal

Wissenscommunity