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Handball-WM: DHB-Team triumphiert über Frankreich

Das war nichts für schwache Nerven: Durch einen sensationellen Sieg gegen Topfavorit Frankreich ist das deutsche Team vorzeitig ins Viertelfinale eingezogen. Torwart Henning Fritz trieb die Franzosen mit seinen Paraden zur Verzweiflung.

Die deutschen Handballer haben den hoch gehandelten Europameister Frankreich niedergerungen und sich mit dem vorzeitigen Einzug ins Viertelfinale zum WM-Mitfavoriten gemausert. Dank einer bravourösen Abwehrleistung mit einem überragenden Torwart Henning Fritz als Rückhalt erkämpfte sich der Gastgeber am Samstag in Dortmund ein 29:26 (14:9) gegen Frankreich und verwandelte die Westfalenhalle in ein Tollhaus. Die 12.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena bejubelten vor allem den großartig aufspielenden Michael Kraus (Göppingen) als besten deutschen Werfer mit sieben Treffern. In der dramatischen Schlussphase hielt Fritz mit zwei gehaltenen Siebenmetern den Erfolg fest.

"Sensationell, wie die Mannschaft gespielt und vor allem in der Schlussphase alle Rückschläge weggesteckt hat", lobte Bundestrainer Heiner Brand überschwänglich seine Spieler. "Das erste Ziel ist jetzt erreicht. Jetzt können wir weitersehen." Rechtsaußen Florian Kehrmann war einfach nur froh. "Es ist egal, ob die Europameister sind. Wir haben Frankreich geschlagen. Das war wichtig, um ins Viertelfinale zu kommen", meinte der Lemgoer. "Wir wären sonst Gefahr gelaufen, gegen Island gewinnen zu müssen."

Roggisch stand wie eine Mauer

Den Weg zum 34. Sieg gegen die "Grande Nation" ebnete der EM-Fünfte erneut in der Deckung, wo der Magdeburger Oliver Roggisch trotz einer Blockade in der Lendenwirbelsäule wie für zwei ackerte. Dagegen konnte wiederum Andrej Klimowets (Kronau/Östringen) nicht helfen. Der Kreisläufer hatte sich zwar trotz seiner Wadenverletzung warm gemacht, kam aber nicht ins Spiel.

Den leidenschaftlichen Kraftakt des deutschen Teams konnte nicht einmal der frühe Ausfall von Markus Baur (Lemgo) die deutsche Mannschaft stoppen. Der Kapitän musste schon nach vier Minuten mit Verdacht auf eine Wadenzerrung ausgewechselt werden. Für ihn sprang der erst 23-jährige Göppinger Michael Kraus in die Bresche und glänzte mit Anspielen sowie als Torschütze. "Das brauchten wir. Das war sensationell von Michael", meinte Brand.

Frenetische Unterstützung durch die Fans

Bereits während des Aufwärmens wurde die deutsche Mannschaft in der Halle frenetisch bejubelt, nachdem es den Spielern noch zwei Tage zuvor beim 35:28-Erfolg über Tunesien zu leise in der Westfalenhalle gewesen ist. In der Gänsehaut-Atmosphäre musste sogar Ex- Nationalspieler Stefan Kretzschmar (Magdeburg) als Co-Kommentator der ARD im Fernsehstudio tief durchatmen. Auch der Bundestrainer zollte dem Publikum ein Riesenlob. "Was bei dieser WM stattfindet, davon kann man nur träumen", sagte Brand.

Derart von den Zuschauern angetrieben, bot die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) eine Leistung wie aus einem Guss. Während hinten die aggressive und schnellfüßige Abwehr die Franzosen nicht zur Entfaltung kommen ließ, bewiesen die Gastgeber im Angriff Geduld und Kaltschnäutzigkeit bei der Chancenverwertung. Zudem entschied Torhüter Henning Fritz das Duell mit seinem Kieler Club- Kontrahenten Thierry Omeyer, der in der zweiten Halbzeit zwischenzeitlich von Daouda Karaboue abgelöst wurde.

Konzentrationsschwäche zum Schluss

So setzte sich die deutsche Mannschaft nach dem 4:4 (9.) mit vier Treffern hintereinander auf 8:4 (17.) ab. Nur fünf Minuten später erhöhte der Lemgoer Florian Kehrmann sogar noch auf 10:5. Diesen Fünf-Tore-Vorsprung verteidigte die DHB-Auswahl bis zum 14:9- Pausenstand. Mit dem gleichen Selbstbewusstsein und Siegeswillen kehrte der Gastgeber zum zweiten Durchgang aufs Parkett zurück und schaffte beim 20:13 (39.) sogar einen Sieben-Tore-Vorsprung.

Doch eine vorübergehende Konzentrationsschwäche kostete den komfortablen Vorteil. Der Magdeburger Joel Abati verkürzte mit vier Toren in Folge auf 23:26 (53.). Beim Stand von 28:26 wehrte Fritz zwei Strafwürfe ab und sorgte für die Entscheidung. "Spiele gegen Frankreich sind immer Schlachten. Aber wir haben diesmal dagegen gehalten", stellte Kehrmann zufrieden fest.

Martin Kloth und Heinz Büse, DPA / DPA

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