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Handball-WM: Kölnarena muss brennen

Mit neuer Energie starten die deutschen Handballer ins "ewige" Viertelfinale gegen Spanien. "Die Halle wird brennen", verspricht Kapitän Markus Baur. Nach dem Traum-Wochenende will die deutsche Mannschaft den Weltmeister bezwingen.

Das "ewige" Viertelfinale gegen Spanien setzt bei den deutschen Handballern neue Energien frei und lässt auf ein weiteres Spektakel mit höchstem Unterhaltungswert hoffen. "Wir sind gut drauf, ein ganzes Volk steht hinter uns, die Halle in Köln wird brennen. Also brauchen wir uns vor niemandem zu fürchten", sagte Kapitän Markus Baur (Lemgo) vor dem ersten K.o.-Spiel der WM. Obwohl dem Team in der mit 19.000 Zuschauern ausverkauften Kölnarena (17.30 Uhr) ein Herkulesakt bevorsteht, herrscht Zuversicht. Inspiriert durch ein traumhaftes Wochenende mit Siegen über Frankreich und Island geht die deutsche Mannschaft couragiert in den Kampf gegen den Weltmeister.

Eine brisantere Partie hätte es zu Beginn der Finalrunde kaum geben können. Zwei Mal schon duellierten sich beide Teams in spektakulären Viertelfinals, zwei Mal stockte den Zuschauern der Atem. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney behielten die Iberer mit 27:26 die Oberhand, vier Jahre später avancierte Torhüter Henning Fritz beim 32:30 des DHB-Teams nach Siebenmeter-Werfen zum umjubelten Matchwinner. Christian Schwarzer, neben Fritz und Baur schon beim Krimi von Sydney dabei, gerät beim Blick zurück ins Schwärmen: "Offenbar will es die Handball-Geschichte so, dass wir immer wieder auf die Spanier treffen. Alle wissen, in diesen Duellen geht es richtig zur Sache."

Harte Paarungen

Eigentlich wäre die Mannschaft von Trainer Heiner Brand dem Titelverteidiger vorerst lieber aus dem Weg gegangen. Doch die berechtigte Hoffnung, dass der zweite Platz in der Hauptrundengruppe I zu einem Spiel gegen einen vermeintlich leichteren Gegner verhilft, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: Gelingt den Deutschen der fünfte WM-Sieg in Serie, wartet im Halbfinale an gleicher Stätte der Sieger aus der Partie zwischen Top-Favorit Kroatien und Europameister Frankreich. Es spricht für die Moral der Mannschaft, dass Kreisläufer Schwarzer dieser Konstellation positive Seiten abgewinnt: "Solche Spiele sind besser als gegen vermeintlich leichte Gegner. Da hätten alle gesagt, okay, damit sind sie schon durch."

Fast scheint es, als forciere die Aussicht auf einen neuerlichen Krimi die Genesung angeschlagener Protagonisten. Spielmacher Baur, der sich am Samstag bei der Gala gegen Frankreich eine Zerrung in der Wade zugezogen hatte, liebäugelt wider Erwarten mit einem Einsatz. "Momentan läuft alles so ab, als ob ich dabei bin", sagte er vor der Abreise aus der Sportschule Kaiserau in das letzte WM-Quartier nach Wiehl bei Köln. Auf Grund der positiven Prognosen beließ Brand den Spielmacher im 16-Kader.

Keine Rückkehr von Oleg Velyky

Endgültig zerschlagen haben sich indes die Hoffnungen auf eine Rückkehr von Oleg Velyky. Ein letzter Belastungstest des angeschlagenen Rückraumspielers aus Kronau/Östringen (Sehnenanriss unter dem Fuß) am Montag wenige Stunden vor Meldeschluss verlief negativ. Stattdessen berief der Bundestrainer Michael Haaß (Kronau/Östringen) in den nun unveränderbaren Kader. Für ihn musste Torhüter Carsten Lichtlein (Lemgo) weichen. "Die Mediziner und ich haben alles versucht, aber das Risiko ist zu groß. Zudem bin ich nicht in der körperlichen Verfassung, in der ich der Mannschaft helfen kann", sagte Velyky.

Schon morgens um 6.45 Uhr begann der Bundestrainer mit der Sichtung von DVD-Material, mit dessen Hilfe er seine Mannschaft am Nachmittag auf den Kampf gegen den Erzrivalen einstimmte. "Es wäre doch seltsam, wenn ich in diesen Tagen gut schlafen könnte", sagte der übermüdete Brand. Dem 50. Aufeinandertreffen beider Teams, gleichzeitig das Duell der beiden stärksten Ligen der Welt, sieht der Bundestrainer mit Vorfreude entgegen: "Wir schwimmen auf einer Welle der Euphorie. Außerdem weiß die Mannschaft jetzt, dass sie auch gegen starke Teams bestehen kann."

In den sehenswerten Spielen gegen Frankreich und Island hat der Gastgeber nicht nur für neues Selbstvertrauen gesorgt, sondern sich auch Respekt in der übrigen Handball-Welt verschafft. Das schlägt sich beim Blick in die spanischen Zeitungen nieder. "Spanien spielt gegen Deutschland und 19 000. Die Selección muss im Viertelfinale mit der hässlichsten Tanzpartnerin vorlieb nehmen", schrieb die spanische Tageszeitung Marca. Nicht minder skeptisch kommentierte "El Mundo": "Spanien muss in der Höhle des Löwen antreten."

Heinz Büse und Martin Kloth/DPA

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