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Turnier im eigenen Land: Das traurige Schicksal der Handball-Helden: Die WM beginnt, zwei bekannte Gesichter fehlen

Am Donnerstag eröffnet die deutsche Nationalmannschaft die WM im eigenen Land. Kai Häfner und Tobias Reichmann sitze dann nur vor dem Fernseher. Der Bundestrainer hat sie aus dem Kader gestrichen – eine bemerkenswerte Entscheidung. "Ich bin enttäuscht, ich bin traurig", sagt Häfner im Gespräch mit dem stern.

Kai Häfner

Die WM im eigenen Land findet ohne Kai Häfner statt. Der EM-Held von 2016 wurde vom Bundestrainer nicht nominiert.

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Der Frust sitzt tief. Sehr tief. Daraus kann und will Kai Häfner keinen Hehl machen. "Ich bin enttäuscht, ich bin traurig", sagt der Rückraumspieler im Gespräch mit dem stern. "Man hat nur einmal im Leben die Chance auf eine WM im eigenen Land." Doch das Turnier, das Deutschland und Dänemark gemeinsam ausrichten, wird am Donnerstag in Berlin ohne Häfner eröffnet. Der 29-Jährige wurde ebenso wenig nominiert wie Tobias Reichmann, den Bundestrainer Christian Prokop im letzten Moment aus dem Kader strich.

Häfner und Reichmann: die Helden der EM 2016

Es sind bemerkenswerte Entscheidungen, die der Coach getroffen hat. Denn er hat sich damit gegen die beiden Spieler entschieden, mit denen der sensationelle EM-Triumph aus dem Jahr 2016 ganz eng verknüpft ist. Häfner war es, der im spektakulären Halbfinale vor drei Jahren in der letzten Sekunde der Nachspielzeit das Siegtor zum 34:33 erzielte; zwei Tage später, im Finale gegen Spanien (24:17), war Häfner der beste deutsche Torschütze. Reichmann wiederum war der erfolgreichste deutsche Werfer gegen Norwegen und gar des gesamten Turniers und wurde anschließend fürs All-Star-Team nominiert.

Doch Prokop legt auf die Dienste der beiden Männer im besten Handballeralter im Moment keinen Wert mehr. Stattdessen steht Youngster Franz Semper im Kader, den Prokop noch aus gemeinsamen Leipziger Zeiten kennt und der ohne Frage ebenfalls seine Qualitäten hat. Und doch sorgt die Personalie für Diskussionen in Handball-Deutschland, zumal Prokop nach der verkorksten EM im Vorjahr – es war sein erstes Turnier als Bundestrainer – ohnehin schon unter Druck steht. "Sie werden mich nicht jammern hören", sagt Häfner, "doch ich gebe auch ehrlich zu, dass ich der Meinung bin, dass ich es verdient gehabt hätte, zum Kader zu gehören." 

Ziel ist das Halbfinale in Hamburg

Der Kapitän der TSV Hannover-Burgdorf wird das Turnier nun jedoch ebenso vor dem Fernseher verfolgen wie sein Kollege aus Melsungen. "Ich drücke den Jungs die Daumen", sagt er, "die Mannschaft hat starke Torhüter, eine stabile Defensive und ist in der Lage, das Halbfinale in Hamburg zu erreichen." An dieser Zielsetzung wird sich Prokop messen lassen müssen. Alles andere wäre eine Enttäuschung.

Für Häfner und Reichmann besteht noch eine kleine Resthoffnung, denn der Trainer darf bis zu drei Spieler im Laufe des Turniers nachnominieren. Häfner kennt sich mit dieser Konstellation bestens aus, er war schon 2016 erst spät zum Team gestoßen, nachdem sich Steffen Weinhold schwer verletzt hatte. Doch zu sehr will er über diese Chance aktuell nicht nachdenken, "da mache ich mich ja nur verrückt". Stattdessen wird er sich auf seinen Verein konzentrieren, der parallel zur WM mit der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde startet. "Wenn dann doch das Telefon klingelt, werde ich bereit sein", sagt Häfner.

"Wer Kai kennt, der weiß, dass er keinem etwas schlechtes wünscht. Aber er wäre sofort da, wenn wir ihn brauchen", hat Prokop bereits im Dezember über Häfner gesagt. Anerkennende Worte formulierte er nun auch über Reichmann. Es sind Sätze, die aktuell kein Trost sind. Denn beide EM-Helden wären sehr gerne am Donnerstag gegen Korea in der Halle gestanden. "Ich muss dennoch versuchen, das ganz schnell abzuhaken. Auch solche Momente gehören zum Sport", sagt Häfner. Und schiebt dann hinterher: "Leider."

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