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Interview: Vitali Klitschko: "Niederlage wäre Desaster gewesen"

Ein Interview mit dem neuen Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko nach dem WM-Fight gegen Corrie Sanders.

Was bedeutet Ihnen dieser Weltmeistertitel?

"Ich habe den wichtigsten Boxtitel der Welt gewonnen, damit gleichzeitig die Familienehre gerettet, mich für die Niederlage meines Bruders gegen Sanders revanchiert und meinen Traum erfüllt. Das ist einfach fantastisch. Und jetzt werden wir auch noch unseren gemeinsamen Traum verwirklichen. Wladimir wird durch meinen Sieg neue Kraft schöpfen, so dass er seinen nächsten Weltmeisterschaftskampf gewinnen wird. Ich hoffe, dass es zum Rematch gegen Lamon Brewster kommt."

Wie sehr zerrte die K.o.-Niederlage Ihres Bruders vor zwei Wochen im WM-Kampf gegen Brewster an Ihren Nerven?

"Der Druck war nach diesem mysteriösen K.o. sehr, sehr groß, denn es stand unheimlich viel auf dem Spiel. Wenn ich auch noch verloren hätte, wäre das für uns ein großes Desaster gewesen."

Erklärt das Ihre extreme Verkrampfung, mit der Sie in den Ring gestiegen sind und den Kampf begonnen hatten?

"Ich denke schon, obwohl es eine Befreiung war, als ich endlich im Ring stand. Ich war unheimlich focussiert. Ich wollte nicht nur einfach siegen, sondern dabei auch die Fans wieder überzeugen. So, wie es mir schon vor zehn Monaten an gleicher Stätte gelungen war, als ich gegen Lennox Lewis eigentlich gewonnen hatte."

Hatten Sie Sanders so stark erwartet?

"Ich habe gewusst, dass er vor allem eine schnelle Linke schlägt, dass er aber so schnell schlägt, war schon ungewöhnlich. Am Anfang lief nicht alles perfekt. Da hat er mir auch ein paar ganz schöne Schläge verpasst. Er hat aber auch einen ungewöhnlichen Kopf. Was er eingesteckt hat, war schon Wahnsinn. So sehr haben mir meine Hände noch nach keinem Kampf wehgetan. Dass ich ihn nicht ausgeknockt habe, ist ein kleiner Schönheitsfleck."

Welcher Kampf war der schwerere: der gegen den inzwischen abgetretenen WBC-Champion Lewis oder der gegen Sanders?

"Der gegen Lewis. Ich habe niemals so viele Punches einstecken müssen, wie gegen Lennox. Das war schon brutal."

Wie soll es sportlich weitergehen?

"Erst einmal möchte ich ein paar Monate ausspannen. Danach hoffe ich dann, dass Lennox Lewis sich als echter Gentleman erweist und zu seinem Wort steht, was er mir nach unserem Kampf vor zehn Monaten versprochen hatte, und mir doch noch ein Rematch gibt. Das wollen Millionen Box-Fans sehen. Seit meinem 15. Lebensjahr träume ich aber auch davon, gegen Mike Tyson zu boxen. Gute Storys wären sicher auch Vereinigungskämpfe gegen Chris Byrd und Brewster."

Das Interview führte Gunnar Meinhardt, DPA / DPA

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