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Luan Krasniqi hört auf: Der Löwe brüllt nicht mehr

Luan Krasniqi hängt die Boxhandschuhe endgültig an den Nagel. Der 40-Jährige hat 30 Profikämpfe gewonnen. Am nachhaltigsten bleiben aber zwei Niederlagen des ehemaligen Europameisters in Erinnerung.

Der Löwe von Rottweil brüllt nicht mehr - jedenfalls nicht im Ring. Luan Krasniqi hängt seine Boxhandschuhe endgültig an den Nagel und will sich künftig als TV-Kommentator und als Talente-Förderer in seinem Metier engagieren. "Ich werde mein Bestes geben, um dem Boxen wieder zu seiner Attraktivität zu verhelfen", heißt es am Donnerstag in einem offenen Brief des 40 Jahre alten Schwergewichtlers auf seiner Website. Krasniqi war sowohl als Amateur als auch als Profi Europameister und holte zudem 1996 in Atlanta eine olympische Bronzemedaille.

Der gebürtige Kosovo-Albaner bestritt zwischen 1997 und 2008 insgesamt 35 Kämpfe, von denen er 30 gewann. Das meiste Aufsehen erregte der eloquente und wortgewandte Boxer, der für den privaten TV-Sender RTL seit geraumer Zeit als Kommentator tätig ist, allerdings mit zwei Niederlagen. Am 100. Geburtstag von Max Schmeling versuchte Krasniqi am 28. September 2005 in Hamburg in die Fußstapfen der deutschen Sportlegende zu treten und den WM-Gürtel in der Königsklasse nach Deutschland zu holen.

"Fantastisch verloren"

Das Vorhaben misslang. Krasniqi verlor gegen den Amerikaner Lamon Brewster im Kampf um den WBO-Titel durch Aufgabe in der neunten Runde, gewann dank seiner offensiven und mutigen Kampfführung aber die Herzen des deutschen Boxpublikums. "Luan Krasniqi hat gekämpft wie ein echter Krieger", lobte Star-Promoter Don King. "Er hat fantastisch verloren", meinte Ex-Weltmeister Dariusz Michalczewski.

Drei Jahre zuvor hatte Krasniqi Hohn und Spott der Boxwelt ertragen müssen, als er am 20. Juli 2002 in Dortmund den EM-Kampf gegen den Polen Przemyslaw Saleta eingangs der neunten Runde aufgab. Krasniqi war fix und fertig einfach in der Ecke sitzen geblieben. "Ich will nicht mehr. Schluss", sagte Krasniqi damals und ließ sich auch von seinem damaligen Trainer Michael Timm nicht umstimmen.

Krasniqi kostete die Aktion viel Kredit, den er erst mit dem Brewster-Kampf wiedergewann. Eine zweite WM-Chance schien ihm in diesem Jahr zu winken. Der Ausscheid dazu gegen Jonathon Banks aus den USA fiel im Februar wegen einer Erkrankung des Deutschen allerdings aus. So steht in Luan Krasniqis Kampfbilanz auch eine Niederlage als letzter Eintrag: Er verlor am 15. November 2008 in Düsseldorf gegen Alexander Dimitrenko (Hamburg) durch K.o. in der dritten Runde. Die Pleite bewegte die Szene allerdings anders als die zuvor gegen Brewster und Saleta nicht wirklich.

Gert Glaner/DPA / DPA

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