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Box-WM: Aus der Traum - Krasniqi verliert Box-Thriller

Es war ein denkwürdiger Abend in der Hamburger Color Line Arena. Titelverteidiger Lamon Brewster und sein deutscher Herausforderer Luan Krasniqi lieferten sich einen begeisternden Schwergewichts-Kampf, der eigentlich keinen Verlierer verdient gehabt hätte.

Von Klaus Bellstedt

Eine Gedenkminute zu Ehren des 100. Geburtstages von Max Schmeling leitete den Box-Abend in der mit über 15.000 Zuschauern gut gefüllten Color Line Arena ein. Und was den Fans nach dem Ertönen des ersten Gongs dann geboten wurde, hätte das deutsche Box-Idol vermutlich hoch erfreut. Von der ersten Sekunde an entwickelte sich ein rassiger WM-Kampf, in dem sich die Protagonisten im Ring mit offenem Visier begegneten.

Schon in der ersten Runde hatte der Deutsch-Albaner aus Rottweil gezeigt, dass er dem Weltmeister einen großen Fight liefern würde. Zwar legte Brewster wie erwartet los wie die berühmte Dampfwalze und beeindruckte seinen Gegenüber kurzzeitig mit zwei Tiefschlägen, aber Luan Krasniqi (Kampfname "der Löwe") erholte sich davon schnell. Fast im Gegenzug traf der Herausforderer den 32-jährigen Amerikaner mit einem rechten Cross so hart am Kinn, dass der ins Taumeln geriet und sich nur durch Klammern vor einem möglichen Niederschlag bewahrte.

"Wusste nicht mehr wo vorne und hinten ist"

Es folgte ein offener Schlagabtausch in hohem Tempo, fast als seien die beiden Kolosse Mittelgewichtler. Die Kontrahenten vernachlässigten die Deckung, suchten die Entscheidung. Immer wieder kam Krasniqi mit seiner Linken durch, musste aber auch krachende Aufwärtshaken Brewsters einstecken, die andere Boxer längst ins Reich der Träume befördert hätten. Schon zur Mitte des über 12 Runden angesetzten Kampfes waren beide Kämpfer gezeichnet und ausgepumpt. Bei Luan Krasniqi hatte sich seit der zweiten Runde ein kleiner Cut über dem linken Auge geöffnet, der den 34-Jährigen in seiner Angrifffslust aber anscheinend nicht sonderlich behinderte.

Die Vorentscheidung fiel dann in der dramatischen achten Runde, als Brewster den Deutschen wenige Sekunden vor dem Gong mit einer heftigen Linken zu Boden schickte. Krasniqi wurde angezählt und konnte sich in die Pause retten. "Ein Wunder, dass ich überhaupt noch aufstehen konnte", sagte Krasniqi nach dem Kampf. In der neunten Runde mobilisierte der Herausforderer die letzten Reserven, wehrte sich nach Kräften gegen den erschöpften Brewster. Doch dieser kannte keine Gnade und schickte seinen Gegner ein weiteres Mal zu Boden. Daraufhin brach der Ringrichter den Kampf ab. "Ich habe einmal nicht aufgepasst in dieser achten Runde und wusste dann nicht mehr, wo vorne und hinten ist," sagte Krasniqi, der im gleichen Atemzug seinem Gegner zum Sieg gratulierte: "Lamon ist ein großer Champion."

Brewster lobt Luan Krasniqi

Trotz der Niederlage zeigte Krasniqi eine starke Leistung, die Hoffnung macht auf eine neue Chance, doch noch Schwergewichtsweltmeister zu werden und damit das Erbe von Max Schmeling anzutreten. Dass er es nicht schon am Mittwoch schaffte, machte Krasniqi traurig: "Es tut mir unendlich Leid, dass ich den Titel nicht nach Deutschland zurückholen konnte." Der alte und neue Weltmeister Lamon Brewster zollte seinem Herausforderer Respekt: "Er ist ein harter Kämpfer." Die Fans in der Color Line Arena quittierten die überragende Leistung der beiden Boxer mit tosendem Applaus und Standing Ovations. "Besser als dieser Fight kann Boxen nicht sein", meinte hinterher "Box-Papst" Don King. Und wenn es einer wissen muss, dann er.

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