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Judo-WM: Iranischer Judo-Weltmeister flieht nach Deutschland

Der iranische Judoka Saeid Mollaei hat sich nach Berlin abgesetzt. Grund ist, dass ihn der iranische Verband offenbar gezwungen hatte, den WM-Halbfinal-Kampf absichtlich zu verlieren, um ein Finale gegen den Israeli Sagi Muki zu vermeiden.

Saeid Mollaei vor wenigen Tagen im Kampf gegen den Belgier Matthias Casse, den er nach eigener Aussage mit Absicht verlor

Saeid Mollaei vor wenigen Tagen im Kampf gegen den Belgier Matthias Casse, den er nach eigener Aussage mit Absicht verlor

AFP

Der iranische Judo-Star Saeid Mollaei ist offenbar nach Deutschland geflüchtet, aber Asyl hat er entgegen anderslautender Berichte nicht beantragt. Entsprechende Gerüchte wies der 27-Jährige am Sonntagabend klar zurück: "Ich hatte ein deutsches Visum und bin in Deutschland, um mich von den Gerüchten fernzuhalten", sagte Mollaei dem Sender Iran International mit Sitz in London.

Der Grund für die Flucht des Judokas ist, dass die iranischen Behörden ihn genötigt haben sollen, bei der WM in Tokio absichtlich gegen den Belgier Matthias Casse zu verlieren, um in einem möglichen Finale nicht gegen den Israeli Sagi Muki antreten zu müssen. Mollaei habe zudem berichtet, dass Teheran sogar Mitglieder seiner Familie erreicht habe, um den Druck auf den Judoka zu erhöhen.

Judo-Weltverband unterstützt Saeid Mollaei

Daraufhin entschloss sich Mollaei, mit Unterstützung des Judo-Weltverbandes IJF und seines Präsidenten, des Rumänen Marius Vizer, nach Berlin zu fliegen. Es sei die Aufgabe des Verbands, seine Sportler zu beschützen, sagte Vizer der Nachrichtenagentur AFP. Der Verband werde sein Möglichstes tun, damit Mollaei an den Olympischen Spielen teilnehmen könne. "In welchem Team, werden wir später sehen", sagte Vizer weiter. Es könne gut sein, dass Mollaei im Flüchtlingsteam antritt. 

Teheran erkennt den Staat Israel nicht an. Iranische Staatsbürger haben einen Vermerk in ihrem Reisepass, der es ihnen untersagt, ins "besetzte Palästina" zu reisen.

tis / AFP
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